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Schauspielerin Anja Herden ist festes Ensemblemitglied am Volkstheater. Als erfolgsverwöhnte Autorin Nathalie Oppenheim in der österreichischen Erstaufführung von Yasmina Rezas "Ihre Version des Spiels" stellt sie sich dem Wiener Publikum erstmals vor. Mit Dramaturgin Angela Heide sprach sie über frühe Leseerfahrungen, ihren Weg zum Theater und den Zugang zu einer schwierigen Rolle zwischen Eitelkeit und Verunsicherung.

Angela Heide: War für dich Literatur ein erster, ein wichtiger Zugang zum Theater?

Anja Herden: Eigentlich ist für mich Theater die logische Fortsetzung von Literatur: Geschichten, die man lesend einatmet, spielend wieder auszuatmen!

Wie war dein Weg von der Literatur zum Theater?

Lesen, Deutschunterricht, Theater-AG: Das war das eine. Ich war keine gute Schülerin, aber ich war immer gut in Deutsch. Und ich hatte diesen fantastischen Deutschlehrer in Münster, Leander Vierschilling, und dieser wunderbare Lehrer hat mich beim Schreiben, Lesen, Denken, Theater-Gehen-Schauen-Verstehen ‒ und schließlich auch in besagter Theater-AG beim Theaterspielen gefördert.

Hast du gleich nach dem Schulabschluss mit dem Schauspielstudium begonnen?

Nach dem Abi habe ich mich zuerst noch nicht getraut, wirklich Schauspielerin werden zu wollen. Aber ich habe mich so langsam an das Theater „rangewanzt“, habe im Theater-Café gejobbt, dann Dramaturgie-Hospitanzen gemacht, den Theater-Jugendclub besucht, Regieassistenzen übernommen und so weiter. Es folgten das Studium an der Folkwang-Hochschule in Essen und von 1997 bis 2001 zahlreiche Engagements, u. a. in Essen, Düsseldorf, Hamburg, Berlin, Zürich und Graz, ehe ich von 2002 bis 2011 am Schauspiel Köln engagiert war. In den vergangenen vier Jahren habe ich am Schauspielhaus Zürich und bei den Berliner Festspielen gastiert, meinen ersten eigenen Langfilm Taufe realisiert, der derzeit in der Postproduktion ist, ein Theaterstück und ein Kinderstück veröffentlicht und Schauspiel in Hamburg unterrichtet, wo ich auch das freie Theaterensemble strachinsky gegründet und geleitet habe.

Hast du eine Affinität zu bestimmten Theatertexten?

Früher habe ich gedacht, dass mich nur die großen antiken Dramentexte interessieren. Irgendwann hat mal ein Freund, der in den Niederlanden Regie studierte, gemeint, dass es schade sei, dass wir an den deutschsprachigen Theatern so gar keinen Zugang zu Gebrauchsdramatik haben, dass es immer diesen Anspruch auf „Klassik“ gibt. Das ist mir von da an immer geblieben: eine Sehnsucht danach, dass das Theater Gebrauchsgegenstand ist, dass man etwas macht, was mit dem Moment, mit der Zeit, den Bedürfnissen und Möglichkeiten zu tun hat. Und dann ist es halt wieder weg. Dass man sich löst von dem Anspruch, wenn du was schreibst, muss es das Zeug zum Klassiker haben. Das hat mir damals die Augen für die unglaublichen Möglichkeiten von Theater geöffnet – jenseits des Bildungsauftrags.

Gibt es Autor/innen, die dich dein Leben lang begleiten?

Ich habe vor Kurzem auf Facebook ein Foto der alten Astrid Lindgren mit der Darstellerin der Pippi Langstrumpf gesehen, und darunter stand ein Zitat von Lindgren: „Wenn man etwas von Pippi Langstrumpf lernen kann, dann ist es, Macht zu haben und sie nicht zu missbrauchen.“ Toll! ‒ auch wenn es auf Facebook war. Mit den Figuren von Lindgren ‒ und auch denen von Christine Nöstlinger ‒ aufzuwachsen, war für mich eine erste große literarische Bereicherung. In späteren Jahren war es für mich – auch aufgrund meiner Hautfarbe – zum Beispiel Toni Morrison. Von ihr kann ich sagen, dass ich wirklich ihr gesamtes Werk gelesen habe. Sicher auch, weil man als heranwachsende schwarze Frau in einer weißen, deutschen, katholischen 1980er-Jahre-Kleinstadtgesellschaft nach Vorbildern sucht. Figuren wie jene von Toni Morrison kamen ja in der von mir viel gelesenen und hoch geschätzten deutschen Nachkriegsliteratur gar nicht vor, und man bemerkt dann plötzlich dieses große Defizit, diese große Sehnsucht nach Möglichkeiten der Identifikation.

