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In Volker Löschs Inszenierung von Ulf Schmidts "Der Marienthaler Dachs" wird auch ein Chor auf der Bühne stehen - genauer ein Chor aus Wiener Arbeitslosen. Hier stellen sich die Chormitglieder vor und reden darüber, was es heißt, keine Arbeit zu haben.

Ruth - Luisa Herzog als A12 &copy Robert Polster / Volkstheater

Ruth – Luisa Herzog als A12 © Robert Polster / Volkstheater

 

Ruth-Luisa Herzog

„Read the fine print later …“

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Absurderweise erfahre ich die Arbeitslosigkeit in diesem Job am „schlimmsten“. Ich bin nicht lange arbeitslos gewesen und wäre nie auf die Idee gekommen, mich damit zu identifizieren. Bis jetzt. Obwohl ich jetzt ja eigentlich Arbeit habe, fühle ich mich plötzlich „arbeitsloser“ als je zuvor.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Durch die Arbeitslosigkeit habe ich gelernt, dass es unmöglich ist, zu einem bestimmten Zeitpunkt im Leben zu wissen, wirklich zu wissen, was man den Rest seinen Lebens machen will oder kann.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Ich als Politikerin … (schräger Gedanke) … würde mit allen möglichen Mitteln versuchen, eine wirkliche, logische, sinnvolle und ehrlich und gut gemeinte Lösung zu finden. Sodass jeder Einzelne ohne jegliche Art von Angst leben kann und die Möglichkeit hat, frei zu entscheiden.

Stefan Wurmitzer als A24 &copy Volkstheater

Stefan Wurmitzer als A24 © Volkstheater

Stefan Wurmitzer

„Es ist ein einförmiges Ding um das Menschengeschlecht. Die meisten verarbeiten den größten Teil der Zeit, um zu leben, und das bisschen, das ihnen von Freiheit übrig bleibt, ängstigt sie so, dass sie alle Mittel aufsuchen, um es los zu werden.“ (Johann Wolfgang von Goethe, Die Leiden des jungen Werthers)

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

An der Arbeitslosigkeit ist nichts Schlimmes. Sie ist einfach ein Lebensabschnitt.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Dass es nicht genug Arbeit für alle Menschen gibt.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Ich würde die bedingungslose Grundsicherung einführen. Schon gäbe es keine Arbeitslosigkeit mehr.

Max Goritschnig als A9 &copy Robert Polster / Volkstheater

Max Goritschnig als A9 © Robert Polster / Volkstheater

Max Goritschnig

Bin ein engagierter positiver Mensch, der dem Weg des Humanismus, der Freiheit und der Liebe folgt.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Die Leere und die Hoffnungslosigkeit über die Situation, wenn man schon viele Jahre arbeitslos ist, sich schon sehr oft beworben hat und nur Absagen erhalten hat; der Zweifel an sich selbst und an seinen Fähigkeiten, dass man nichts wert sei, dass man was falsch gemacht habe, das Ausgestoßensein, das viele Allein-Sein, der ständige Geldmangel, der Rückzug aus der Gesellschaft und aus dem Leben, das keine Daseinsberechtigung und keine Perspektive und Zukunft zu haben scheint.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Sich selbst zu disziplinieren, um nicht dem Trübsinn oder dem Alkohol zu verfallen, oder dem stundenlangen Herumhängen vor dem Fernseher und Computer; sich bewusst zu werden, dass man zwar sonst nichts, aber ein Übermaß an Zeit hat, dass man die nutzt, dass man sich mit Gescheitem umgibt und nicht mit Dummem, um sich persönlich weiterzuentwickeln, dass man sich nicht gehen lassen darf. Man lernt auch, wie mies und fies der Charakter von manchen Menschen sein kann, die extrem geringschätzig und manchmal sogar hasserfüllt über Arbeitslose urteilen.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Die verfügbare Arbeit aufteilen. Es macht keinen Sinn, dass sich manche mit einer 60-Stunden-Woche zu Tode strampeln und andere Däumchen drehend zu Hause sitzen. Generell würde ich versuchen, das ganze weltweite Konkurrenz-Unwesen zu dekonkurrenzieren. Es gibt Computer und Maschinen, und ich kann es nicht verstehen, dass heutzutage alles viel stressiger ist als zu jenen Zeiten, als es diese Geräte noch nicht gab. Ich würde deshalb auch versuchen, das Leben – global – zu entstressen (denn weniger Stress ist mehr Gesundheit und mehr Lebensfreude und Zwischenmenschlichkeit), damit möglichst viele Menschen auf dem Globus ihre eigene Lebenszeit gut und positiv und glücklich und gesund verbringen können.

