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Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. In dieser Folge erzählt er über einen großen Österreich-Fan.

Immer, wenn ich am Burgtheater vorbeifahre, muss ich an den vor nicht allzu langer Zeit im hohen Alter verstorbenen Freund und Kollegen Hubert Kronlachner denken.

Dreimal hatte dieser das Angebot, ans Burgtheater zu wechseln, jedes Mal hat er sich dagegen entschieden und blieb lieber in der Schweiz. Am Theater Basel, dann am Schauspielhaus Zürich und zuletzt wieder in Basel, wo er, obwohl schon längst in Pension, noch regelmäßig in einem kleinen Theater am Stadtrand auftrat. Hier kennen ihn nur wenige, aber er hat tatsächlich Schweizer Theatergeschichte geschrieben. Er blieb trotzdem ein leidenschaftlicher Österreicher, verfolgte jedes Spiel der Fußballnationalmannschaft in Zeiten, als sie noch gar nicht so gut war, mit großer Begeisterung (berechtigte ironische Kommentare während des Spiels waren in seiner Gegenwart so gut wie unmöglich), ging regelmäßig zu den alljährlichen Empfängen der Österreichischen Botschaft in Bern und hatte regen Kontakt zum Österreicher-Verein in Basel. Er stammte aus Attnang-Puchheim, einem “Unort, den man nur vom Durchfahren kennt”, wie er zwar selbst immer sagte, was ihn aber nicht davon abhielt, jeden Sommer dort zu verbringen. Bei dem Teil der Familie, der den flächendeckenden Bombardements durch die Alliierten (Attnang war Verkehrsknotenpunkt) nicht zum Opfer gefallen war.

Dass er den Krieg überlebt hatte, verdankte er (so hat er es mir erzählt) der Tatsache, dass ihm – als Panzerfahrer auf dem Weg nach Stalingrad – bereits beim ersten Gefecht die Klappe des Panzers so unglücklich auf die Hand fiel, dass ihm ein kleiner Teil eines Fingers abhandenkam. Das hieß also: Lazarett. Der Rest der Mannschaft hat den Krieg nicht überlebt. Und gegen Ende des Krieges hatte er nochmal Glück: An der Westfront in einem kleinen französischen Wäldchen mit den Panzern steckengeblieben, wollte sich die gesamte Belegschaft ergeben. Allein, der Kommandant der Truppe bestand auf einer Fortführung des sinnlosen Kampfes. Um das Desaster mit den im sumpfigen Boden gestrandeten Panzern besser kontrollieren zu können, stieg er aus und wurde dabei von einem seiner eigenen Panzer überrollt. Ob mit Absicht oder nicht, ließ sich nicht mehr feststellen. Anschließend ging die ganze Truppe erleichtert in amerikanische Gefangenschaft.

Das Wiener Publikum hätte diesen Schauspieler geliebt, Aber er war, glaube ich, lieber Österreich-Fan aus der Ferne.