VOLKSTHEATER - JEDEN TAG THEATER

Kinder der Sonne 15

Kinder der Sonne

Kinder der Sonne

Spielstätte: Haupthaus

(Deti Solnca) 
von Maxim Gorkij
Deutsch von Ulrike Zemme
Erpulat/Willi/Bax/Lichtenberger-Bozoki/Wallmüller/Leser
Premiere: 27. April 2012

Spielstätte: Haupthaus

Im Hause Protassow, 1892. Es sind privilegierte Menschen: Künstler, Wissenschaftler, Intellektuelle, die im Haus des Biochemikers Protassow am Bild einer heiteren, strahlenden Zukunft basteln. Draußen wütet die Cholera. Protassow hat für seine Forschungen sein Vermögen aufgebraucht und sich der Aufgabe verschrieben, „einen glücklichen und edlen Menschen zu erschaffen". Sein Credo: „Wir Menschen sind alle Kinder der Sonne!" Seine Frau fühlt sich vernachlässigt und wird von Wagin heftig umworben. Seine sensible Schwester Lisa hat Angstattacken und Lebensängste. Und da ist noch die reiche Witwe Melanija, die Protassow auf das lächerlichste anbetet, und der Tierarzt Tschepurnoj, der schon seit langem in Protassows Schwester Lisa verliebt ist. Schließlich der Schlosser Jegor, er schlägt seine Frau, prügelt sich, trinkt und randaliert. Ganz von ihren Leidenschaften erfüllt, leben diese „Kinder der Sonne" von der Wirklichkeit abgeschottet wie auf einem fernen Planeten in einem luftleeren
Raum: Draußen rottet sich das Volk zusammen, die Revolution ist nicht aufzuhalten ...

Maxim Gorki schrieb Kinder der Sonne, als er in der Peter-und-Paul-Festung in St. Petersburg nach dem Aufstand 1905 inhaftiert war. Er beschreibt das Versagen der russischen Intelligenzija: Die Arbeiter und Bauern müssen sich ihren Zugang zu Kunst, Kultur und Wissenschaft selbst erkämpfen. Gorki zeichnet das düster-komische Bild einer Gesellschaft, die bemüht ist, eine bessere Welt zu schaffen und auf die sich abzeichnende soziale Katastrophe zu reagieren.

 

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  • Termine
    • Dienstag, 22. Mai 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr 18:45 Uhr Weißer Salon: Intro - freier Eintritt
      Abo 10, Wahlabo, freier Verkauf

    • Samstag, 26. Mai 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr
      Abo 7, Ferien-/Bezirke-/WAHLABO, freier Verkauf

    • Mittwoch, 30. Mai 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr
      Abo 3, Wahlabo, freier Verkauf

    • Freitag, 01. Juni 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr
      Abo 13, Wahlabo, freier Verkauf

    • Sonntag, 03. Juni 2012, 15:00 bis 16:50 Uhr
      Abo 6, Wahlabo, Bezirke-Wahlabo, freier Verkauf

    • Freitag, 08. Juni 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr
      Wahlabo, Bezirke-Wahlabo, freier Verkauf

    • Dienstag, 12. Juni 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr 18:45 Uhr Weißer Salon: Intro - freier Eintritt
      Abo 17, Wahlabo, freier Verkauf

    • Sonntag, 17. Juni 2012, 15:00 bis 16:50 Uhr
      Abo 14, Wahlabo, freier Verkauf

    • Donnerstag, 21. Juni 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr 18:45 Uhr Weißer Salon: Intro - freier Eintritt
      Abo 19, Wahlabo, freier Verkauf

    • Sonntag, 24. Juni 2012, 19:30 bis 21:20 Uhr zum letzten Mal in dieser Spielzeit
      Abo 8, Wahlabo, freier Verkauf

  • Regie und Ausstattung

    Regie: Nurkan Erpulat
    Bühne: Magda Willi
    Kostüme: Pieter Bax
    Musik: Imre Lichtenberger-Bozoki/Moritz Wallmüller
    Licht: Hans Leser
    Dramaturgie: Susanne Abbrederis

