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Tragikomödie
von Gerhart Hauptmann
Bearbeitung für das Volkstheater Wien von Dimitré Dinev
Berk/Hitz/Stadeler/Zeller
Premiere: 8. Oktober 2010
Spielstätte: Haupthaus
Frau John hätte gerne wieder ein Kind, nachdem ihr erstes kurz nach der Geburt gestorben ist, wird aber nicht schwanger. Ihr Mann arbeitet als Maurerpolier auswärts auf verschiedenen Baustellen. Als sich das verzweifelte Dienstmädchen Pauline Piperkarcka hochschwanger auf den Dachboden, auf dem der ehemalige Theaterdirektor Harro Hassenreuter seinen Fundus lagert, flüchtet, wittert Frau John ihre Chance. Sie verstrickt sich in ein gewagtes Betrugsmanöver und handelt der Piperkarcka das Kind ab. Doch kurze Zeit später taucht Pauline, von Sehnsucht und Reue geplagt, wieder auf und will das Kind zurück. Weil aber Frau John auf ihr langersehntes Glück nicht verzichten will, schaltet Pauline die Behörden ein und treibt sie so immer weiter in die Enge. Hassenreuter gibt unterdessen dem Pastorensohn und heimlichen Geliebten seiner Tochter, Erich Spitta, Schauspielunterricht und führt mit ihm theatertheoretische Diskussionen. Frau John stiftet schließlich ihren Bruder Bruno, einen zwielichtigen Ganoven, an, Pauline einzuschüchtern. Im Streit erschlägt dieser Pauline. Das Leben der bislang immer rechtschaffenen Frau John erlangt plötzlich eine gefährliche Schieflage. Ihr Betrug wird entdeckt. Als sich ihr Mann daraufhin von ihr lossagt, gibt es nur mehr einen Ausweg für sie ...
Gerhart Hauptmann hat mit Die Ratten ein zeitloses Gesellschaftsbild geschaffen, das die verschiedenen Milieus sozialkritisch durchleuchtet. Was Herr John instinktiv ahnt, wird mit der Rattenplage symbolisch verdeutlicht: Hinter den Fassaden ist die Gesellschaft morsch, unterhöhlt von „menschlichem Ungeziefer" und sozialen Spannungen. Der Untergang ist unabwendbar, gesellschaftlich wie privat.
Der renommierte österreichisch-bulgarische Autor Dimitré Dinev, dessen Stück Eine heikle Sache, die Seele im Mai 2008 am Volkstheater uraufgeführt wurde, hat eigens für das Volkstheater eine literarische Neubearbeitung der ursprünglich Berliner Tragikomödie entworfen.
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Regie: Ingo Berk
Bühne: Damian Hitz
Kostüme: Kathrin Stadeler
Musik: Patrik Zeller
Dramaturgie: Irene Girkinger
| Harro Hassenreuter | Erich Schleyer |
| Walburga | Nanette Waidmann |
| Pastor Spitta | Wolf Dähne |
| Erich Spitta | Matthias Mamedof |
| Alice Rütterbusch | Susa Meyer |
| Nathanael Jettel | Wolf Dähne |
| John | Dominik Warta |
| Frau John | Claudia Sabitzer |
| Bruno Mechelke | Simon Mantei |
| Pauline Piperkarcka | Andrea Wenzl |
| Frau Sidonie Knobbe | Inge Altenburger |
| Selma | Andrea Bröderbauer |
| Quaquaro | Thomas Bauer |
| Frau Kielbacke | Susa Meyer |
| Schutzmann Schierke | Wolf Dähne |
„1911 in Berlin uraufgeführt, werden „Die Ratten" in Dimitré Dinevs sanftem, feinfühligem Relaunch zum zeitlosen Sozialdrama. Ingo Berks erste Regie-Arbeit am Haus verstört, verschreckt und unterhält. Gut so! Die Schauspieler liefern eine sehr gute Ensembleleistung mit ein paar Highlights ab.
Ein Glück. Dass Andrea Wenzl nun am Wiener Volkstheater agiert, ist ein Glück. Die aus Graz kommende Schauspielerin spielt die Pauline Piperkarcka mit einer Wahrhaftigkeit, einer Unbarmherzigkeit (gegen das Publikum), dass das Herz an den Kehlkopf schlägt. Nur für eine schraubt sich beim opulenten Schlussapplaus die Phonzahl höher: Claudia Sabitzer, die die Maurerpoliergattin John kalt, grausam, nah am Wahnsinn zeigt.
