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Hotel Savoy

Hotel Savoy

Spielstätte: Haupthaus

von Joseph Roth
Österreichische Erstaufführung der Fassung von Koen Tachelet
Berk/Hitz/Jud/Zeller/Egger
Premiere: 16. März 2012

Spielstätte: Haupthaus

Ein Hotel wird in diesem frühen Roman Joseph Roths zur Metapher für die aus den Fugen geratene Welt nach dem ersten Weltkrieg. In einer polnischen Stadt gelegen, nach außen mit seiner prunkvollen Fassade noch Zeuge der Vorkriegsepoche, beherbergt es im Inneren die bunten Existenzen einer durcheinander geratenen Zeit: Soldaten, Millionäre, Bankrotteure, Devisenschieber, Träumer, Variété-Künstler. Gabriel Dan, nach drei Jahren russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, begegnet den seltsamen Bewohnern des Hotels, alle gestrandet im Nirgendwo: dem Industriellen Phöbus Böhlaug - Dans Onkel - und seinem Sohn, dem geheimnisvollen Liftboy Ignatz, dem sterbenden Clown Santschin mit seiner Frau, dem Lotterieträumer Herrn Fisch, dem Juden Abel Glanz - Händler in Valuta -, dem Militärarzt und den reichen Fabrikanten Streimer und Neuner. Während sich letztere in der Hotelbar in Champagnerlaune mit jungen Mädchen vergnügen, siechen in den oberen Etagen die Armen, Gebeutelten, Geknickten dahin. Dan umwirbt die junge Tänzerin Stasia, wird schließlich Assistent des Millionärs Bloomfield, von dem sich alle Rettung erhoffen, und teilt das Zimmer mit seinem Kriegskumpanen
Zwonimir Pansin, einem revolutionären Kommunisten. In der Stadt
herrscht eine aufständische Atmosphäre. Die Heimkehrer haben keine Perspektive, die Fabrikanten wenig bis kein soziales Gewissen, das Elend wächst unaufhaltsam. Schließlich bricht in der Stadt ein Streik aus und das Hotel geht im Kampf zwischen Arbeitern und Militär in Flammen auf - eine Welt versinkt.

In Hotel Savoy hat Joseph Roth sein großes Thema, den Untergang einer Epoche, mit präziser Poesie in ein Szenario voll schillernder Ironie verwandelt. „Hier hat ein ganz starker Romancier das einleitende Buch zur menschlichen Tragödie des Heute geschrieben", urteilte die Presse, als Hotel Savoy 1929 erschien.
Koen Tachelet hat nach der gefeierten Bühnenfassung von Hiob (im Mai 2010 am Volkstheater in der Regie von Michael Sturminger aufgeführt) nun erneut eine kraftvolle Adaption eines Romans von Joseph Roth für die Bühne vorgelegt, uraufgeführt im September 2010 an den Münchner Kammerspielen.

 

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  • Regie und Ausstattung

    Regie: Ingo Berk
    Bühne: Damian Hitz
    Kostüme: Karin Jud
    Musik: Patrik Zeller
    Licht: Hans Egger
    Dramaturgie: Doris Happl

  • Besetzung
    Gabriel Dan Dominik Warta
    Ignatz Marcello de Nardo
    Phöbus Böhlaug
    Rainer Frieb
    Regina Böhlaug
    Susa Meyer
    Alexander Böhlaug
    Arne Gottschling
    Stasia Andrea Bröderbauer
    Santschin Thomas Kamper/ ab 31.5. Erwin Ebenbauer
    Frau Santschin
    Susa Meyer
    Hirsch Fisch
    Matthias Mamedof/ ab 31.5. Andy Hallwaxx
    Abel Glanz
    Thomas Kamper/ ab 31.5. Erwin Ebenbauer
    Jetti Kupfer
    Susa Meyer
    Streimer Rainer Frieb
    Neuner Thomas Bauer
    Militärarzt Thomas Bauer
    Zwonimir Pansin
    Christoph F. Krutzler
    Henry Bloomfield
    Rainer Frieb
    Taddeus Montag
    Thomas Kamper/ ab 31.5. Erwin Ebenbauer
    Wolff, Christoph Columbus,
    Isidor Schnabel, Mann mit Glasauge,
    Xaver Zlotogor, Polizeioffizier
    Matthias Mamedof/ ab 31.5. Andy Hallwaxx
    Toni & Tonka
    Komparserie