Wolfgang Beisskammer als A5 &copy Robert Polster / Volkstheater

Wolfgang Beisskammer als A5 © Robert Polster / Volkstheater

Wolfgang Beißkammer

When life throws you a curve, lean into it! 57… und kein bisschen leise!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Die ernüchternde und frustrierende Erkenntnis, einfach nur mehr fremdbestimmt dahinzuvegetieren und bei Bewerbungen absolut machtlos den oftmals kaum nachvollziehbaren Entscheidungen von Personalisten und Unternehmern ausgeliefert zu sein. Du kannst dich bemühen und bewerben, soviel du willst! Wenn dich – trotz bester Ausbildung, jahrelanger Praxis und weitreichendster Erfahrungen – keiner (mehr) haben will, weil du eben schon zu alt bist, kannst du dich auf’n Kopf stellen … oder erschießen!

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Geduld, Genügsamkeit und mitunter auch Demut.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Da man ohne jobsichernde Rahmenbedingungen nicht laufend das Pensionseintrittsalter nach oben schrauben kann, würden beispielsweise schon einige konstruktive Impulse und Anreize zum Umdenken, ggf. aber auch gewisse Regulativa die Situation bei der Generation 50+ der Arbeitssuchenden deutlich verbessern … angefangen bei Bewerbungen ohne zwingende Altersangaben über bevorzugte Anstellung bei gleicher Qualifikation bis hin zu einer Art Quotenregelung etc. pp.!

Manuela Hauer als A11 &copy Robert Polster / Volkstheater

Manuela Hauer als A11 © Robert Polster / Volkstheater

Manuela Hauer

Ich bin ein lebensfroher, lustiger Mensch. Gehe positiv und mit einem Lächeln durchs Leben! Mich kann nichts erschüttern!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Keine Struktur im Alltag zu haben.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Mit weniger Geld zu leben und auf Urlaube zu verzichten!

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Ältere Leute gehören in Pension geschickt, so dass Arbeitsplätze frei werden für jüngere Menschen!

Michael Fomin als A7 &copy Robert Polster / Volkstheater

Michael Fomin als A7 © Robert Polster / Volkstheater

Michael Fomin

ICH BIN TALENTIERT.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit ist, dass man sich für eine Stelle mit einem perfekt gestalteten, gut strukturierten, lückenlosen Lebenslauf bewirbt und dann nach 14 Tagen eine Absage erhält. Und das, obwohl man alle Anforderungen der gestellten Job-Description erfüllt.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Durch die Arbeitslosigkeit lernt man vor allem Sparen. Anfangs ist es sehr schwer, den gewohnten Lebensstil zu ändern, mit der Zeit muss man sich damit abfinden und dies auch akzeptieren.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Als Politiker würde ich weitere geplante Privatisierungen von Staats- oder zum Bund gehörenden Unternehmen zur Gänze einstellen. Die bisherigen Beispiele der privatisierten Unternehmen haben gezeigt, dass damit ausschließlich mehr Arbeitslose erzeugt werden. Weiters würde ich neue innovative Unternehmen, welche Arbeitsplätze schaffen, finanziell fördern.

Magdalena Plöchl A15 &copy Robert Polster / Volkstheater

Magdalena Plöchl A15 © Robert Polster / Volkstheater

Magdalena Plöchl

In Österreich findet man als diplomierter Clown einen Arbeitsplatz nur im Parlament.

 

Suzie Lebrun als A13 &copy Robert Polster / Volkstheater

Suzie Lebrun als A13 © Robert Polster / Volkstheater

Suzie Lebrun

Mensch, XX

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

* Das Wort an sich und die teilweise seltsamen Assoziationen, die es hervorrufen kann.

