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von Bertolt Brecht
Musik: Patrick Lammer unter Verwendung von einigen Motiven aus der Original-Schauspielmusik von Paul Dessau zu „Herr Puntila und sein Knecht Matti"
Schulte-Michels/Liebermann/Lammer
Premiere: 19. November 2010
Spielstätte: Haupthaus
Der Gutsbesitzer Puntila ist ein herzhafter, ordinärer, alle Welt umarmender und ungemein sympathischer Kerl - solange er betrunken ist. Hat er aber seine Anfälle von grauenhafter Nüchternheit, ist er bösartig, heimtückisch, Ausbeuter und Kapitalist. Und herrscht wie ein Despot. Im Suff hat er Matti als Chauffeur engagiert, verlobt sich gleichzeitig mit vier Frauen, stellt wahllos Leute ein und will Matti - anstatt eines grotesken Attachés - als Mann für seine Tochter Eva. Matti allerdings lehnt das Fräulein Eva ab. Bei seiner Examinierung erweist sie sich als ungeeignet: Sie ist zu „verwöhnt" für einen Proletarierhaushalt. Arm und reich können nicht zusammen kommen. Matti verlässt Puntila. Doch der würde ihn, am nächsten Morgen und nüchtern, sowieso hinauswerfen ...
Die Welt lässt sich heute, ganz wie bei Brecht, in drei Kategorien einteilen: die Welt betrunken zu sehen, sie nüchtern zu sehen und sie so zu sehen, wie sie ist. Der erotische Trieb des betrunkenen Herrn Puntila erstreckt sich über das ganze Stück, er ist ein Liebhaber der Liebe, ein Fürsprecher des Genusses, er hat jede Form von Erziehung hinter sich gelassen, allen Ideologien den Rücken gekehrt. Er ist ein anarchistischer Provokateur. Der nüchterne Herr Puntila ist kalt, berechnend und bereit, seine Familie für gewinnbringende Geschäfte zu opfern.
Zwischen diesen beiden Welten befindet sich Matti, das Zünglein an der Waage. Eine große Parabel von Herrschaft und Knechtschaft.
Mit freundlicher Unterstützung von Fernwärme Wien
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Regie und Bühne: Thomas Schulte-Michels
Kostüme: Tanja Liebermann
Musikalische Leitung: Patrick Lammer
Dramaturgie: Susanne Abbrederis
| Puntila, Gutsbesitzer | Marcello de Nardo |
| Eva Puntila, seine Tochter | Heike Kretschmer |
| Matti, sein Chaffeur | Günter Franzmeier |
| Laina, die Köchin | Inge Maux |
| Der Ober | Patrick Lammer |
| Der Richter | Alexander Lhotzky |
| Der Attaché | Till Firit |
| Der Viehdoktor | Patrick O. Beck |
| Die Schmuggleremma | Inge Altenburger |
| Das Apothekerfräulein | Annette Isabella Holzmann |
| Das Kuhmädchen | Nanette Waidmann |
| Die Telefonistin | Susa Meyer |
| Ein dicker Mann | Patrick O. Beck |
| Ein Arbeiter | Patrick Lammer |
| Der Rothaarige | Thomas Bauer |
| Der Kümmerliche | Arne Gottschling |
| Der rote Surkkala | Robert Prinzler |
| Der Advokat | Thomas Bauer |
| Der Probst | Patrick O. Beck |
| Musiker | Patrick Lammer |
| 7 Komparsen | Leopold Böhm, Erich Gratzl, Peter Hübelbauer, Valentin Klose, Andreas Knabl, Viktor Krenn, Manfred Paßrugger |
„Die Launen des kleinen Diktators: Bertolt Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti" als famose Lockerungsübung und Tanz auf dem Hochseil der Gesellschaftskritik im Wiener Volkstheater
Ein ebenso überraschendes wie überragendes Vitalitätszeichen setzt das Wiener Volkstheater: Es erlöst Bertolt Brechts Volksstück "Herr Puntila und sein Knecht Matti", entstanden 1940, aus dessen finnischer Enge. Regisseur Thomas Schulte-Michels dreht allen Vorschreibungen des epischen Theaters eine lange Nase: Er macht zum Beispiel Schluss mit dem vorgeschriebenen Einheitsgrau des Proletarier-Elends. Er schert sich keinen Deut um die Orthodoxie der Brecht-Tradition. Erzählt wird in diesem eher wenig geliebten Meisterwerk aus Brechts Exil-Zeit eine ganz unmögliche Liebesgeschichte: vom zärtlichen, verschämten, bis aufs Messer geführten Konflikt zwischen Herr und Knecht.
