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Das Theater gilt oft als abergläubischer Betrieb, an dem sich Rituale und Gebote hartnäckig halten. Kein Wunder: Aufführungen sind immer live! Da möchte man, trotz gründlicher Vorbereitung und perfekt abgestimmten Gewerken, das Glück (und die angeblich existierenden Theatergeister) auf seiner Seite haben.

In Die Zehn Gebote nach den Filmen von Krzysztof Kieślowski beschäftigt sich das Volkstheater-Ensemble mit der Gültigkeit der biblischen Gebote. Hier kommen „Die Zehn Theater-Gebote“: Vorschriften, an die sich Theatermitarbeiter/innen und Schauspieler/innen sonst halten.

 

Der letzte Durchlauf eines Stückes vor der Premiere ist die sogenannte Generalprobe. Eine schlechte Generalprobe gilt als Omen für eine gelungene Premiere. Rund um diese wichtige Probe ranken sich unterschiedliche Mythen:

Du sollst den letzten Satz des Stückes nicht aussprechen

Ein Aberglaube bei der Generalprobe ist, dass es Unglück bringt den letzten Satz des Stückes bei der Probe auszusprechen. Einige Schauspieler/innen beenden deshalb die Generalprobe mit dem vorletzten Satz, um alle Voraussetzungen für eine gelungene Premiere zu schaffen.

Du sollst nach der Generalprobe nicht klatschen

Immer wieder gibt es „öffentliche Generalproben“. Hier ist die letzte Probe vor der Premiere schon für Publikum geöffnet. Nach dieser Probe darf jedoch auf keinen Fall geklatscht werden, und das Ensemble darf sich nicht verbeugen.

Du sollst auf der Bühne nicht pfeifen

Weniger bekannt ist, dass auf der Bühne nicht gepfiffen werden darf. Dieses Gebot ist jedoch kein purer Aberglaube, war es einst von praktischer Bedeutung … Zu dieser Regel gibt es zwei verschiedene Erklärungen. Eine besagt, Pfeifen deutete auf Gefahr und einen möglichen Brand hin. Als Theater noch mit Gasleuchten betrieben wurden, wies der pfeifende Ton darauf hin, dass Sauerstoffmangel herrschte. Eine andere Erklärung wiederum ist, dass sich früher die Bühnentechniker per Pfiff verständigten. Wenn also nun ein/e Schauspieler/in pfiff, konnte es passieren, dass damit ein bestimmtes Kommando ausgelöst wurde und im schlimmsten Fall dafür sorgte, dass Bühnenteile von der Decke herabgesenkt wurden.

Du sollst auf der Bühne nicht essen und trinken

Eine weitere Regel besagt, dass man auf der Bühne nur dann essen und trinken soll, wenn es das Stück verlangt. Auch eine Stärkung vor der Vorstellung darf man nicht im Kostüm zu sich nehmen. Vermutlich hat diesen Aberglauben ein/e kluge Kostümbildner/in in die Theaterwelt gesetzt, um die Kostüme vor Flecken zu bewahren.

 

Ein bekanntes Ritual im Theater ist „Toi Toi Toi“ als Glückwunsch auszusprechen. Rund um diesen Spruch gibt es jedoch einige Regeln, die es zu befolgen gilt …

Du sollst nicht „Viel Glück“ sagen

Im Theater wünscht man sich niemals „Viel Glück“ vor der Aufführung, denn das bringt angeblich genau das Gegenteil. Stattdessen spuckt man drei Mal über die linke Schulter oder man sagt „Toi Toi Toi“, eine Verballhornung des Fluches „Teufel, Teufel, Teufel“.

Du sollst dich nicht bedanken

Die richtige Antwort auf die Glückwünsche ist „Hals- und Beinbruch“ oder „Wird schon schiefgehen“. Angeblich ist „Hals- und Beinbruch“ eine Abwandlung von den jiddischen Wörtern „hasloche un’ broche“, die Glück und Segen bedeuten. Auf gar keinen Fall sollte man Glückwünschen mit einem simplen „Danke“ begegnen.

Du sollst „Toi Toi Toi“ nicht in privater Kleidung wünschen

Auch den Zeitpunkt des „Toi Toi Toi“-Wunsches darf nicht dem Zufall überlassen werden! Glück bringt es bei Schauspieler/innen nur dann, wenn sie schon das Kostüm für die Vorstellungen tragen.

 

Du sollst den Namen „Macbeth“ nicht missbrauchen

Großes Unglück beschwört die Aussprache des Stücktiteles von William Shakespeare außerhalb der Proben oder Aufführungen. Noch größer wird es, wenn Teile des Textes im privaten Rahmen ausgesprochen werden. Als besonders gefährlich gelten die Szenen mit den drei Hexen. Stattdessen wird „that Scottish play“ also „das Schottische Stück“ verwendet.

Du sollst nicht durch den Vorhang spähen

Für die Schauspieler/innen gilt: Vor der Vorstellung darf man nicht durch den Vorhang spähen!

Du sollst keine Blumen und Spiegel auf der Bühne haben

Dieses Gebot gilt für Bühnenbilder/innen und Requisiteur/innen. Echte Blumen und Spiegel auf der Bühne zu haben, bringt Unglück. Eine praktische Erklärung für diesen Glaubenssatz liegt auf der Hand: Scheinwerferlicht lässt Blumen schnell welken, und Licht reflektiert im Spiegel womöglich in den Zuschauerraum.

 

Wenn nichts hilft, ein Gebot gebrochen wurde und das Unglück an einem haftet, soll man dem Aberglauben zufolge aus dem Theater gehen und drei Mal um das Haus laufen oder sich drei Mal um seine eigene Achse drehen. Danach an die Tür des Theaters klopfen und bitten, wieder hinein gelassen zu werden. So stimmt man die Theatergeister (hoffentlich!) wieder um …

 

„Der Aberglaub‘, in dem wir aufgewachsen, (…) verliert, auch wenn wir ihn erkennen, darum seine Macht nicht über uns.“ (Nathan der Weise, Gotthold Ephraim Lessing)