* Wenn die Situation am Selbstwertgefühl und Selbstbewusstsein nagt und die Selbstmotivation ins Stocken gerät. Und als Höhepunkt das Selbst-mit-leidet.

* Keine vorgegebene Struktur mehr im Alltag zu haben.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

* Seine Alltagsstruktur selber zu gestalten.

* Dass es auch eine Chance sein kann, um sein bisheriges Leben zu reflektieren und ggf. Wege neu zu definieren.

* Seine Umgebung / sein Umfeld neu kennen.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Kann die Politik etwas dagegen unternehmen, solange sich Parteien von der Wirtschaft / von Lobbyisten beeinflussen lassen? Die Reichen & Mächtigen brauchen die Arbeitslosigkeit und die Unsicherheit des kleinen Mannes, um ihre Position zu stärken. Eine Einführung des Mindestlohns wäre ein erster Schritt aus diesem Rad. Da das jedoch noch Utopie ist, kann nur jeder seinen individuellen Weg finden, sich aus diesem Leistungs- & Wachstumssystem zu lösen.

Susanne Rendl als A18 &copy Robert Polster / Volkstheater

Susanne Rendl als A18 © Robert Polster / Volkstheater

Susanne Rendl

Nobody’s perfect!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Der Lebensstandard sinkt und sinkt und sinkt …

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Unter anderem sehr praktische Dinge, wie z.B. den Kühlschrank selbst zu reparieren.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Bedingungsloses Grundeinkommen für alle!

Georg Franz Wendel als A22 &copy Robert Polster / Volkstheater

Georg Franz Wendel als A22 © Robert Polster / Volkstheater

Georg Franz Wendel

Ich muss noch viel lernen.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Das Gefühl von Wertlosigkeit und Ausgeschlossenheit. Man meint, die Anderen könnten es sehen. Die reale Ausgeschlossenheit: auf Grund der prekären ökonomischen Situation nicht am konsumorientierten Freizeitleben der Freund_innen teilnehmen zu können.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Zu sparen, sich selbst zu beschäftigen, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen und festzustellen, es gibt mehr Inhalt im Leben als Arbeit.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Die Elf-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich, bedingungslose Grundsicherung von brutto 2000 €. Den Sozialstaat ausbauen, Selbstverwaltung aller Betriebe, die mehr als 200 Mitarbeiter_innen haben.

Katrin Sippel als A21 &copy Robert Polster / Volkstheater

Katrin Sippel als A21 © Robert Polster / Volkstheater

Katrin Sippel

“Ever tried. Ever failed. No matter. Try again. Fail again. Fail better.” (Samuel Beckett)

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Die vielen Absagen, das Nicht-Eingeladenwerden, das Gefühl: „Kein_e Arbeitgeber_in will mich“. AMS-Betreuer, die „Komplexler“ sind. Die Scham, fallweise.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Was ich für mich gelernt habe: Nicht mehr darauf zu warten, dass mich jemand will, mich mehr zu trauen. Demnächst werde ich mich als Historikerin und Übersetzerin selbständig machen.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Da bin ich leider ratlos.

Christian Wintersperger als A23 &copy Robert Polster / Volkstheater

Christian Wintersperger als A23 © Robert Polster / Volkstheater

Christian Wintersperger

Ich bin ein unkonventioneller Konventionalist!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Der stete Tropfen der Verzweiflung!

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Sich nicht auf andere zu verlassen. Verzicht zu üben und zu schätzen, was man hat, und Sparen, Sparen, Sparen bis nichts mehr geht!

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Unternehmen in die Pflicht nehmen; nicht Profit sollte oberste Priorität haben. Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Gehalt. Bessere Verteilung, Öffnungszeiten erweitern. Bessere Kooperationen zwischen Firmen und Arbeitssuchenden.

Karl - Josef Schober als A20 &copy Robert Polster / Volkstheater

Karl – Josef Schober als A20 © Robert Polster / Volkstheater

Karl-Josef Schober

Als Person: definiert. Als Mensch: namenlos.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Geldmangel.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Selbstständigkeit; Denken.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Versuch des Bedingungslosen Grundeinkommens.