Bedrohliche Bilder in einem Szenario, in dem niemand ungeschoren davon kommt. Nicht die Zuschauer, die sich einer ungewöhnlichen Unmittelbarkeit der Darstellung ausgesetzt sehen; nicht die Darsteller, die dies unter großer Kraftanstrengung leisten. Vor allem: Erich Schleyer als selbstverliebter Hassenreuter, Matthias Mamedof als Erich Spitta und Dominik Warta liefert als verzweifelter John eine tadellose Performance ab." (Kurier)
„Mit seiner Tragikomödie "Die Ratten" gelang Gerhart Hauptmann vor nunmehr hundert Jahren ein ganz großer Wurf: Eine von Ungeziefer verseuchte Berliner Mietskaserne spiegelt symbolhaft die Kehrseite der Fin-de-siècle-Gesellschaft.
Im sprachlich scharf differenzierten Proletarier- und Kleinbürgermilieu vollzieht sich die persönliche Tragödie der Frau John, die sich aus unerfüllbarer Sehnsucht nach einem eigenen Kind in betrügerische Machenschaften einlässt und daran zugrunde geht. Eine überzeitlich gültige Geschichte? Dimitré Dinev ist davon überzeugt und durfte mit seiner Bearbeitung von Hauptmanns Werk bei der Premiere im Volkstheater auch einen stürmischen Publikumserfolg verbuchen.
Dinev versetzt die geschickt verdichtete Handlung ohne aktuelle Anspielungen in eine nicht näher definierte Gegenwart, das Berlinerische wird in ein heutig klingendes, nicht näher lokalisierbares Deutsch mit wienerischen Anklängen transponiert.
Claudia Sabitzer verleiht der Frau John, die ihrem Mann (Dominik Warta) das Kind der Piperkarcka als den eigenen, lang ersehnten Stammhalter präsentiert, ein kaum mehr zu steigerndes Maß an Gefühlsintensität. Erich Schleyer brilliert als Schwadroneur, der künstlerischen und politischen Idealismus predigt, nach außen hin die kleinbürgerliche Familienmoral hochhält, dabei aber Schauspielerinnen wie Alice Rütterbusch (Susa Meyer) auf andere Weise protegiert. Wie dieses Milieu einen idealistischen Schauspieler-Aspiranten verunsichert, bringt Matthias Mamedof als Spitta überzeugend zum Ausdruck." (Wiener Zeitung)
„Dinev gelang eine klare, gestraffte Bearbeitung.
Dominik Warta gibt als Arbeiter Paul John keine Ruhe, bis die Wahrheit ans Licht gekommen - und das durch Lüge aufgebaute Familienglück zerstört ist. Wie dessen Frau allmählich den Boden unter den Füßen verliert und in den Wahn schlittert: Diesen Wandel macht Claudia Sabitzer erschreckend deutlich."(Der Standard)
„Sabitzer und Wenzl lassen sich zu Ausbrüchen klassischer Tragödie hinreißen. Matthias Mamedof überzeugt als unglücklicher Theologe, den es zum Theater hinzieht. Erich Schleyer liefert als verkrachter Exdirektor ein Kabinettstück, das die Grenzen zwischen Können, Pathos und Schmiere enthüllt, Inge Altenburger als Morphinistin zeigt, wie man diese Grenze dreist überschreitet, während Susa Meyer sie ebenso mühelos achtet." (Die Presse)
„Rund um Frau John entfaltet sich das pure Elend, ihr Wahn wird dank der expressiven, gut studierten Claudia Sabitzer greifbar. Sie macht die getriebene Frauenfigur mit dramatischen Steigerungen zum Zentrum der Spannung." (Salzburger Nachrichten)
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Premiere am 23. Mai
im Volkstheater in den Bezirken!
Mit: Annette Isabella Holzmann; Thomas Kamper, Matthias Mamedof
© Lalo Jodlbauer
Maria Bill als Edith Piaf: Faszinierend, berührend, aufregend und immer authentisch.
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Mit Erni Mangold und
Erich Schleyer.
Nur mehr am 23. Mai
und 16. Juni 2012!
Infos & Karten
© Lalo Jodlbauer