
Jeden Tag Theater.
Long Day's Journey Into Night
von Eugene O'Neill
Deutsch von Ursula und Oscar Fritz Schuh
Schulte-Michels/Liebermann
Premiere: 12. Februar 2010
Spielstätte: Haupthaus
Ein Sommertag im Haus der Familie Tyrone. Um acht Uhr morgens beginnt dieser eine Tag, an dessen Ende die Welt der Tyrones eine andere ist. James Tyrone, der Vater, einst ein bejubelter Schauspieler, hat um des finanziellen Erfolges willen sein Talent verraten und tyrannisiert nun die Familie mit zwanghaftem Geiz. Der älteste Sohn, ein gesellschaftlicher Versager, sucht die fehlende Geborgenheit in Bars und Bordellen, und der jüngere, schwer erkrankt, verfällt zunehmend der Alkoholsucht. Mary, die Mutter, ist labil und tablettensüchtig. Ein Entzug, so hofft die Familie, hat ihr aus ihrer Morphium-Abhängigkeit geholfen. Doch es ist jener Sommertag, an dem Mary Tyrone den Versuch, clean zu bleiben, endgültig aufgibt.
Mit bitterer Selbstironie gibt Eugene O'Neill seine eigene Familiengeschichte preis, das Stück weist unübersehbar autobiografische Züge auf: Sein Vater war Schauspieler, sein ältester Bruder Alkoholiker, die Mutter drogenabhängig. O'Neill zeigt den Verfall einer von Ausschweifung und Rauschgift geschlagenen Familie, in der jeder einzelne die anderen quält und betrügt - in einem verzweifelten Versuch, die Schuld am eigenen Dilemma abzuwälzen. Keiner stellt sich der Wahrheit, keiner findet eine Form der Kommunikation. Jeder hat seinen Teil zum Schicksal der Familie beigetragen. Eine Vivisektion: Das Stück zeigt jenen Tag im Leben der Tyrone-Familie, da ihr die bevorstehende Reise in die Nacht offenkundig wird. Und es zeichnet das Bild einer Gesellschaft, in der Erfolg und soziales Prestige alles sind und das Scheitern ausgeblendet wird.
Eines langen Tages Reise in die Nacht entstand 1941, wurde aber auf O'Neills Verfügung hin erst nach seinem Tod im Jahr 1953 uraufgeführt. 1962 wurde es von Sidney Lumet verfilmt.
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Regie und Bühne: Thomas Schulte-Michels
Kostüme: Tanja Liebermann
| James Tyrone |
Dieter Mann |
| Mary Cavan Tyrone, seine Frau |
Maria Bill |
| James Tyrone Junior, ihr ältester Sohn |
Günter Franzmeier |
| Edmund Tyrone, ihr jüngster Sohn |
Till Firit |
| Cathleen, Hausmädchen |
Patricia Hirschbichler |
„Maria Bill verkörpert die morphiumabhängige Ehefrau ohne Pathos und Hysterie, aber mit Präsenz und Konzentration sondergleichen. Dieter Mann ist ihr ein würdiges Pendant. Günter Franzmeier überzeugt als Sohn und Trunkenbold, Till Firit als schwindsüchtiger Bruder." (News)
„Virtuos führen Maria Bill und Dieter Mann durch Eugen O'Neills Stück. Der Regisseur Thomas Schulte-Michels findet für seine Interpretation von Beginn an einen schnellen Rhythmus, der den Kreislauf zwischen Vertuschung und systematischem Abbröckeln der Fassade bis zur letzten Szene spannend hält. Bill zeigt, was es bedeutet, diese eitle Exzentrikerin völlig uneitel und unprätentiös darzustellen und erntet dafür verdientermaßen eine Menge Bravos. Aber auch Dieter Mann, ehemaliger Star am Deutschen Theater, spielt frei von Schnörkeln diesen gealterten Schauspieler, der sich immer noch für den Nabel der Welt hält." (Die Furche)
„Berechtigter, lang anhaltender Applaus für die Schauspieler." (Wiener Zeitung)
„Die mit Maria Bill, Dieter Mann, Günter Franzmeier und Till Firit hervorragend besetzten hoffnungslosen Existenzen schleichen, toben und wanken durch die düstere Szene, sodass der kalter Schauer beim Zuschauer zum ständigen Begleiter wird." (Salzburger Nachrichten)
„Atmosphärisch gelungen, Maria Bill und Dieter Mann reüssieren als Eltern einer zerrütteten Familie. Am Beginn aber steht bei dieser atmosphärisch gelungenen Inszenierung von Thomas Schulte-Michels die scheinbare Idylle.
Bill und Mann beherrschen die Gratwanderung zwischen ehrlicher und gespielter Freude, dem Wissen und Verdrängen von Unglück. Schulte-Michels hat die dafür erforderlichen Tempowechsel exakt geplant.
Maria Bill spielt die beginnende neue Abhängigkeit mit großer Könnerschaft, wie eine Sucht ist für sie nun das Kratzen und Zupfen am Kleid. Mehr und mehr benutzt sie bei den traurigen Monologen die Rampe zur Verstärkung ihres Leids. Das wirkt ausgesprochen authentisch. Auch Dieter Mann versteht es, die Schwächen des Patriarchen mit subtilen Modulationen der Stimme und zurückhaltender Mimik und Gestik nach und nach immer stärker hervorzukehren." (Die Presse)
„Starker Showdown einer Familie. Im Volkstheater hat Thomas Schulte-Michels den Showdown der Tyrones mit einer tollen Besetzung gekonnt in Szene gesetzt. Dieter Mann beeindruckt als alter Tyrone, Maria Bill ist die Mutter, ein verblühtes Nachtschattengewächs, nervös und hysterisch. Den versoffenen Jamie spielt Günter Franzmeier großartig als zynischen Tunichtgut; Till Firit berührt als kranker Edmund." (Österreich)
Faschingskonzert mit
dem deutschen Ensemble Selmer Saxharmonic.
19.02.2012, 20.00 Uhr
Karten und Infos
© Werner Kmetitsch
Im Anschluss an die Vorstellung findet ein Publikumsgespräch mit Ute Bock in der Roten Bar statt!
Weitere Infos
© Lea Friessner