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Neues Wiener Volkstheater

DO, 04. April – SO, 07. April 2019

Vom 4. bis 7. April wird das Festival in Kooperation mit dem Max Reinhardt Seminar zum vierten Mal stattfinden. Das Programm wird im Februar bekanntgegeben.

Wiener Volkstheater – kaum ein Begriff ist so umstritten, wurde entweder romantisch idealisiert oder als „Tummelplatz dilettierender Alt-Wiener“ belächelt. Heute, in Zeiten in denen der Begriff Volk zunehmend politisch instrumentalisiert wird, erscheinen die Fragen eines zeitgenössischen Wiener Volkstheaters aktueller denn je: Welches Volk spricht hier, wird angesprochen? Wie steht es im angebrochenen 21. Jahrhundert um die Gattung des Wiener Volkstheaters? Welche Themen werden verhandelt, welche Stile zeichnet es aus? Und nach welchen Gesichtspunkten kann ein Neues Wiener Volkstheater überhaupt definiert werden?

Mit der Spielzeit 2015/16 wurde ein neues Festival ins Leben gerufen. Es markiert zugleich den Beginn einer nachhaltigen Partnerschaft zwischen dem Volkstheater und dem Max Reinhardt Seminar und hat zu einem intensiven künstlerischen Austausch zwischen Autorinnen und Autoren, dem Ensemble des Volkstheaters und den Studierenden des Max Reinhardt Seminars geführt. Zahlreiche Stücke wurden im Rahmen des Festivals zum ersten Mal einem österreichischen Publikum präsentiert – von Thomas Köck, über Theodora Bauer, Akin E. Şipal und Gerhild Steinbuch bis hin zu den Brüdern Presnjakow und Wolfram Lotz. Es entstanden weitere fruchtbare Arbeitsverbindungen mit Regiestudierenden wie Felix Hafner (Nestroy Preis in der Kategorie Bester Nachwuchs männlich als Regisseur für Der Menschenfeind  von Molière) und Alexandru Weinberger-Bara (Nominierung in Theater heute in der Kategorie Nachwuchs für Mitleid. Die Geschichte des Maschinengewehrs ).

Mit szenischen Skizzen, Inszenierungen und Diskussionsveranstaltungen wurde im ersten Jahr in Zusammenarbeit mit den WIENER WORTSTAETTEN der Frage nach einem „Neuen Wiener Volkstheater“ nachgegangen. Im zweiten Jahr stand die europäische Perspektive eines zeitgenössischen Volkstheaters im Zentrum. Mit dem 1939 im Konzentrationslager Buchenwald ums Leben gekommen österreichischen Schriftsteller Jura Soyfer richtete sich der Blick darüber hinaus auf einen klassischen und gleichzeitig hochaktuellen Vertreter des Wiener Volkstheaters. 2018 standen die Kritik des Volksbegriffes und die Frage nach den Protagonist/innen eines kritischen Volkstheaters in der Tradition von Helmut Qualtinger und Carl Merz im Zentrum. Das Volk – prekäre Existenzen an der ungarisch-österreichischen Grenzen, Pensionistinnen im Aufstand gegen die Vernutzbarkeit, ein Kreativteam auf der Suche nach der Authentizität des Klassenkampfs oder Urlaubsreisende auf der Flucht vor der Flutwelle rechten Gedankenguts.

 

„Wenn das Festival an die Pforten des Seminars anklopft, verwandelt sich die streng getaktete Universität in ein quirlig flimmerndes Experimentierlabor. In jedem Winkel entstehen innerhalb kürzester Zeit wertvolle Begegnung, Fragen und Antworten. Wie bei einem Atomkern, der von Neutronen beschossen wird, werden Unmengen an Energien freigesetzt, die zwar noch roh in ihrer Form aber einmal gebündelt wegweisend für weitere Projekte und Vorhaben sein können.“
Hans-Christian Hasselmann, Regiestudent am Max Reinhardt Seminar

„We recall the festival, first of all, as experiencing the appealing, young energy of the actors and having very interesting meetings. Is there a potential in nowadays theater to open a nationwide discussion? Which plays are expected by directors and actors from playwrights – all those questions were essential to be discussed by colleagues and audience. This festival and Vienna inspired us to write a new play.“
Oleg und Vladimir Presnyakov, Autorenduo

„Für mich, als ehemalige Seminaristin, war es zum Einen spannend, wieder zurück in die Räume des Max Reinhardt Seminars zu gehen, welche voller Erinnerungen sind an vergangene Erfahrungen, Emotionen und Kämpfe. Zum Anderen ist das Projekt Neues Wiener Volkstheater eine unfassbare Möglichkeit für die jetzigen Student/innen, wirkliche Theaterluft zu schnuppern. Und wie geht das besser, als sich mit schon im Beruf stehenden Schauspieler/innen, Dramaturg/innen oder Techniker/innen auszutauschen und zu arbeiten. Eine Möglichkeit, die ich damals, 2002 bis 2006, noch nicht hatte und mir gewünscht hätte. Umso mehr habe ich mich gefreut, Teil dieses Festivals sein zu können!“
Evi Kerstephan (Schauspielerin am Volkstheater)

„Die Teilnahme am Festival Neues Wiener Volkstheater war für mich in mehrerlei Hinsicht eine bereichernde Erfahrung. Erstens war ich am Entstehungsprozess ganz nah dran, zweitens war es wundervoll zu sehen, wie toll erfahrene Schauspieler/innen und die Studierenden des Max Reinhardt Seminars zusammengearbeitet haben. Ich bin mehr als zufrieden mit der entstandenen Produktion – für sie spricht auf jeden Fall, dass sie den Sprung zu anderen Festivals bereits geschafft hat. Bezüglich des Festivals kann ich sagen: Nur weiter so!“
Theodora Bauer (Autorin)

„Das Festival ist eine schöne Möglichkeit Schnittstellen zwischen alten Traditionen und neuen Formen zu suchen; sich die Frage vorzunehmen: Was kann Theater sein, das direkt zu den Leuten spricht? Was geht sie an, was stachelt sie auf, worin erkennen sie sich wieder?“
Felix Hafner (ehemaliger Regiestudent am Max Reinhardt Seminar)

„Eine begabte junge Autorin (Theodora Bauer), eine junge, sehr begabte Regisseurin (Anna Marboe), junge ambitionierte Kolleg/innen und eine schöne Rolle in einem guten Stück (papier.waren.pospischil), was gibt es Erfreulicheres am Theater. Das war für mich meine erste Mitwirkung beim Neuen Wiener Volkstheater! Und mein zweites Mal mit In Ewigkeit Ameisen von Wolfram Lotz war genauso toll. Ich hoffe auch noch ein drittes Mal dabei sein zu können.“
Doris Weiner (Schauspielerin am Volkstheater)