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Ab 2017 soll die Generalsanierung des Volkstheaters starten – der technische Leiter Michael Mayerhofer arbeitet schon mal an seiner Wunschliste.

Dem Wiener Volkstheater steht Großes bevor: Im Sommer 2017 soll die Generalsanierung des denkmalgeschützten Hauses beginnen. Die ist auch dringend nötig, sagt Michael Mayerhofer, technischer Leiter des Theaters. Zu tun gibt es an so ziemlich allen Ecken des großen Gebäudes etwas, seine “Wunschliste” für die Generalsanierung ist deshalb entsprechend lang. Los geht es bei ganz elementaren Dingen, erklärt er: Türen, Fenster und Dach der historischen Substanz gehören schon lange renoviert. Bei starkem Regen würde es aktuell auf die Bühne herunterregnen – hätten die improvisationsfreudigen Techniker des Hauses nicht eine Vorrichtung aus Plane, Trichter und Fangbecken gebaut und unter dem Dach installiert. Durch die Fenster des Hauses zieht es, teilweise sammelt sich in den Doppelfenstern sogar der Schnee. Und auch von den Außentüren kann man sagen: Sie haben ihren Dienst getan. Die Heizung, erzählt Mayerhofer, erfüllt ihre Aufgabe nicht immer verlässlich, in manchen der Büros bleibt es bisweilen kalt. Selbst die Sanitäranlagen sind nicht mehr wirklich auf dem neuesten Stand: Das Haus hat zu wenige Schauspieler/innen-Garderoben, es fehlen Toiletten und Duschen – tatsächlich gibt es für die Schauspielerinnen aktuell nur eine Damen-Dusche. Daneben mangelt es an ausreichenden rollstuhlgerechten Toiletten. Wie Michael Mayerhofer zusammenfasst: “Grundlegende Dinge fehlen einfach in unserem Haus.”

Neben diesen “Grundlagen” einer jeden Renovierung hat ein technischer Leiter wie Michael Mayerhofer aber natürlich auch noch andere Wünsche im Kopf, so wie etwa eine Überholung der Bühnentechnik. Sie stammt noch von der Generalsanierung aus den Jahren 1980/81 und wurde über die Jahre nur soweit repariert und erweitert, wie es für den laufenden Betrieb jeweils unbedingt nötig war. Michael Mayerhofer wünscht sich auf jeden Fall eine größere Seitenbühne – im Vergleich zu anderen großen Theatern hat das Volkstheater neben und hinter der Bühne nämlich kaum Stauraum, würde diesen aber dringend benötigen. Bisher stehen nur gut 100 Quadratmeter Stauraum für die Lagerung der Kulissen von im Schnitt sieben Stücken zur Verfügung. Mehr Platz würde den Bühnenarbeitern die tägliche Arbeit enorm erleichtern.

Der Schnürboden ist ebenfalls sanierungsbedürftig: Hier hängen Teile des Bühnenbildes, Dekorationen, Vorhänge und Scheinwerfer an 45 so genannten Zügen. 40 davon sind so genannte Handkonterzüge, die manuell bedient werden müssen. Lediglich drei maschinell betriebene Schwerlastzüge erleichtern den Bühnentechnikern ihre Arbeit, daneben gibt es außerdem 2 Beleuchtungszüge. “Ich würde die Zahl der Maschinenzüge gerne drastisch erhöhen – das würde die Abläufe enorm beschleunigen und für mehr Flexibilität sorgen”, sagt Mayerhofer.

Auch die Bühnensteuerung, also die Computer, von denen aus die Bühnentechnik geregelt wird, steht auf seiner Liste. Momentan gibt es drei getrennte Bühnensteuerungen, die nicht nur zu ganz unterschiedlichen Zeiten angeschafft und eingebaut wurden, sondern auch die verschiedensten Belange der Bühnentechnik regeln – Mayerhofer würde dieses etwas komplizierte System gerne vereinfachen und alles zu einer einzigen Steuerung zusammenfassen.

Die Drehscheibe auf der Bühne kann im Prinzip erhalten bleiben, hier sollen lediglich die Motoren auf den neuesten Stand gebracht werden. Immer wieder kam es in der vergangenen Jahren vor, dass der Motor der Drehbühne ausfiel und die Bühnenarbeiter spontan auf Handbetrieb umstellen mussten –um die laufende Vorstellung oder Probe nicht zu gefährden, blieben dabei oft nur wenige Sekunden Zeit, um zu reagieren. Eine erneuerte Bühnensteuerung könnte den Bühnenarbeitern solche Schockmomente womöglich bald ersparen. Und auch die zwei Personenversenkungen, die sich in der Drehbühne befinden, wünscht sich Mayerhofer leistungsfähiger: Sie sollen mehr Gewicht tragen können, so dass nicht nur Schauspieler/innen, sondern auch schwerere Bühnenteile wie durch Zauberhand auf der Bühne auftauchen und verschwinden können. Und auch das sogenannte Cyclorama, der große Rundvorhang hinter der Bühnendrehscheibe, soll erneuert werden. Der jetzige Rundvorhang weist bereits ein Gewicht von mehr als 800 Kilogramm auf, bei gleichmäßiger Verteilung kann er bei solch einem hohen Eigengewicht “nur” noch 300 Kilogramm tragen – für die Erfordernis moderner Bühnenbilder ist das nicht besonders viel. “Wir haben einen sehr behäbigen, klobigen Rundhorizont”, fasst Mayerhofer zusammen, “den ich gerne durch ein modernes, leichtes Flugwerk ersetzen würde.”

Als letztes schließlich wird nach Beendigung der Arbeiten der Bühnenboden ausgetauscht. Ein normaler Bühnenboden, das muss man hierbei bedenken, hat eine Lebenszeit von etwa zehn bis 15 Jahren. Er ist für eine Belastung von 500 Kilogramm pro Quadratmeter konzipiert, nutzt sich aber unter dieser Last über die Jahre ab, gibt nach, wird dünner, uneben und verliert an Tragkraft. Eine Erneuerung ist also auf lange Sicht auch eine Frage der Sicherheit. Aber die Generalsanierung wird noch andere Bereiche betreffen. Die Tontechnik soll aufgerüstet werden, von neuen Anlagen über Mischpulte bis hin zu den Lautsprechern. Ähnlich sieht es bei der Abteilung Licht und Video aus: Es geht weg von der analogen, hin zur digitalen Technik, die Scheinwerfer sollen nicht mehr von Hand, sondern digital gesteuert werden. Die Zuschauer/innen dürfen sich jetzt schon einmal darauf freuen, nach der Generalsanierung viele Verbesserungen zu sehen, spüren und hören zu bekommen.

 

Michael Mayerhofer, technischer Leiter des Wiener Volkstheaters.

Michael Mayerhofer, technischer Leiter des Wiener Volkstheaters. © privat

Die Bauarbeiten sollen im Sommer 2017 beginnen, insgesamt beläuft sich die aktuelle Baukostenschätzung auf 35 Millionen Euro – 12 Millionen hat die Stadt Wien für eine Sanierung zugesagt, das Volkstheater erbringt eine Eigenleistung von 10% des Gesamtaufwands. Auch Sie können Ihren Teil zu dem Projekt beitragen – Spenden sind von der Steuer absetzbar, alle Informationen dazu finden Sie hier.

Sie wollen noch mehr über die Welt hinter den Kulissen erfahren? Das Volkstheater bietet auch Bühnenführungen an!