  • Besetzung
    Pawel Fjodorowitsch Protassow Patrick O. Beck
    Lisa, seine Schwester Nanette Waidmann
    Jelena Nikolajewna, seine Frau Heike Kretschmer
    Dmitrij Sergejewitsch Wagin Günter Franzmeier
    Boris Nikolajewitsch Tschepurnoj Simon Mantei
    Melanija, seine Schwester Claudia Sabitzer
    Nasar Awdejewitsch Günther Wiederschwinger
    Jegor, Schlosser Alexander Lhotzky
    Antonowna, Kinderfrau
    Inge Maux

     

    Statisterie

     

    Ibrahim Öztoplu, Hausmeister;
    Leopold Böhm, Hannah Darabos,
    Christopher Diehl, Thomas Erlmoser,
    Danijel Gavrilovic,
    Lukian Guttenbrunner, Thomas Wulz

  • Pressestimmen

    „Gorkij zeigt auf gnadenlos komische Weise das Versagen der Elite: Wir sehen Wissenschaftler, Künstler, Intellektuelle, die von einer strahlenden Zukunft für die Menschheit faseln, sich aber in Wahrheit nur für ihre Eitelkeiten, hormonellen Befindlichkeiten und Angstneurosen interessieren. Dieses Stück, 1905 in Festungshaft geschrieben, ist auf fast verblüffende Weise "aktuell": Die Hungernden und Hoffnungslosen, welche die Mauern der Privilegierten berennen; die Verheißungen der Technologie; Fortschrittsgläubigkeit, Geschäftemacherei, abgehobene Künstler, drohende Seuchen; all das kennen wir doch.

    Es ist eine große Qualität dieser Inszenierung von Nurkan Erpulat, dass sie der Versuchung zur banalen Aktualisierung widersteht. Erpulat hat einen großartigen Weg gefunden, die Macht- und Mittellosen ins Spiel einzubauen: Sie halten die Kulissen aufrecht. Statisten tragen während des gesamten Stücks Tischplatten, stützen Wände, fixieren schwere Luster. Allerdings legen sie nach der ersten Stunde auch eine Jausenpause ein - weswegen die Darsteller ungeduldig warten müssen, bis sie weiterspielen können: eine geniale Idee.

    Gegen Ende fallen immer mehr "Bühnenarbeiter" der Cholera zum Opfer oder schließen sich der Revolution an - und das Bühnenbild (Magda Willi) verfällt immer mehr. Das Bühnenbild: Auch dieses ist großartig. Die gesamte Bühne ist mit Dreck und Schlamm bedeckt, mühsam wird von der Hausangestellten eine Spielfläche freigeschaufelt.

    Erpulats Inszenierung sprüht vor Ideen (herrlich ist etwa die Szene, wenn die Figuren inmitten des ausbrechenden Chaos' eine dekonstruierte Version von "Fein sein, beinander bleiben" im Chor singen). Sie ist hart, präzise und auch sehr komisch.

    Die Darsteller sind allesamt gut, vor allem: Patrick O. Beck als in seine Forschung verliebter Professor, Nanette Waidmann als dessen sensible Schwester, Claudia Sabitzer als groteske, liebesberauschte Witwe, Günter Franzmeier als eitler Künstler und Alexander Lhotzky als aufsässiger Schlosser.

    Sehr langer, sehr freundlicher Applaus. Die Aufführung hat Tempo und viel Witz." (Kurier)

     

    „Der bemerkenswerteste Moment dieses Theaterabends ist jener, in dem auf dem Podium nahezu nichts passiert. Auf ein Signal legen die anwesenden Bühnenhandwerker kurzzeitig ihre Arbeit nieder, machen Pause, fläzen sich auf den Boden, rauchen, verspeisen Wurstsemmel. Die Schauspieler halten währenddessen in ihrem Reden inne, die Handlung wird für die Dauer einer Zigarettenpause unterbrochen, die Hauptakteure verwandeln sich in Statisten. Der einzige Laut, der von der Bühne des Volkstheaters dringt, ist das Gedudel eines Handyradios.

    In der nur wenige Minuten dauernden Szene wird die eigentliche Brisanz von Maxim Gorkijs Gesellschaftskomödie "Die Kinder der Sonne" erst virulent. Der türkischstämmige deutsche Regisseur Nurkan Erpulat bringt die sozialen Krisen und Konflikte, von denen das Stück (auch) handelt, überzeugend auf die Bühne: Das Volk, bei Gorkij nur als vage Protestenergie vorhanden, dominiert in Gestalt der Bühnenarbeiter die Szene. Die acht Blaumänner fixieren die Kronleuchter via Seilzug, sie stemmen einen Tisch ohne Beine, an dem die Schauspieler dinieren. Wie sehr die Gehilfen das Stück am Laufen halten, macht die kurze Pause deutlich: Die Arbeitsniederlegung gleicht einem Generalstreik.

