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Mit freundlicher Unterstützung von Kulturkontakt Austria, dem Bundesministerium für europäische und internationale Angelegenheiten und der Botschaft der Republik Estland in der Republik Österreich.
Spielstätte: Hundsturm
19.00 Uhr: Eröffnung mit Michael Schottenberg und der Frau Botschafterin der Republik Estland in Wien, I. E. Eve-Külli Kala
im Anschluss: Lesung estnischer Literaturmix gelesen von Tim Breyvogel und Nanette Waidmann
19.30 Uhr: Gastspiel Onkel Toms Hütte (in estnischer Sprache mit dt. Übertiteln)
ab ca. 22.00 Uhr: Buffet und DJ piep
19.00 Uhr: Autorenfeature: Andrus Kivirähk Die Fibel (Aabitsa Kukk) deutsch von Irja Grönholm
20.00 Uhr: Gastspiel Onkel Toms Hütte (in estnischer Sprache mit dt. Übertiteln)
ab ca. 22.30 Uhr Party mit DJ Ondulada
Die neueste Folge unserer Entdeckungsreise durch die Theaterlandschaften des ehemaligen „Ostblocks" führt uns nach Estland. Der kleinste und nördlichste der baltischen Staaten verzeichnet überraschenderweise - gemessen an seinen 1,4 Millionen Einwohnern - die meisten Theaterbesuche weltweit (nach Island), verfügt dementsprechend über eine ungemein lebendige und vielfältige Kulturszene. Diese wird seit 2004 durch das Theater NO99 bereichert, das mit seinen explizit politischen Produktionen nicht nur in Estland, sondern auch auf internationalen Festivals für Furore sorgt. Das jüngste und kleinste der estnischen Staatstheater zeigt am Hundsturm seine Version von Harriet Beecher-Stowes „Negergeschichte" Onu Tomi onnike/Onkel Toms Hütte aus dem Jahr 1851, die der Barbarei der Sklavenhaltung in den amerikanischen Südstaaten erbarmungslos einen Spiegel vorhielt. NO99 entdeckt beunruhigend Aktuelles in diesem nur scheinbar der Vergangenheit angehörigem Stoff: Denn Sklaverei existiert noch immer - mit dem einzigen Unterscheid, dass „Sklaven" nicht mehr ausschließlich Menschen mit dunkler Hautfarbe sind. Onu Tomi onnike steht für aufregendes und engagiertes Theater aus einem der kleinsten (und unbekanntesten) Mitgliedsstaaten der EU.
Zusätzlich stellen wir in unserem Autoren-Feature den estnischen Autor Andrus Kivirähk mit einer szenischen Lesung vor: Das Stück DIE FIBEL wird eingerichtet von Philip Jenkins. Ausserdem präsentieren wir in einem Literaturmix eine kleinen Streifzug durch estnische Literatur. Und wie gewohnt runden wir das Programm mit DJ-Lines ab.
Die estnische Botschaft in Wien richtet überdies ein Buffet mit landestypischen Spezialitäten aus.
Das Ensemble war 2008 mit der Produktion NO88 Heiße estnische Männer und 2010 mit N083 Wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt bei den Wiener Festwochen zu Gast
N099 ist das jüngste und kleinste Staatstheater Estlands. Es wurde 2004 gegründet und hat ein Ensemble von elf SchauspielerInnen. Das Theater zeigt selbstgeschriebene Stücke, Film-/Romanadaptionen, Tanz und performanceartige Aktionen ebenso wie Stücke von Shakespeare bis McDonagh.
NO99 ist die Abkürzung für Nummer 99. Es ist ein Zeichen gegen den Glauben an die Unendlichkeit der Geschichte bzw. umgekehrt formuliert ein deutliches Zeichen für ihre Endlichkeit. Das Theater hat sich entschieden, 99 Produktionen zu machen. Mit jeder Inszenierung wird die Zahl um eins kleiner. Nach der letzten Aufführung der letzten Produktion - wenn man bei 0 angekommen sein wird - soll Schluss sein. Mittlerweile ist das Team um die Regisseure und Kuratoren Tiit Ojasoo und Ene-Liis Semper bei Nummer 74 angelangt - also wird das Theater, wenn alles gut läuft, die estnische und internationale Theaterszene noch gut weitere 15 Jahre bereichern.
Im Gegensatz zu der in weiten Teilen sehr idyllischen estnischen Theaterlandschaft zeichnet sich NO99 durch den Willen und das Bekenntnis zum politischen Theater aus. Mag die Arbeit des NO99 auch als zu offensichtlich politisch bewertet werden, so ist es vom rein politischen Agitationstheater, bei dem die Kunst nur noch im Hintergrund steht, weit entfernt.
***In estnischer Sprache mit deutschen Übertiteln***
Regie: Tiit Ojasoo, Ene-Liis Semper
Mit: Andres Mähar, Rasmus Kaljujärv, Eva Klemets, Sergo Vares, Inga Salurand, Marika Vaarik, Mirtel Pohla, Risto Kübar
„Schauen Sie sich Ihre Handflächen an: Fällt Ihnen etwas auf?"