Nie sah man den Komödianten de Nardo bezwingender: ein Höllenspaßmacher im verknöpften Gehrock, gegen dessen anarchische Anwandlungen Anmut wie Armut der Milchmädchen (gesanglich famos: Susa Meyer) und die Dummheit seines Schwiegersohns in spe (Till Firit) glatt verblassen.
Die Volkstheater-Schauspieler sammeln große Momente wie Treuecoupons. Franzmeier, der lange, von der Einrichtung der Welt in einen näselnden Zynismus getriebene Matti klimpert in Baal-Laune auf der Gitarre herum, um dem Publikum endlich zuzurufen: "Das Stück ist aus!" Mit Inszenierungen wie dieser könnte für das Wiener Volkstheater eine prächtige Phase angebrochen sein." (Der Standard)
„Klassenkampf mit Clowns: "Herr Puntila und sein Knecht Matti" mit Marcello de Nardo und Günter Franzmeier ist eine wahrhaft zirkusreife Vorstellung.
Das Thema ist zweifellos zeitlos modern. Da muss einer um jeden Preis seinen Job behalten, daher dem Chef nach dem Mund reden, jede Laune dieses selbstbesoffenen Dampfplauderers aushalten, bis er schließlich doch zum einzig echten Machtmittel des Proletariats greift.
Kündigen. Thomas Schulte-Michels inszenierte am Volkstheater Bert Brechts "Herr Puntila und sein Knecht Matti". Und er hat es tatsächlich geschafft, dem alten Theater-Didaktiker den sonst streng erhobenen Zeigefinger einzuknicken. Schulte-Michels (auch Bühnenbild) schuf sich einfach eine Zirkuswelt, um die Geschichte vom Gutsbesitzer, der unter Alkohol der netteste Kerl der Welt, nüchtern deren größtes Arschloch ist, zu erzählen.
Seine sich ständig drehende Erde, eine Landschaft aus roten Stühlen und Bierkisten, bevölkert er mit Geisterbahngestalten. Das Volksstück als Rocky Horror Brecht Show. Die brechtisch weiß geschminkten Gesichter sind bei ihm verwandt mit Chaplins Tramp (Puntila) und dem Weißclown (Matti).
De Nardo als Puntila und Franzmeier als Matti brillieren. De Nardo ist fabelhaft als Mann mit den zwei Gesichtern. Den Bade- trägt er wie einen Königsmantel. Ein Narr, der zum Despoten wird. In etlichen Kletter- und Turnszenen bringt er wieder wunderbar sein Körperspiel zum Einsatz. Auch Franzmeier überzeugt als bärbeißiger Matti. Er ist ein vor Sarkasmus triefender Strippenzieher, dessen wahre Intentionen nicht immer klar sind. Zwischen den beiden passt jede Pointe wie handgenäht. Heike Kretschmer spielt dazu Puntilas Tochter Eva als dralle Naive, ist aber die Berechnung im Petticoat.
