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Magic Afternoon

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Magic Afternoon

Spielstätte: Schwarzer Salon

von Wolfgang Bauer
Lolić/Ivanović
Premiere: 14. Mai 2012

Spielstätte: Schwarzer Salon

Draußen strahlt ein herrlicher Sommernachmittag, im Zimmer von Schriftsteller Charly aber sind die Jalousien heruntergelassen. Er und seine Freundin Birgit lassen sich gemeinsam mit dem befreundeten Paar Joe und Monika durch einen lust- und ereignislosen Nachmittag treiben: kein Geld, keine Perspektiven. Mit Sex, Alkohol, Drogen und Musik unternehmen sie halbherzige Fluchtversuche vor der eigenen Ideen- und Antriebslosigkeit, doch diese laufen ins Leere. Zwischen belanglosen Gesprächen blitzen immer wieder Wut und Gewalt auf, Streitereien, Handgreiflichkeiten – und dann liegt Joe plötzlich tot am Boden, und niemand weiß so recht, wie es dazu gekommen ist. Überraschend heutig zeigt sich Wolfgang Bauers bedingungslose und radikale Darstellung einer Generation, für die Gewalt die letzte Lösung scheint.

Wir wollen diesen „Klassiker" der zeitgenössischen österreichischen Dramatik aus einer neuen Perspektive betrachten: Der junge serbische Regisseur Miloš Lolić, – ein „Bester aus dem Osten!", dessen international gefeierte und preisgekrönte Inszenierung von Robert Musils Die Schwärmer im Frühjahr 2010 am Volkstheater zu Gast war – wird seinen sehr persönlichen Blick auf das Stück werfen.

 

MILOŠ LOLIĆ studierte Theater- und Radioregie an der Universität für dramatische Kunst Belgrad bei Slavenko Saletović und Ljubomir Muci Draškić. Regiearbeiten: Adam i Eva (Adam and Eve) von Miroslav Krleža (Bitef Theater 2002), Velika bela zavera von Dimitrije Vojnov (Atelje 212, 2004), Druga strana (Die andere Seite) von Dejan Dukovski (Yugoslav Drama Theatre, 2006), Tesla: Totalna refleksija von Marija Stojanović (Jugokoncert, 2006), Männersache von Franz Xaver Kroetz (Atelje 212, 2007). In Ljubljana zeigte er seine Interpretation von Herman Melvilles Novelle Bartleby. Seine Inszenierung von Musils Schwärmer (JDP Belgrad) wurde mit dem BITEF-Preis ausgezeichnet. Mit Falk Richters Gott ist ein DJ (Dusko Radovic Theater Belgrad) war er zu Gast beim Festival Radikal Jung 2011 in München. Im September 2011 hatte seine Inszenierung von Lorcas Bluthochzeit am Münchner Volkstheater Premiere.

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  • Regie und Ausstattung
     Regie und Ausstattung  Miloš Lolić
     Sounddesign

     Luka Ivanović

     Dramaturgie  Elisabeth Geyer, Hans Mrak
  • Besetzung
    Charly Christoph F. Krutzler
    Birgit Nina Horváth
    Joe Robert Prinzler
    Monika Andrea Bröderbauer
  • Pressestimmen

     „Wolfgang Bauers 44 Jahre altes Geniewerk „Magic Afternoon" war einst ein Kontinente übergreifender Welterfolg. Vier junge Menschen im Zustand gewitterschwüler Langeweile, die sich in Grenzüberschreitungen und zuletzt einer Bluttat entlädt: Zwei Generationen erkannten sich da wieder. Am Volkstheater setzte der junge Serbe Milos Lolic das Stück mit minimalem Aufwand in Szene. Vier tolle Schauspieler sprechen, schreien, kokettieren, meist auf einem Sofa sitzend, ins Publikum. Bauers Dialogkunst ist so überwältigend wie sein Gespür für Rhythmus, und die Aufführung steht auf der Höhe des Werks." (News)

    „Wolfgang Bauer wollte seine auf die soziale Null gestellte Verweigerung-Szenerie nicht als grelles Dropout-Spektakel im schlampigen Milieu missverstanden wissen. Am Volkstheater-Remake hätte er seine Freude. Der junge Serbe Milos Lolic setzte die vier Darsteller in ein breites Fundus-Fauteuil vor die dreißig im Halbkreis aufgestellten Zuschauersessel. Kein Kühlschrank, Telefon, Plattenspieler, keine Schere. Wer von den vier auf eine Ganzkörpersprache reduzierten Sitzbankklebern nicht im Zimmer ist, sitzt stumm neben den Akteuren.
    Alle Bewunderung für den fülligen Christoph F. Krutzler, der als Charly Töne hervorbringt, die man seit Qualtinger nicht mehr gehört hat; ein wildes Tier im Mann, und dennoch kunstbewusster Sänger in einer Sprechoper. Auch Birgit Nina Horváth erreicht diese Höhen. Der blutige Schlussunfall fehlt mit gutem Grund: Bauer wollte kein klassisch-dramaturgisches Finale." (Wiener Zeitung)