Der Farbige Onkel Tom wird von seinem bisherigen Herrn, Mr. Shelby aus Geldnot an den Sklavenhändler Haley verkauft, doch der behält ihn nicht lange: Schon während des Weitertransports auf einem Mississippi-Dampfer rettet Tom der kleinen Eva St. Clare das Leben. Daraufhin kauft ihr Vater Tom dem brutalen Haley ab, Das Mädchen schließt mit dem gutmütigen Tom eine enge Freundschaft, aber dann bricht eine Tragödie über die St. Clares herein: Eva und ihr Vater sterben beide an einer Krankheit, und seine habgierige Frau Marie lässt Tom trotz Mr. St. Clares Versprechen, ihn freizulassen, versteigern. Sein neuer Herr, Simon Legree, ist ein gemeiner Sadist. Als Tom sich weigert, andere Sklaven auszupeitschen, lässt Legree ihn zu Tode peitschen. Christopher Shelby, der Sohn von Toms erstem Herren, der gekommen ist, um ihn zurückzukaufen, kann nur noch Toms Leichnam mit nach Hause nehmen.
Nach landläufiger Meinung zählt Harriet Beecher-Stowes "Negergeschichte" Onkel Toms Hütte aus den Jahren 1851/52 zu den wenigen Kunstwerken, die die Welt nachhaltig und profund verändert hätten. Der Roman führte seiner amerikanischen Leserschaft drastisch die Grausamkeit von Sklaverei vor Augen und betonte, dass auch „Neger" Gefühle haben. Der Legende nach ist dieser Roman mitverantwortlich für den Ausbruch des amerikanischen Bürgerkriegs - war es doch genau dieses Bewusstsein, das schließlich zur Abschaffung der Sklaverei führte.
Doch diese Legende lässt sich nicht halten: Zwar könnte der Roman tatsächlich für den Ausbruch des Bürgerkriegs mitverantwortlich sein, wie Abraham Lincoln sagte, als es die Autorin - eine zarte kleine alte Dame - traf, doch hat das Buch die Welt nicht wirklich verändert. Sklaverei existiert noch immer. Niemand schert sich einen Dreck um die Gefühle von "Negern", oder Andersdenken, Andersaussehenden, mit dem einzigen Unterschied, dass Neger nicht mehr ausschließlich Menschen mit dunkler Hautfarbe sind.
„Onkel Tom war nicht Spartacus. Er war nicht mal „Ol' Dirty Bastard", der Dichter der Freiheit und Barde der Ghettos. Er war ein einfacher Mann mit einfachen Wünschen und wenigen Träumen. Ein Kleinbürger? Nein, ein Sklave." (Tiit Ojasoo, Ene-Liis Semper)
Mauno hat acht Jahre lang die 1. Klasse besucht und bezieht seine Lebensweisheit einzig aus dem Lesebuch der Erstklässler. Er ist zufrieden, liest in der Fibel, kommentiert das Gelesene und gewährt dem Zuschauer anhand dieser Kommentare einen Einblick in sein Leben. In Wirklichkeit fristet er aber das unwürdige, kärgliche Dasein eines Behinderten im Estland von heute. Mauno ist darüber hinaus Handlanger eines Kriminellen, wacht über Einbrüche und hat sogar eine Leiche im Schrank. Er ist sich über die Tragweite seiner Handlungen keineswegs bewusst und meint, nur Gutes zu tun ... Der Monolog Maunos entwickelt sich aus Sätzen seiner Kinderfibel - und offenbart Kivirähks Talent für abgründige, tiefschwarze Satire.
Für sein Stück Die Fibel, das seit seiner UA 2004 zu den grossen Erfolgen jungen estnischen Theaters zu zählen ist, wurde der Autor beim Heidelberger Stückemarkt 2009 mit dem Europäischen Autorenpreis ausgezeichnet.
Andrus Kivirähk, geboren 1970 in Talinn, zählt zu den gefragtesten estnischen Dramatikern der Gegenwart. Kivirähk, der sich auch als Journalist und Drehbuchautor einen Namen machte, studierte Journalistik an der Universität Tartu. Seit 1996 ist er Mitglied des Estnischen Schriftstellerverbands. Neben Theaterstücken (20 bis dato), Humoresken, vier Kinderbüchern schreibt Kivirähk auch Erzählungen und Romane - sein letzter bislang, Mees, kes teadis ussisõnu (The Man Who Spoke Snakish) war im Jahr 2007 eines der meistverkauften Bücher in Estland.
Für seine Arbeiten wurde er vielfach ausgezeichnet, so erhielt er für seine Humoresken 1995 den Oskar Luts-Preis, gefolgt vom Jahrespreis des estnischen Kulturkapitals 1995 und 2000. Weiterhin erhielt er 2001 den Virumaa-Literaturpreis und 2003 den Tammsaare-Roman-Preis.
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Premiere am 23. Mai
im Volkstheater in den Bezirken!
Mit: Annette Isabella Holzmann; Thomas Kamper, Matthias Mamedof
© Lalo Jodlbauer
Maria Bill als Edith Piaf: Faszinierend, berührend, aufregend und immer authentisch.
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© Lalo Jodlbauer
Mit Erni Mangold und
Erich Schleyer.
Nur mehr am 23. Mai
und 16. Juni 2012!
Infos & Karten
© Lalo Jodlbauer