Regina Schindelegger als A19 &copy Robert Polster / Volkstheater

Regina Schindelegger als A19 © Robert Polster / Volkstheater

Regina Schindelegger

Ich bin noch auf der Suche – die zu werden, die ich mal war; das zu sein, das zu leben, wovon ich immer schon träumte. Ich bin sicher nicht einfach und schon gar nicht kategorisierbar … mehr musst du selber raus finden!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Das Schlimmste, ich sag lieber, besonders schlimm ist diese Abhängigkeit! Von Personen, Behörden, dem AMS, BH, dem Staat und auch persönlich nahestehenden Personen. Auf Unterstützung angewiesen zu sein lässt in mir Schuldgefühle entstehen. Aber nicht nur das Geld betreffend, sondern das gesamte Auftreten der arbeitslosen Person! In der Gesellschaft kann man nicht bei üblichen Themen wie Job, Erfolg, etc. mitreden. Man wird Außenseiter. Das führt dann zum Rückzug, das Selbstvertrauen schwindet, …

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Wer zu einem steht. Und, dass es doch größtenteils das Geld ist, was die Welt regiert.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Kann ich mir a) nicht vorstellen und b) würde eine Einzelperson, eine „einfache Politikerin“, kaum das System umkrempeln können.

Renata Prokupiuk als A16 &copy Robert Polster / Volkstheater

Renata Prokupiuk als A16 © Robert Polster / Volkstheater

 Renata Prokopiuk

Lachen macht das Leben viel schöner. Ich liebe das Leben, die Menschen, die Natur, die Kreativität … Der Spaß an der Bewegung ist einfach in mir.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Das Schlimmste ist, wenn sich die unbezahlten Rechnungen häufen. Die finanzielle Situation drückt meine Stimmung ziemlich stark.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Man lernt, dass das Leben keine Garantien bietet. Man lernt effektiver jene Möglichkeiten zu nützen, die das Leben lebenswerter machen. Etwas zu tun, von dem man nicht gedacht hat, dass man es kann.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Wenn ich die Macht hätte, würde ich auf jeden Fall die Idee „Arbeit und Einkommen“ entkoppeln und ein Bedingungsloses Grundeinkommen einführen.

Andreas Radlherr als A17 &copy Robert Polster / Volkstheater

Andreas Radlherr als A17 © Robert Polster / Volkstheater

Andreas Radlherr

Trotz aller schweren Lebensumstände und bitteren Zeiten, die ich erlebt habe, konnte ich mir meinen Glauben, meinen Humor und mein gutes Herz bewahren! Ich lebe, und das ist gut so!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Das schlimmste an der Arbeitslosigkeit ist das Gefühl, nicht gebraucht zu werden, die viele Zeit, die man kaum sinnvoll zu nützen weiß und die ständigen Rechtfertigungen den Anderen gegenüber!

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Dass man nur ein Rädchen im großen Getriebe ist und nichts als selbstverständlich zu erachten ist. Und man lernt, sich selbst endlich wieder besser zuzuhören.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Ich würde alles in meiner Macht stehende tun, um der Wirtschaft und allen Arbeitgebern klar zu machen, dass Profitgier und Umsatzdenken uns allen früher oder später die Lebensgrundlage entziehen und ein Ändern dieses Umstands im Augenblick erfolgen muß und keinen Aufschub mehr gewährt.

