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Zwei Mal hatten die Besucher/innen des Stadtteil-Festivals „#Wien5 – Die Kunst der Nachbarschaft“ die Möglichkeit bei „Margareten Mon Amour“ am Glücksrad eine exklusive Performance für zwei zu gewinnen. Ich habe mich auf dieses außergewöhnliche Projekt eingelassen.

Ein Glücksrad mit 18 Feldern, in der Mitte ein großes Herz: Auf der Bühne des Hundsturmparks, der sich am vergangenen Wochenende zum Epizentrum des Festivals #Wien5 – Die Kunst der Nachbarschaft verwandelt hat, vergibt ein bärtiger Mann mit einem hautengen goldenen Overall mit Noppen nur Hauptpreise. Verlierer gibt es nicht, sagt er. Die Hauptpreise sind verschiedene Performances in ganz Margareten, die man als Paar gewinnen kann. Zuvor wurden im Publikum Spielkarten verteilt, nun werden Paare gebildet. Verschiedene Spielkarten werden aufgerufen: Wer hat Herz Dame? Ich stehe auf und lerne Angelika kennen, mit der ich die nächste Stunde verbringen werde. Was passieren wird? Wir wissen es noch nicht.

Das Glück wird entscheiden: Angelika dreht für uns am Glücksrad, an einem Nebentisch bekommen wir daraufhin einen Umschlag ausgehändigt mit einer Adresse ein paar hundert Meter vom Hundsturmpark entfernt. „Ihr Ziel für heute Abend: Tuecherts Atelier. Es erwartet Sie: eine Muse“.

Während der wenigen Gehminuten haben Angelika und ich kurz Zeit, um uns kennen zu lernen, dann stehen wir schon in der zweiten Etage eines Gemeindebaus und klopfen an die Wohnungstür. Eine junge Frau mit einem pinken Bademantel bittet uns herein, sie stellt sich als Eleonore vor. Die Wohnung ist heruntergekommen, im zentralen Zimmer befindet sich nur ein Stuhl und eine Staffelei. Kerzen beleuchten das Zimmer.

An einer Wand hängt ein Gemälde eines Mannes. Eleonore bewegt sich in Ehrfurcht davor. „Ihr kennt ihn nicht?“, fragt sie uns erstaunt. Sie zeigt uns das Namensschild an der Wohnungstür: Ludwig Tuechert. Er war Maler und er hat hier gewohnt, erzählt sie uns. Sie war seine Muse. Doch dann ist er weggegangen und hat sie für eine neue Muse zurückgelassen. Eleonore zeigt uns voller Hass ein Bild von ihr.

Sie versucht es sich dennoch in der Wohnung gemütlich zu machen, obwohl sie so kahl ist. Sie holt zwei Hocker hervor und wir setzen uns. Eleonore versucht jetzt selbst Künstlerin zu sein, sie möchte gerne Akte zeichnen. Sie fragt uns, ob wir Lust hätten, uns auszuziehen, damit sie uns malen kann. Als wir beide ablehnen, sprechen wir über Dinge, die uns inspirieren.

Abschließend zeigt sie uns die Gegenstände, die sie von Tuechert aufbewahrt hat und wie Artefakte mit Nägeln an der Wand befestigt hat: ein Gemälde, das er zurückgelassen hat, eine Fliegenklatsche, eine Schöpfkelle, ein Strohhalm. Eleonore behandelt diese Alltagsgegenstände wie Kunstwerke, hat sie beschriftet, ihnen einen Namen gegeben. Eleonore hat es sich in einem Museum eingerichtet.

Dann bittet sie uns zu gehen. In unserem Umschlag finden wir die Wegbeschreibung zur Abschlussfeier von Margareten Mon Amour. In einer Bar treffen wir alle anderen Pärchen, die an diesem Abend an Margareten Mon Amour teilgenommen haben zum Erfahrungsaustausch.

 

Margareten Mon Amour, von Leni Plöchl und Teresa Mossbauer