     

  • Pressestimmen

    „Bei der starken Aufführung wirkt das Ensemble nahezu rundum überzeugend.
    Tachelet destillierte aus dem etwas gemächlichen und melodramatischen Roman ein packendes aktuelles Panorama: Wirtschaftskrise, Völkerwanderung von Ost nach West, die Inflation frisst die Reserven, Arbeitslosigkeit, Streiks, ein kriegsähnlicher Zustand herrscht hier. Millionäre, Schieber tanzen auf dem Vulkan, während schöne Frauen um sie herumflattern und arme Hunde in Hinterzimmern krepieren... Das ist alles sehr „rothisch", wirkt aber wie frisch poliert.
    Berk hat für eine ausdrucksstarke Aufführung gesorgt.
    Der Regent dieses heruntergekommenen Etablissements ist der Direktor Kaleguropulos, ein Grieche, der aber nie auftaucht bzw., wie sich am Schluss herausstellt, identisch ist mit dem als Liftboy verkleideten Faktotum Ignatz. Der nimmt Gästen, die nicht zahlen können, ihre Koffer ab: Marcello de Nardo spielt mit Bravour dieses Scheusal, das ein paar Jahre später vielleicht als Blockwart eine neue glänzende Karriere machen könnte. Dominik Warta gibt dem Gabriel Dan die richtigen Nuancen: Dieser als Bruder Simpel getarnte, seelisch schwer Kriegsversehrte erwartet von seiner Umgebung, dass sie ihn heilt.
    Onkel Phöbus gibt aber kein Geld her, Varieté-Tänzerin Stasia (entzückend zart: Andrea Bröderbauer) will ihm nicht nachlaufen und Kriegskamerad Zwonimir (robust-rustikal: Christoph F. Krutzler) ist mit der Revolution beschäftigt. Rainer Frieb konturiert passend abgründig-aasig die verschiedenen Kapitalisten: am besten den parfümierten Milliardär Bloomfield. Matthias Mamedof wechselt hurtig und hinreißend die Rollen - und Thomas Kamper hat einen wunderbar entgeisterten Auftritt als sterbender Clown. Die mit bekannten Melodien aus der Zeit angereicherte Musik-Collage Patrik Zellers bereichert diese atmosphärisch über weite Strecken dichte, manchmal sogar atemberaubende Aufführung." (Die Presse)

    „Im Mittelpunkt von "Hotel Savoy" (der Roman erschien 1924) steht ein verfallendes polnisches Hotel, Metapher für die Habsburger-Monarchie, bevölkert von Kriegsheimkehrern, versoffenen, dubiosen Geschäftemachern, armen Schluckern und verschuldeten Mädchen, die ihre Körper verkaufen müssen.
    Im Mittelpunkt der schönen, gescheiten Inszenierung von Ingo Berk ist der groß aufspielende Marcello de Nardo als geisterhafter, beängstigend bösartiger Hoteldiener Ignatz. Eine hinreißende Darstellung, für die es zu Recht Bravos gab.
    Dominik Warta gibt die eigentliche Hauptfigur, den Kriegsheimkehrer Gabriel Dan, zunächst wunderbar lakonisch. Susa Meyer als hinkende Barsängerin, Andrea Bröderbauer als spröde Varieté-Tänzerin, Christoph F. Krutzler als lebenspraller Revolutionär, und all die anderen bieten eine starke Ensembleleistung.
    Heimlicher Hauptdarsteller das Abends ist das Einheitsbühnenbild von Damian Hitz: Eine bröckelnde Hotelhalle mit Bar, Aufzug und tunnelartigen Verbindungen in die Unterwelt. Die Inszenierung wird Roths Sprache gerecht, sie schwelgt in der morbiden Erotik eines verfallenden Hotels.
    Fazit: Ingo Berk inszeniert feinfühlig. Ein schöner Abend.
    Innerhalb eines starken Ensembles spielt Marcello de Nardo als gespenstischer Liftboy Ignatz groß auf. Dominik Warta bewältigt seine erste Hauptrolle im Volkstheater gut." (Kurier)

