Menü
 

Weil erwachsene Theaterleute nicht immer wissen, was Kinder gut und lustig oder doch eher peinlich finden, rief das Volkstheater gemeinsam mit der Volkshilfe Wien die Kinder-Regie-Bande ins Leben – eine Gruppe von Kindern, die die Proben der Produktion "Die rote Zora und ihre Bande" besuchte und in Nachgesprächen beratend zur Seite stand. Wir geben hier Auszüge eines Nachgesprächs wieder.

Die Probe ist vorbei. Die Kinder-Regie-Bande und das Regieteam sammeln sich im Stauraum, dem Aufenthaltszimmer des Volkstheater-Ensembles. Die Schauspieler/innen ziehen sich noch um und treffen nach und nach ein.

Maysa: Ich vermisse den Herrn Begović.

Isabella: Neben mir soll ein Thunfisch sitzen.

Jasmin Leitgeb, eine der Statist/innen, die die Thunfische spielen, setzt sich neben Isabella.

Robert Gerloff: Was haben wir denn im Vergleich zum letzten Mal besser gemacht?

Isabella: Die Bühne hat sich bewegt.

Yasmin: Ein Wunder!

Robert Gerloff: Stimmt, ihr musstet nicht mehr laufen.

Auf der Probebühne gibt es nämlich keine Drehbühne, sodass sich die Schauspieler/innen, das Regieteam und die Kinder-Regie-Bande um das Bühnenbild herum bewegen müssen – zum Unmut der Kinder-Regie-Bande.

Gábor Biedermann kommt in den Stauraum.

Maysa: Herr Begović!

Isabella: Herr Begović, antreten bitte.

Maysa: Herr Begović, kannst du die Steffi verhaften?

Steffi Krautz spielt im Stück den reichen Karaman, den Widersacher des Fischers Gorian.

Robert Gerloff: Welche Szene hat euch denn heute besonders gut gefallen?

Yasmin: Das Popoklatschen hat mir am besten gefallen.

Simon: Ja, die Szene, in der Branko und Zora zum alten Fischer gehen und der glaubt, dass sie stehlen wollen.

Yasmin: Als Branko geschrien hat – das finde ich toll. zu Luka Vlatković Du kannst gut schreien.

Luka Vlatković: Danke.

Maysa zeigt auf das Fahndungsbild der Bande, das im Stück als Requisit verwendet wird Und außerdem, wer hat das gemalt?

Robert Gerloff: Das hat die rote Zora gemalt.

Isabella zu Hanna Binder: Wirklich, du kannst so malen? Wo ist deine rote Perücke heute gewesen?

Hanna Binder: Die gibt es erst nächste Woche.

Robert Gerloff: Wenn ihr das nächste Mal kommt, haben die Schauspieler/innen die richtigen Kostüme und Perücken an, und wir haben ganz anderes Licht als heute. Dann wird es heller und dunkler und es gibt Nebel.

Maysa: Wow!

Isabella: Mir haben am besten die Thunfische gefallen.

Maysa: Ja, die Szene mit den Fischen, wenn der Begović falsche Zahlen sagt. Es war urlustig. Da musste ich einfach lachen.

Yasmins Blick fällt auf den Bildschirm an der Wand, auf dem man sieht, dass die Bühnentechniker das Bühnenbild abbauen.

Yasmin: Warum räumen sie das weg?

Robert Gerloff: Sie bauen das Bühnenbild ab, weil heute Abend eine andere Vorstellung ist. Und für unsere nächste Probe bauen sie unser Bühnenbild wieder auf.

Yasmin: Da machen sie das wieder neu?

Isabella: Warum ist die Steffi nicht da?

Robert Gerloff: Die Steffi spielt heute Abend in der Vorstellung.

Veronika Maurer: Sie muss jetzt Pause machen, damit sie heute Abend wieder spielen kann.

Isabella: Was für ein Stück?

Veronika Maurer: Komödie im Dunkeln.

Robert Gerloff: Über was habt ihr euch bei der Probe heute gewundert?

Yasmin: Begović, warum hast du immer nur die Armen verhaftet, nicht die Reichen? Warum?

Gábor Biedermann: Weil ich von den Armen ja nichts will. Von den Reichen will ich vielleicht nochmal was, deswegen bin ich da vorsichtiger.

Maysa zu Tobias Resch: In der Szene, in der die Fische stinken: War das Wasser, was du da gespuckt hast?

Tobias Resch: Nein, das ist Haferbrei.

Yasmin: Wann nimmt er das in den Mund?

Robert Gerloff: Das ist ein großer Theatertrick, den verraten wir nicht.

Yasmin: Warum kann die rote Zora nicht einfach einen Tierarzt anrufen, wenn der Hund hinkt?

Robert Gerloff: Hm. Ja, okay.

Eine Durchsage des Inspizienten ist zu hören.

Isabella: Was war das gerade?

Robert Gerloff: Eine Durchsage.

Isabella: Für wen?

Robert Gerloff: Ich hab nicht zugehört. Aber nicht für uns.
Also, bei manchen Sachen wissen wir selber, dass wir noch dran arbeiten müssen, aber was meint ihr denn…

Isabella: Kommst du aus Deutschland?

