Menü
 

Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. Heute versucht er, den Sound der Stadt zu beschreiben ...

Jede Stadt hat ihren eigenen Sound.

Den spezifischen “Wiener Sound” habe ich im Unterschied zu anderen Städten, die ich gut kenne, noch nicht wirklich ins Ohr bekommen. Ein Versuch diesbezüglich sähe vielleicht so aus:

Kreischende Straßenbahnen, vor allem das beinahe hysterische Geklingel der alten Garnituren, allen voran der Nr. 2 und des D-Wagens, der auf und abschwellende Gürtelverkehrslärm, Austropop aus den Eckkneipen, der eigenartig gleichmäßige Lärmpegel in Kaffeehäusern, Beisln, auf Straßen und Plätzen, nur hin und wieder durchbrochen von kurzen, wienspezifischen Schimpfanfällen: “gehscheissenoidaisogdawoswanndunoamoi …”, schnatternde Touristenmassen, die wie Enten durch die Hotspots der untergegangenen Monarchie watscheln, die lauten Rettungen, hektische Polizeisirenen, nervös hupende Autofahrer, die krächzenden Lautsprecherdurchsagen der Wiener Linien mit dem notorisch gequetscht gesprochenen A (“Umsteigen in die 13 A” zum Beispiel …), Fiaker-Pferdegetrappel, die Marktschreier: “Alles ein Euro bitteschööööön”, die ausländischen Bettler/innen: “allesGutebittedanke”, das dauernde “Bussi Baba” und “Passt!” der Inländer/innen, die Möwen über dem Donaukanal, die Krähen in Schönbrunn und überall … das Taubengegurre.

Manchmal noch Geräusche von Gewerbebetrieben aus Hinterhöfen: Hämmern, Sägen, Schweißen, vertraute Klänge aus einer schon fernen Kindheit.