Menü
 
 

Serbischer November

13. November 2015 – 16. November 2015

Mit Unterstützung des Bundesministeriums für Europa, Integration und Äußeres

Im Rahmen des österreichisch-serbischen Kulturjahrs

 

In Wien leben über 70.000 Menschen mit serbischem Pass, ungezählt sind die „eingewienerten“ Serbinnen und Serben der zweiten, dritten oder vierten Generation. Serbische Migration nach Wien hat eine lange Tradition und erlebte ab den 1960er-Jahren durch die Arbeitsmigration tausender Serbinnen und Serben ihre Blüte. Wien ist heute eine der größten serbischen Städte.

Auch der kulturelle Austausch zwischen Wien und Belgrad ist von jeher intensiv. Die kulturellen Aktivitäten der Gastarbeiter/innen gehören heute zum Wiener Kulturgut; serbischstämmige Künstler/innen wie Marina Abramović, Milo Dor und Bogdan Bogdanović gaben nachhaltige Impulse in die österreichische Kunstwelt ab. Heute prägt eine ungemein vitale, vorwiegend in Belgrad ansässige Kunstszene das kulturelle Leben Serbiens. Eine junge Generation von Theaterschaffenden macht an den etablierten wie freien Bühnen von Belgrad und Novi Sad, in kleineren Städten und in den Nachbarländern auf sich aufmerksam und erlangte teilweise auch Bekanntheit im deutschsprachigen Raum. Der diskursive und versöhnende Beitrag der Künste zur Aufarbeitung der Jugoslawien-Kriege in den 1990er-Jahren kommt in ihren Arbeiten zum Tragen. Aber der Krieg ist bei Weitem nicht das einzige Thema. Die junge Künstler/innengeneration verhandelt u.a. Themen wie Geschlechterklischees und häusliche Gewalt, setzt sich mit der serbischen Politik seit dem Ende des Kriegs und dem Sturz Miloševićs auseinander und findet aufsehenerregende Bühnensprachen für alte und neue, heimische und internationale Dramenliteratur.

Der Länderschwerpunkt am Volkstheater Wien lädt ein, Serbien als theatralen Raum, Gedächtnisort, Entstehungsstätte heutiger Kunst und Diskursraum neu kennenzulernen. Den Auftakt bildet ein Gastspiel der Komödie Pokojnik des „serbischen Nestroy“ Branislav Nušić (eine Produktion des Jugoslovensko Dramsko Pozorište mit der Fakultät für Dramatische Künste, Belgrad) auf der großen Bühne des Volkstheaters. Der junge Regisseur Igor Vuk Torbica erarbeitete diese Inszenierung noch während seines Studiums und gilt nicht zuletzt wegen der angstfreien Aktualisierung und komödiantischen Treffsicherheit dieser Arbeit als Nachwuchshoffnung.

Im Volx/Margareten werden weitere aktuelle Produktionen mit serbischem Bezugspunkt gezeigt: Vom Serbischen Nationaltheater Pirot kommt eine schwindelerregende Version von Fassbinders Katzelmacher der Regisseurin Bojana Lazić. Präsentiert wird außerdem der Videomitschnitt der vielbeachteten Produktion Aleksandra Zec von Oliver Frljić, das die Ermordung eines zwölfjährigen serbischen Mädchens durch kroatische Milizen während des Krieges 1991 aufgreift. Im Anschluss findet ein Gespräch mit dem Regisseur zum Thema “Nationale Hysterie und Nationaltheater” statt. Mit No One’s Child/Nicije dete, dem eindringlichen Film-Debüt des Regisseurs Vuk Ršumovic, wird der Bogen zum heutigen serbischen Kino geschlagen. Flankiert wird das Programm von Die Sprache der anderen, einem Austausch-Projekt des Jungen Volkstheaters mit serbischen Deutsch- und österreichischen Serbisch-Lernenden.

Zum Thema Flüchtlingsbewegung und Rechtspopulismus findet ein Round-Table-Gespräch mit künstlerischen Vertreter/innen der UTE-Theater im Rahmen des Programmes conflict zones statt. In conflict zones (2014–2017) vernetzt die UTE (Union des Théâtres de l’Europe) renommierte Theatermacher/innen, die sich mit Kriegen und Konflikten auseinandersetzen, mit Nachwuchskünstler/innen, Politik und Wissenschaft. Aus Anlass der Neu-Mitgliedschaft des Volkstheaters hält die UTE ihre Generalversammlung 2015 erstmalig in Wien ab – ebenfalls im Rahmen des Länderschwerpunkts Serbien. Zeitgleich und im Austausch findet außerdem die Tagung Theater während der Jugoslawienkriege 1991–1995, geplant und durchgeführt von Prof. Stefan Hulfeld, Senad Halilbasic und Jana Dolečki (Institut für Theater-, Film- und Medienwissenschaft, Uni Wien) in Kooperation mit Blockfrei, statt.

Download Postkarte

Download Folder