Robert Gerloff: Ja.

Angela: Man merkt’s.

Isabella weist auf Felix, den Betreuer der Kinder-Regie-Bande: Er kommt auch aus Deutschland.

Robert Gerloff: Ah, vielleicht kennen wir uns ja.

Isabella: Redet mal deutsch miteinander!

Robert Gerloff: Nein, dann versteht man uns vielleicht nicht, das wollen wir nicht.

Isabella: Ist die Constanze mit dem Bürgermeister echt verwandt?

Veronika Maurer: Nein, aber sie kommen beide aus Österreich.

Isabella: Bekommt ihr Geld?

Veronika Maurer: Ja, wir bekommen hier Geld.

Maysa: Einen Applaus nur für die!

Die Kinder klatschen.

Robert Gerloff: Habt ihr gemerkt, dass sich die Währung in unserem Stück verändert hat?

Angela: Fake-Kuna?

Robert Gerloff: Ja, das haben wir von dir übernommen, du hast das letzte Woche gesagt. Danke nochmal für diese Idee.

Angela lacht.

Yasmin: Die rote Zora und ihre Bande: Seid ihr wirklich arm? In echt?

Tobias: Nicht so.

Angela: Das ist Theater und nicht real.

Robert Gerloff: Wobei, Hanna hat nie Geld. Aber sie hat ein Motorrad.

Hanna Binder: Sagt mal, wie fandet ihr das mit dem Blut an Brankos Hand?

Yasmin: Ziemlich gut!

Maysa: Das war aber kein echtes Blut, oder?

Robert Gerloff: Nein, Theaterblut.

Angela: Das war Fake-Blut.

Maysa: Ich weiß, wie es an die Hand gekommen ist.

Robert Gerloff: Aber nicht verraten! Wir verraten hier keine Tricks.

Angela: Ich hab mich erschrocken.

Isabella: Ich hab mich immer erschrocken, wenn der Herr Begović geschossen hat.

Veronika Maurer: Fandet ihr das Stück heute lang oder zu lang?

Alle: Nein!

Maysa: Das war eine halbe Stunde! Ich finde, dass es zehn Stunden dauern sollte!

Isabella: Bis Mitternacht!

Isabella entdeckt einen Pokal von der Theaterfußball-Meisterschaft 2018

Isabella: Wem gehört der Pokal?

Luka Vlatković: Den hab ich gewonnen. Wirklich. Mit der Volkstheater-Fußballmannschaft.

Die Kinder klatschen.

Maysa: Warum nicht die rote Zora?

Luka Vlatković: Die war leider nicht dabei.

Robert Gerloff: Letztes Mal haben wir ja auch schon gefragt, was ihr ein bisschen kindisch oder peinlich fandet. Da habt ihr den Hund genannt.

Isabella: Ja, der hat sich noch immer nicht verändert.

Robert Gerloff: Das stimmt, aber wartet auf das richtige Licht, dann sieht man ihn nicht so gut und er hat ein neues Kostüm und es ist dann auch schnell wieder vorbei, versprochen.

Maysa: Warum waren heute die Wände schon angemalt, aber die Kleider nicht?

Veronika Maurer: Das waren noch nicht die richtigen Kostüme. Die kommen erst am Montag, wenn sie fertig genäht worden sind.

Yasmin: Wer näht sie?

Veronika Maurer: Es gibt am Theater eine Schneiderei, dort stellen Schneiderinnen und Schneider die Kostüme her oder nähen sie um.

Robert Gerloff: Haben es die Gymnasiasten verdient, bis auf die Unterhose ausgezogen zu werden? Oder ist das unfair?

Angela: Das war eklig!

Isabella: Das war lustig!

Angela: Es war witzig, dass der eine Gymnasiast springen musste, weil die Hose noch nicht ganz ausgezogen war.

Yasmin: Warum habt ihr ihnen nicht einfach alles ausgezogen?

Maysa: Nein, das wäre eklig!

Robert Gerloff: Ich denk mal drüber nach.

Angela: Nein, bitte nicht.

Yasmin: Aber sie könnten noch eine Watsche kriegen.

Robert Gerloff: Ausziehen und Watsche, okay.

Maysa: Warum könnt ihr den Gymnasiasten nicht einfach eine Watsche geben anstatt sie auszuziehen?

Robert Gerloff: Lieber nicht ausziehen?

Maysa: Ja.

Robert Gerloff: Aber an der Stelle habt ihr alle gelacht!

Isabella: Ja, es war lustig!

Maysa: Nein!

Robert Gerloff: Dann hältst du dir an der Stelle einfach die Augen zu, dann hörst du nur die Watsche, so machen wir’s, oder?

Maysa zögert kurz: Okay.

Yasmin: Zlata, warum hast du der Zora die Unterhose gezeigt?

Constanze Winkler: Weil mich in der Szene die Zora nervt. Und dann will ich ihr meinen Hintern zeigen. Hast du das noch nie gemacht, wenn dich wer nervt?

Yasmin: Nein.

Constanze Winkler: Das wirkt! Probier’s mal aus.