    Prägnant offenbart Regisseur Erpulat nicht nur die Abhängigkeit der Eliten von der Arbeitsleistung der Unterschicht, sondern auch die Arroganz der Privilegierten - vor und nach der Unterbrechung beachten die Schauspieler die Hilfstruppe überhaupt nicht. Die Dienstleister sind so selbstverständlich wie die Möbelstücke, die sie halten.

    Günter Franzmeier glänzt als egozentrischer Künstler Wagin, Patrick O. Beck markiert als weltfremder, auf souveräne Weise verschrobener Biochemiker Protassow das Epizentrum des Abends." (Wiener Zeitung)

     

    „Die künstlich gedehnten Szenen, das Fegen und die Zigarettenpause, sind überhaupt nicht langweilig, sondern Gorki pur. Russlands Intelligenz, die Kinder der Sonne, streben nach dem Höchsten, nach Glück. Weil sie bei diesem Blick zum Himmel aber geblendet werden und betört von dekadenter Musik, weil sie nicht sehen, was tatsächlich um sie herum und mit ihnen geschieht, verpassen sie den Moment - für private Erfüllung ebenso wie für die Revolution. Sie sind reformwillig, aber weltfremd. Nach dem ersten Akt singen sie gemeinsam „Fein sein, beinander bleiben". Werch ein Illtum! Von den Bürgern zieht nur Hausbesitzer Nasar Konsequenzen aus dem Gespür für gesellschaftliche Veränderung - Günther Wiederschwinger gibt ihn als Entrepreneur im Maßanzug. Der weiß, wann er abhauen muss.

    Erpulats Inszenierung ist atmosphärisch gelungen, mit einem Ensemble, das oft  zu glänzen weiß. Alexander Lhotzky etwa geht in seiner Rolle als brutaler Schlosser Jegor richtig aus sich heraus, als prügelnder Gastarbeiter, der nach Anerkennung lechzt. Er wird am Schluss den Mob anführen, der den Genetiker erschlagen will. Fast schon übertrieben, aber mit ungeheurer Intensität spielt Claudia Sabitzer die liebestolle Melanija. Der Kontrast zu dem von ihr angehimmelten Denker Protassow könnte nicht stärker sein. Im Vergleich dazu ist sogar die komplexbehaftete, tragische Beziehung zwischen Melanijas Bruder Boris und Protassows nervenkranker Schwester Lisa dezent; Simon Mantei spielt den hilflos Werbenden exzellent, Nanette Waidmann die Neurotikerin mit rührend jungem Engagement.

    Das Volkstheater wagt etwas Ungewöhnliches: Gorkis alter Sonnentraum wird neu gedeutet. Und erhält sogar wieder etwas Glanz." (Die Presse)

     

    „Im Wiener Volkstheater nimmt Regisseur Nurkan Erpulat das Geschäft der Deutung selbstbewusst in die postmigrantische Hand. Auf der leicht nach vorne kippenden Bühne (Magda Willi) liegt eine dünne Schicht Erde; die gute Kinderfrau Antonowna (Inge Maux) ergreift den Besen und kehrt eine rechteckige Spielfläche frei.

    Alles, was den Haushalt des sendungsbewussten Biochemikers Protassow (Patrick O. Beck) im Innersten zusammenhält, muss den Verhältnissen erst abgerungen werden. Der eigentliche Hauptdarsteller dieser grillenhaften Inszenierung ist das Volk: Bühnenarbeiter in grauer Montur halten wie stumme Diener die Seilzüge der Luster in Händen.

    In der Tat: Wer in den Genuss dieser Aufführung kommt und guten Willens ist, der hat den Unterschied zwischen Basis und Überbau endgültig begriffen." (Der Standard)

     

  • Fotos
    • Kinder der Sonne 01 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 02 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 03 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 04 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 05 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 06 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 07 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 08 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 09 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 10 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 11 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 12 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 13 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 14 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 15 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 17 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 19 © Klaus Lefebvre
    • Kinder der Sonne 20 © Klaus Lefebvre

  • Video

    © Johannes Hammel

    © Johannes Hammel

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