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Am 20. November hat Anna Badoras Inszenierung von Franz Grillparzers "Medea" Premiere. Als Medeas Söhne sowie als junge Medea sind auf der Bühne auch Kinderdarsteller/innen zu sehen. Barbara Wolfram hat mit ihnen über ihre Erlebnisse während der Proben gesprochen.

Auf den Brettern zu stehen, die die Welt bedeuten, ist für viele ein Traum. Auf den Brettern des Volkstheaters zu stehen, ist für Sarah, Luana, Johannes, Phillip, Nikolaus, Simon und Oskar bald mehrmals wöchentlich Realität. Die beiden 15-Jährigen Luana und Sarah werden abwechselnd die junge Medea an der Seite von Stefanie Reinsperger, welche die erwachsene Medea spielt, verkörpern. Die etwas jüngeren Darsteller Johannes, Phillip, Nikolaus, Simon und Oskar spielen Absyrthus und Ason, die Söhne von Medea und Jason.

In der vierten Probenwoche für Anna Badoras Inszenierung von Franz Grillparzers Medea, nach ausführlichen Gesprächen mit dem Regieteam und den Eltern der jungen Darsteller/innen über das Stück, die Inszenierung und ihre Rollen, ist die Probebühne in der Fassziehergasse schon fast ein zweites Zuhause für die jungen Darsteller/innen geworden. Zeit, sie nach ihren Eindrücken und Gedanken zu Medea, ihren Rollen, den Proben, dem Schauspielen und dem Theater zu fragen!

Luana über ihre Rolle als (junge) Medea: „Es geht um ein Mädchen, das gezwungen wurde, bei einem Mord mitzumachen, was sie die ganze Zeit über beschäftigt, weil sie sich schuldig fühlt, sich dann in den Feind verliebt und mit ihm ans Ende der Welt reist. Am Ende bringt sie dann auch noch ihre beiden Söhne um. Ich spiele dieses Mädchen – Medea – als sie Kind war und tauche dann immer wieder im Leben der großen Medea auf. Mal wirklich, mal nur in Gedanken.“

Sarah dagegen denkt auch viel darüber nach, wie Medea heute wäre oder was für sie der Unterschied zur Gegenwart ist: „Ich kann die junge Medea an sich sehr gut verstehen (die Ältere nicht mehr so). Trotzdem sind wir auch sehr verschieden, vor allem da diese Medea in einer völlig anderen Welt lebt als ich – in Kolchis ist es selbstverständlich, Feinde umzubringen, und dass der König seine Tochter dazu ausgenutzt hat, interessiert niemanden. Da gibt es keine Polizei, keine Kinderrechte, kein Jugendamt, Medea ist in einem völlig ungeschützten Umfeld aufgewachsen. Der einzige, vor dem sich ihr Vater eigentlich wirklich rechtfertigen muss, ist der Gott, Peronto. Am liebsten würde ich der großen Medea zurufen: Geh nicht mit Jason mit! Geh und lebe mit deinen Freundinnen im Wald, so wie du es ursprünglich wolltest. Mach dich unabhängig von deinem Vater und vielleicht lernst du ja später einen netten Mann kennen, einen, für den du nicht alles hinschmeißt, ohne mit ihm auch nur richtig gesprochen zu haben. Bitte!!“

Auch für Simon, einer der Darsteller der Söhne von Jason und Medea, ist die Zeit, in der Medea angesiedelt ist, ein großes Thema: „Das Stück spielt in einer ganz anderen Zeit. Damals war alles gar nicht so einfach. Man hat sich nicht beschimpft, sondern gleich umgebracht und es gab keine Schule. Auch sind wir jahrelang mit unseren Eltern auf einem Schiff gewesen und eben jetzt zum ersten Mal überhaupt an Land. Ich stelle mir das schon alles sehr schwierig vor.“ „Und die beiden sind sicher auch total traurig, weil sie so herumgerissen werden zwischen Mama und Papa!“, wirft Nikolaus auch gleich ein.

So herumgerissen wie die Söhne von Medea und Jason sind die fünf jungen Darsteller nicht, wenn es um Stefanie Reinsperger und Gábor Biedermann geht, die Medea und Jason verkörpern. Oskar macht klar, dass „die beiden wirklich toll sind. Und ich finde, die beiden können echt schauspielern. Also die können Gefühle und Situationen wirklich so darstellen, als wäre es echt und sind beide auch total lieb und nett.“

Das Proben selber und das Drumherum, da sind sich alle einig, sind „sehr lustig und alles sehr cool“, wie Phillip sofort herausruft. „Mich hat auch die Probebühne sehr überrascht, sie ist so groß, und man kann sich da auch überall so gut verstecken! Mich überrascht alles, ich bin ja noch sehr klein, aber im Theater war ich trotzdem schon sehr oft als Zuschauer!“

Ganz so überraschend wie Phillip findet der schon öfter auf der Bühne gestandene Johannes die Proben dann doch auch wieder nicht. Fast schon wie ein Profi kommt von ihm Abgeklärtes: „Überrascht hat mich eigentlich nichts, ich war ja schon oft bei Proben dabei – unter anderem auch am Volkstheater in Die Physiker. Ich freue mich aber schon wirklich sehr auf die Aufführungen, wenn ich dann vor einem großen Publikum auf der großen Bühne stehe.“

Nachdem Nikolaus ganz genau erklärt hat, um was es in Medea geht, möchte er noch loswerden, warum er überhaupt gerne ins Theater geht und warum das viele andere auch machen sollten: „Weißt du, im Theater kann man alles spielen, was man für gut oder schlecht oder wichtig oder traurig findet. So kann man nachdenken oder was lernen oder was ausprobieren. Mir macht das sehr Spaß! Also ich kann mal wer anderer sein und schlimm sein oder verrückt sein und so und dann war es ja gar nicht ich. Außerdem freut man sich am Ende, wenn nicht alles in Echt war, besonders wenn die Geschichte nicht gut ausgeht. Die Zuschauer freuen sich dann auch. Und es ist aufregend zuzuschauen, so wie ein Buch, das vorgelesen wird – nur noch toller.“

Na dann – wir freuen uns schon sehr, Sarah, Luana, Simon, Phillip, Johannes, Nikolaus und Oskar ab 20. November als junge Medeas und als Söhne von Medea und Jason auf der großen Bühne des Volkstheaters zu bestaunen und mit ihnen und Medea mitzufiebern, mitzuweinen und uns vielleicht auch manchmal mitzufreuen.

 

Auf dem Foto sind (von links nach rechts) zu sehen: Nikolaus, Simon, Oskar, Sarah, Phillip und Johannes. (© Barbara Wolfram)

Barbara Wolfram ist als Regiehospitantin bei Medea und schreibt daneben an ihrer Dissertation an der Filmakademie Wien.