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Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. Dieses Mal wundert er sich ein wenig – über die Wiener Linien nämlich ...

Als ich von der Schweiz nach Österreich zurück kam, musste ich mich in vielen alltäglichen Lebensbelangen ziemlich umgewöhnen. In der Schweiz z.B. stellt man zweimal die Woche Müllsäcke, ganz bestimmte im übrigen, die auch etwas kosten, vor das Haus, dort werden sie dann entsorgt. Das ist sehr einfach. Hier in Österreich gibt es dieses unglaublich komplizierte Prozedere, wo eine Vorhut von Müllmännern, mit einem Generalschlüssel bewaffnet, die Container aus Hinterhöfen und Kellern mit großem Getöse auf die Straße schiebt, wo sie dann später von einer zweiten Kolonne geleert und zurückgebracht werden.

Über solche Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen zu schimpfen, wäre denen gegenüber ungerecht, die von dieser Arbeit leben, aber dass bei den Wiener Linien neuerdings (oder sind sie mir erst jetzt aufgefallen?) zahlreiche Frauen und Männer in den wienerlinientypischen gelbgrauen Uniformen mit einem seltsamen Auftrag täglich die U-Bahnstationen mit Walkie-Talkies rauf- und runterspazieren, irritiert dann doch.

Neulich fragte ich einen dieser Uniformierten, was denn eigentlich seine Aufgabe sei. Ich hatte wahrscheinlich etwas zu forsch gefragt, denn er antwortete etwas knapp und verlegen: „Maschinen!“

„Maschinen? Aha, ähhh … wie soll ich das verstehen?“ „Naja, wenn eine Rolltreppe nicht funktioniert, oder so, dann melden wir das.“ „Aha.“ (Die Frage, was denn außer Rolltreppen noch für Maschinen an den Stationen seien, ersparte ich ihm.) „Aber wenn es zum Beispiel eine Rauferei auf dem  Bahnsteig gibt, kann man sich da an Sie wenden?“ „Nein, nein, um Gottes Willen. Da dürfen wir nicht eingreifen! Wir sind ja nicht einmal bewaffnet!“

Diese Aussage, kombiniert mit der Tatsache, dass viele der krächzenden Durchsagen der Wiener Linien völlig unverständlich sind, weil sie oft von einem starken Rauschen begleitet werden („Weg….nes…Polizeiein….ka…U2 zwisch…..lsplatz und Schottent….nich …“), bestärkte in mir den Verdacht, dass auch hier mit generöser Selbstverständlichkeit Unverständliches gepflegt wird, wie man es sonst eher aus den unzähligen Anekdoten über die Absurditäten der Wiener Rathausbürokratie kennt.

Die Anwesenheit dieser sinnlos Uniformierten auf den Bahnsteigen hat immerhin für diejenigen, die nicht wissen, dass diese „nur für Maschinen“ zuständig sind, etwas Beruhigendes.