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Im Sommer 2018 wird das Volkstheater zur Großbaustelle, die dringend nötige Generalsanierung wird dann endlich starten. Bereits 1980/81 wurde das Haus auf den damals neuesten Stand gebracht. Nur wenige Jahrzehnte nach dem Krieg waren damals auch noch Bombenschäden zu beseitigen. Ein Blick zurück.

Wenn sich das Wiener Volkstheater im Mai 2018 in eine Großbaustelle verwandelt, ist es dafür höchste Zeit: Die letzte Generalsanierung des Hauses ist mittlerweile fast 40 Jahre her. Eine lange Zeit, bedenkt man die mittlerweile doch sehr betagte Bausubstanz und die Verantwortung, die ein solches Haus trägt. Bis zu 850 Zuschauer/innen haben im Volkstheater Platz und wollen in angenehmer, vor allem aber sicherer Umgebung einen schönen Theaterabend verbringen.

Bereits am 17. September 1980 wird der gesamte Gebäudekomplex unter Denkmalschutz gestellt. Bei der Generalsanierung in den Jahren 1980/81, die bereits während der Direktion Gustav Mankers immer wieder diskutiert und unter Direktor Paul Blaha schließlich von Juni 1980 bis August 1981 durchgeführt wurde, werden viele Spuren, die der Zweite Weltkrieg am Haus hinterlassen hatte, beseitig: Im Zuschauerraum werden die üppigen Vergoldungen, die die Nationalsozialisten übermalen ließen, wieder freigelegt, die Deckengemälde werden restauriert. Das seit der NS-Zeit verschwundene Bild auf dem Eisernen Vorhang ist nach der Sanierung wieder zu bewundern. Auch im Stadtbild ist eine Veränderung zu sehen: Die Kuppel über dem Foyer, die 1945 bei einem Bombentreffer zerstört wurde, wird rekonstruiert, um das architektonische Gleichgewicht des Hauses wiederherzustellen. Die wichtigsten Neuerungen jedoch sind technischer Natur: Die Drehbühne wird komplett erneuert, dazu gibt es zwei Personenversenkungen, ein Orchesterpodium, welches auch zu einer Vorbühne angehoben werden kann, sowie einen neuen Schnürboden. Die alte Drehbühne war 1919 gebraucht vom Theater an der Wien übernommen worden, bis zur Generalsanierung 1980/81 mussten die Techniker im Volkstheater die Drehbühne noch mit der Hand betreiben. Trotz aller technischer Neuerungen, einen Superlativ verlor das Volkstheater mit der Sanierung: Bis 1980 war es das größte Sprechtheater im deutschsprachigen Raum gewesen. Zugunsten einer höheren Bequemlichkeit wird die Zahl der Plätze bei der Generalsanierung auf 1.148 verringert, das Schauspielhaus Hamburg darf sich fortan mit dem Titel des größten Sprechtheaters im deutschen Sprachraum schmücken.

Volkstheater_Saal©www.lupispuma.com

© www.lupispuma.com / Volkstheater

Nachdem bereits im Sommer 2015 eine neue Tribüne im Zuschauerraum eingebaut wurde, die die Sitzplatzzahl zwar nochmals reduzierte, jedoch merklich mehr Komfort, verbesserte Sicht und Akustik brachte, wird es im Sommer 2018 nun erneut ernst: Ziel ist dabei nicht nur eine Erhaltung der historischen Bausubstanz und eine Verbesserung der Abläufe hinter der Bühne, etwa durch eine neue Seitenbühne, um die Anlieferung zu erleichtern. Auch die Sicherstellung barrierefreier Zugänge wird ein wichtiges Anliegen sein, ebenso größtmöglicher Komfort und Sicherheit für die Besucher/innen. Neben einer Zentralgarderobe und zusätzlichen Pausenräumen wird im Erdgeschoss ein neu gestaltetes Café eingerichtet. Hier haben die Zuschauer/innen ab Oktober 2018 die Möglichkeit, sich in bester Wiener Kaffeehaus-Tradition auf ihren Theaterbesuch einzustimmen – und vielleicht mit einem Glas Sekt auf das in neuem Glanz erstrahlende Volkstheater anzustoßen!