Die Inszenierung: Eine Augenweide. Schöne Bilder, gute Ideen. Ein Zirkus!" (Der Kurier)
„Günter Franzmeier überzeugt als Knecht Matti, der sich wohl nach mannigfaltigen schlechten Erfahrungen oder aus angeborenem Trotz nicht kaufen lassen möchte. Er hat erkannt, dass listige Verweigerung die beste Waffe gegen Tyrannei ist. Zuckerbrot und Peitsche, mit denen Puntila seine Opfer traktiert, werden von Matti mit knappen, schnellen Schlägen auf den Herrn zurückgefeuert. Außerdem haben Franzmeier und die entzückende Inge Maux als Köchin Laina die bezauberndsten Lieder; beide absolvieren sie sehr brechtisch original.
Heike Kretschmers Naturtalent für Aplomb als Tochter Puntilas, Eva, bricht sich einige Male trotz aller Dämpfer rückhaltlos Bahn durch diese Aufführung.
Till Firit gefällt als gezierter Attaché, der wegen seiner Schulden über jede Demütigung, die ihm Puntila zuteil werden lässt, hinwegsehen muss. Von den Honoratioren des Ortes ist Alexander Lhotzky als Richter der echteste." (Die Presse)
„Brechts „Puntila" passt als Debattenbeitrag zum Thema Volkstück hier und jetzt. Wie anders soll es heute auftreten, dieses zur Füllung der Kassen und Besserung der Menschen wieder und wieder erweckte Musenkind, denn bunt, musikalisch, sentimental-poetisch, witzig-lasziv, realistisch und abgehoben-verspielt. Und darum einem Musical zum Verwechseln ähnlich. Tatjana Liebermann kleidete das Personal aller Klassen in Stadt, Dorf, Landgut in eine schier unüberblickbare Fülle phantastischer Näh- und Strickarbeit. Kostüme, die in Erinnerung bleiben. Der Regisseur Thomas Schulte-Michels verwob in die neunzig pausenlosen Minuten Zitate aus der paradoxen Chaplin-Clowneske. Aber in Multicolor." (Wiener Zeitung)
„Kongeniales Paar: Marcello del Nardo als Puntila und Günter Franzmeier als Matti tanzen und turnen mit dem Brecht'schen Text förmlich durch den Abend.
Fazit: Keine Minute vergeudet.
Überhaupt ist die Musik eine der großen Stärken des Stücks: Patrick Lammer treibt mit seinen Bearbeitungen der Schauspielmusik von Paul Dessau den Abend dynamisch voran. Das Ensemble arbeitet in beeindruckender Geschlossenheit Pointen und Erkenntnisse dieses Stücks nach vorne. Musste man zu Beginn fast Angst haben, dass den Schauspielern beim vorgelegten Tempo die Luft ausgeht, so durfte man am Ende beeindruckt den Saal verlassen: Hier wurde keine Minute vergeudet." (ORF)
„Aufführung des Monats: Bertolt Brechts Puntila am Volkstheater.
Es war bislang die Überraschung der Saison: Thomas Schulte-Michels furiose Inszenierung von Brechts „Herr Puntila und sein Knecht Matti", die alle graue Brecht-Spieltradition nonchalant hinter sich lässt und uns die Entdeckung beschert, wie rasant, wie grotesk, wie zirzensisch, wie farbig man den schon längst als Klassenkampf-Langweiler abgestempelten Klassiker spielen kann. Im Zentrum dabei als Puntila der beste Marcello de Nardo, den es bisher gab. Hinreißend, auf welch traumwandlerischem Grad der liebenswürdigen Betrunkenheit er dahinwandelt. Ebenso bewundernswürdig Günter Franzmeier als Matti und Heike Kretschmer als Eva sowie das restliche Ensemble. Hier gibt es einen ganz anderen Brecht zu entdecken." (Die Bühne)
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Premiere am 23. Mai
im Volkstheater in den Bezirken!
Mit: Annette Isabella Holzmann; Thomas Kamper, Matthias Mamedof
© Lalo Jodlbauer
Maria Bill als Edith Piaf: Faszinierend, berührend, aufregend und immer authentisch.
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Mit Erni Mangold und
Erich Schleyer.
Nur mehr am 23. Mai
und 16. Juni 2012!
Infos & Karten
© Lalo Jodlbauer