    „Als melancholischen Abgesang auf eine Welt mit Schmauchspuren hat Ingo Berk die Dramatisierung von Joseph Roths "Hotel Savoy" hübsch inszeniert.
    Die Treppenspindel umkrallt einen Liftschacht. Über die Benützung der Kabine aber gebietet der Liftboy Ignatz (Marcello de Nardo): Er bildet das geheime Kraftzentrum des nicht sonderlich fokussierten Geschehens, an dessen Ende ein furchtbarer Schwefelblitz steht.
    Der Kriegsheimkehrer Dan ist ein Gehemmter, Introvertierter, unfähig, seinen Leidensgenossen anders als mit passiver Abwehr zu begegnen.
    Die Apokalypse wird diskret abgewickelt. Draußen streiken Arbeiter, die nicht länger an Lungenblutungen zugrunde gehen wollen. Die Stadt könnte Lodz sein, aber auch Lemberg oder Mohács heißen. Das Hotel Savoy aber, so erzählt es der Jungmelancholiker Berk, geht still an sich selbst zugrunde. Der Liftboy mit den tief liegenden Augen hat es wohl immer gewusst: Er scheint mitsamt seiner roten Montur Dantes Inferno entsprungen.
    Ingo Berks Roth-Projekt steckt voller hübscher Details und demonstriert die Leistungsfähigkeit eines gefestigten Ensembles. Ein Umstand, den auch das Premierenpublikum höflich würdigte." (Der Standard)

    „Hotels, Wartesäle, Transitorte: Am Übergang zwischen hier und dort, zwischen gestern und morgen geraten Leben aus den Fugen, Menschen aus ihrer Alltagsroutine und der Sicherheit ihrer Gewohnheiten. Davon erzählt Joseph Roth im Roman „Hotel Savoy", dessen Bühnenfassung von Koen Tachelet - uraufgeführt 2010 an den Münchner Kammerspielen - nun erstmals in Österreich gespielt wird: Das Wiener Volkstheater zeigt damit solides literarisches Theater.
    Das Werk Joseph Roths spiegelt diese gesellschaftlichen Umwälzungen, so auch sein 1924 erschienener Roman „Hotel Savoy", der von einer Zwangsgemeinschaft bunter Existenzen erzählt, welche die Geschichte hervorgespült hat.
    Neben den aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrten Soldaten bewohnen Devisenschieber, Varietétänzerinnen, Revolutionäre, halb verhungerte Zirkusleute, amerikanische Millionäre sowie Lotterieträumer das Hotel. Einer davon ist Hirsch Fisch (gespielt von Matthias Mamedof); seine Lose versprechen schnelles Geld und Glück, denn Karrieren sind nicht mehr nachvollzieh- und auch nicht planbar. Und so warten diese einsamen Figuren auf bessere Zeiten, eine Zwangsgemeinschaft der Orientierungslosen, die vom geheimnisvollen Liftboy Ignatz zusammengehalten wird. Marcello de Nardo spielt ihn als hohläugigen Greis, der hier die Fäden zieht und den Aufzug in die höheren Etagen (des Lebens) bedient.
    Im Zentrum dieser gestrandeten Existenzen steht der Heimkehrer Gabriel Dan, den Dominik Warta fein und präzis zwischen Melancholie, Sehnsucht und Hoffnung spielt.
    Als Rahmen für dieses Lebensgefühl hat Bühnenbildner Damian Hitz das Interieur des Hotels zwischen Ruine, unterirdischen Gängen und großer Offenheit gestaltet. Das Hotel als Zwischenstation hat eine sonderbare Anziehungskraft, der sich die Protagonisten trotz großer Pläne nicht entziehen können.
    Der deutsche Regisseur Ingo Berk hat Koen Tachelets Bühnenversion als solides Erzähltheater inszeniert. Mit reichlich Bühnennebel und Atmosphäre schaffender musikalischer Kulisse (Patrick Zeller) schafft Ingo Berk eine Art fantastischen Realismus. Ihm gelingt eine solide, genaue Regiearbeit aus einem Guss." (Salzburger Nachrichten)

  • Fotos
    • Hotel Savoy 01 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 02 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 03 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 04 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 05 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 06 © Christoph Sebastian
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    • Hotel Savoy 08 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 09 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 10 © Christoph Sebastian
    • Hotel Savoy 11 © Christoph Sebastian
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  • Video

    © Johannes Hammel

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