Imke Nachbaur als A14 &copy Robert Polster / Volkstheater

Imke Nachbaur als A14 © Robert Polster / Volkstheater

Imke Nachbaur

Leben darf leicht, lustvoll und erfolgreich sein.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Arbeit, die mir Freude bereitet, mich erfüllt, gibt mir Sinn. Jeder Mensch möchte zu etwas nutze sein, einen Beitrag zur Gemeinschaft beisteuern, seine Talente zum Einsatz bringen und weiter entwickeln. Als Arbeitslose fehlten mir Gelegenheiten genau dazu. Es braucht sehr viel innere Stärke, daran innerlich nicht zu zerbrechen und Sinn aus anderen Quellen zu schöpfen. Ich bin 2013 nach Wien gezogen und habe mit wenig Geld, ohne Arbeit und keinem gewachsenen Sozialnetz in Wien sehr viele einsame Stunden erlebt. Das war schlimm.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Ich habe durch Arbeitslosigkeit gelernt, mich frei zu machen von Scham darüber. Mich frei zu machen vom Glauben, dadurch „Bürgerin zweiter Klasse“ zu sein, wie einem von Seiten der Gesellschaft immer noch und immer wieder suggeriert wird. Ich lernte, meine Kraft und v.a. meinen Sinn aus mir selber zu ziehen, in mir selber zu finden. Das lässt mich wachsen. Ich lerne durch Arbeitslosigkeit auch, kreativ zu werden, in der Schaffung eines eigenen möglichen Arbeitsplatzes und darin, meine Notwendigkeiten, für die das Geld nicht mehr reicht,  zu erfüllen – z. B. durch Tauschen: Ich schreibe für Deine Crowdfunding-Page einen richtig guten Text. Du gibst mir die für meine verletzte Hand notwendige osteopathische Behandlung.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Wäre ich Politikerin, würde ich eine andere Form des Zusammenlebens einführen. Weg mit der Demokratie und her mit der Soziokratie. Firmen wie Semco in Brasilien illustrieren (in diesem Fall seit 25 Jahren), dass sie lebbar ist. Bhutan, dessen Staatsfokus auf dem Bruttoglücksprodukt seiner Bevölkerung liegt, lebt aktiv vor, dass „Staat“ auch anders geht. In dieser neuen Form des Zusammenlebens würde ich das Bedingungslose Grundeinkommen einführen, das gewährleistet, dass alle Bürger meines Staates ihre Grundbedürfnisse, Essen, Schlafen, Kleidung, Bildung und soziale Kontakte erfüllt wissen. Auf dieser Basis kann der Menschen sein Recht auf Selbstverwirklichung, das seinem innersten Wesen entspricht, erst wirklich umsetzen.

„Arbeit ist sichtbar gemachte Liebe. Und wenn ihr nicht mit Liebe, sondern nur mit Widerwillen arbeiten könnt, lasst besser eure Arbeit und setzt euch ans Tor des Tempels und nehmt Almosen von denen, die mit Freude arbeiten.“ (Khalil Gibran: Von der Arbeit)

Markus Gutfreund als A10 &copy Robert Polster / Volkstheater

Markus Gutfreund als A10 © Robert Polster / Volkstheater

Markus Gutfreund

Markus ist mein Name. Bin halb Italiener mit Hang zum Dramatischen!

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Die Einsamkeit. Langjährige Freunde sind verschwunden.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

Dass man nicht viel braucht. Man kommt mit wenig aus!

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

Gut bezahlte Jobs schaffen – in die Wirtschaft investieren – den Pensionisten und den Arbeitslosen mehr Geld geben.

Roland Cerwenka als A6 &copy Robert Polster / Volkstheater

Roland Cerwenka als A6 © Robert Polster / Volkstheater

Roland Cerwenka

Ich stehe aufrecht mit erhobenem Haupt im Leben und denke kritisch quer.

 

Was ist das Schlimmste an der Arbeitslosigkeit?

Demütigung; Ohnmacht; Bevormundung; Ausgeliefertsein; Abhängigkeit; Entmündigung; Wertlosigkeit; Status als „Versager“; Zwang.

Was lernt man durch Arbeitslosigkeit?

– Dass man nicht als Mensch etwas wert ist, sondern nur als Wirtschaftsfaktor.

– Ausgrenzung und Misstrauen in der Gesellschaft.

– Man wird von der Gesellschaft als Feindbild klassifiziert und als Mensch Zweiter Klasse eingestuft.

– „Divide et Impera“ lautet das Motto des Kapitals.

Wären sie Politiker/in, was würden Sie gegen Arbeitslosigkeit unternehmen?

– Wertschöpfung im Land; Einschränkung der Arbeitsauslagerung in Billiglohnländer.

– Steuerpflicht für Unternehmen am Unternehmensniederlassungsstandort.

– Schluss mit Scheinfirmengeflechten in Steueroasen zur Steuervermeidung.

– Schluss mit Lohndumping.

– Schluss mit leistungsfreier Kapitalvermehrung am und durch den Geldmarkt.

– Schluss mit der Abkoppelung des Geldmarktes von der Gesellschaft.