    „Milos Lolic' Inszenierung für den Schwarzen Salon ist rasant und textgetreu: Der schwüle Nachmittag findet nach nicht einmal einer Stunde sein jähes Ende.
    Lolic setzt die Regieanweisungen beziehungsweise Bauers flehentliche Bitte, es müsse in der "Schlacht" zwischen Charly und Birgit "sehr brutal und laut hergehen", radikal um: Quasi aus dem Nichts heraus entlädt sich die aufgestaute Aggression. Lolic hat zudem ein sehr schönes Bild gefunden. Denn die beiden Paare, die mit ihrer Zeit nichts Sinnvolles anzufangen wissen, sitzen von Anfang an steif nebeneinander auf einer mit altrosa Stoff bezogenen Biedermeierbank.
    Es gibt zwar körperlichen Kontakt, aber die Schauspieler schauen sich bei ihren Dialogen nie in die Augen: Sie stieren nur ins Publikum. Erst im Drogenrausch befreien sie sich aus ihrem Gefängnis, eben der Bürgerlichkeit, und erobern den Raum.
    Christoph F. Krutzler ist als Charly grandios besetzt: eine Urgewalt!" (Der Standard)

    „Im Wiener Volkstheater steigt man ein paar Stockwerke hinauf bis unters Dach und steht vor dem 'Schwarzen Salon', einem Raum, der Platz für 30 Zuschauer hat, die im Halbkreis auf Stühlen dicht bei dicht vor einem Sofa Platz nehmen, auf dem die vier jungen Leute aus Bauers Stück sitzen, lange Zeit ohne sich zu bewegen, Couchpotatoes, deren Aufregung über die Langeweile dieses Nachmittags eigentlich nur noch Zitat ist. Vielleicht haben sie die Rechte gekauft, machen einmal pro Monat davon Gebrauch, aber durchaus nach allen Regeln der Kunst.
    Der junge, aus Belgrad stammende Regisseur Milos Lolic, der letztes Jahr schon beim Münchner Festival 'Radikal jung' mit seiner Belgrader Aufführung von Falk Richters 'Gott ist ein DJ' aufgefallen ist, gelingt in dem kleinen Raum ein großer Wurf: 'Das Magic Afternoon'-Spiel. Wenn an der Spielekonsole mal der Strom ausfällt ...
    Die Vier sprechen selten miteinander, sondern fast immer ins Publikum. Sie quatschen und schreien den Zuschauern ihre Texte ins Gesicht und zwar mit einer überwältigenden Selbstverständlichkeit, als würde Theater einfach immer so gespielt. Der dickliche Christoph F. Krutzler als Charly steht für Grazer Lokalkolorit. So tönen die Machos der steirischen Hauptstadt, wogegen Robert Prinzler, der Joe spielt, offenbar nicht einmal über eine Großtante in Österreich verfügt. Aber das macht in diesem Spiel nichts aus, und er schlägt sich tapfer. Die Größte ist Andrea Bröderbauer als Monika. Sie ist eine zarte junge Frau, die einen Abend lang ihrem Publikum in die Augen schaut, auch noch mit blutverschmiertem Gesicht, wenn sie eins auf die Nase bekommen hat. Und man weiß nie, bricht sie gleich in schallendes Gelächter aus, oder sind es Drogen, die sie derart durch uns durchschauen lassen.
    Wenn dann der Abend, diesmal ohne Bücher und Schallplatten, in eine Art Happening ausartet, geht es rund, rund um das Sofa. Die Vier verheddern sich in ihren Sätzen und Bewegungen. Joe stirbt und sitzt gleich wieder auf seinem Platz. So geht es, das 'Magic-Afternoon'-Spiel der Nachgeborenen. Wenn der Computer einmal nicht mitspielt. Unter dem Dach des Wiener Volkstheaters findet Aufregendes statt." (Süddeutsche Zeitung)

  • Fotos
    • Magic Afternoon 01 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 02 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 03 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 04 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 05 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 06 © Marko Lipuš
    • Magic Afternoon 07 © Marko Lipuš

  • Video

    © Johannes Hammel

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