Ist das ein Bezug zu der Nathalie Oppenheim, die du kreiert hast?

Ich finde es spannend zu sagen, dass diese Nathalie Oppenheim diesen Aspekt auch hat. Und ich finde es spannend zu sagen: Das Publikum macht daraus, was es will. Aber wir thematisieren an keiner Stelle explizit, dass diese Nathalie Oppenheim eine dunkle Hautfarbe hat. Ich finde auch nicht, dass wir die Beschäftigung mit diesem Aspekt bedienen müssen.

Nathalie Oppenheim, eine erfolgreiche, aber zurückgezogen lebende Autorin, wird zu einer Buchpräsentation eingeladen, bei der sie sich den Fragen der bekannten Fernsehjournalistin Rosanna Ertel stellen muss. War das ein Setting, das du kennst?

Ja. Und ich glaube, ich gehöre, vielleicht ja ähnlich wie Nathalie, auch zu denen, die davor Panik haben, dass das, was sie sagen, unter den Erwartungen bleibt, die man allgemein an sie als Schriftstellerin ‒ in meinem Fall: als Schauspielerin ‒ hat.

Im Stück wird konsequent versucht, sei es im Quiz, sei es durch die daran anschließenden Fragen, die „Qualität“ der Autorin und ihres Buches zu messen. Wie gehst du mit dem Thema „Messbarkeit“ der eigenen Kunst um?

Ich denke, dass es diese grundsätzliche Angst, als Schauspieler/in „aufzufliegen“, gibt, weil das, was man tut, so wenig messbar ist ‒ im Gegensatz etwa zu Musiker/innen, ja, vielleicht sogar zu bildenden Künstler/innen, bei denen man eine Technik, eine Virtuosität „messen“ kann, was den Umgang mit dem Handwerk betrifft. Bei uns Schauspieler/innen hat es so viel mit Geschmack und Moden zu tun, also mit der Frage: Wer ist man, wie passt man in seine, ihre Zeit? Repräsentiert man überhaupt „seine Zeit“? Was für Vorbilder und Idole hat oder sucht eine Gesellschaft gerade? Und wenn man da als Typ gut hineinpasst und auch ein gutes Gefühl für sich und seine Wirkung hat, kann man wahnsinnig viel von dem vermitteln, was für die Menschen gerade relevant ist bzw. wie sie sich gerne gespiegelt sehen. Aber wenn ich mich selbst frage, was mich interessant macht, was mich befähigt, die Komplexität eines Menschen darzustellen, finde ich es eher schwierig, darauf eine Antwort zu geben …

Das Stück verhandelt ja ähnliche Fragen, wenn immer wieder darüber reflektiert wird, wann man ein spannender Autor, eine aufregende Autorin ist: umso mehr oder umso weniger man von sich preisgibt? Und deine Rolle, die der im Zentrum stehenden und nach allen Regeln der Kunst befragten Autorin, verweigert sich dem das ganze Stück über. Wie war es, dich einer Rolle wie der Nathalie Oppenheim anzunähern, einer Figur, die sich konsequent verweigert? Hat sie sich dir auch als Schauspielerin vorerst verweigert?

Ja, schon. Insofern als es keine „Erlösung“ gibt in der Form, dass sich jemand wirklich zu erkennen gibt. Ich verstehe, warum man sich verweigert. Was ist dein Geheimnis, warum beschützt du es so vehement? Gibt es überhaupt eines? Oder bist du nur ein großer Bluff? Und das hat mich in diesem Stück von Beginn an interessiert. Nach der langen Beschäftigung mit der Rolle der Nathalie Oppenheim habe ich das Gefühl, einen ganz guten Zugang zu diesem Gefühl zu haben, aber das hatte ich eigentlich schon beim ersten Lesen. Zugleich existiert ein wenig Wut, ein Unbefriedigtsein darüber, dass sie es nicht ausspricht, dass nichts in diesem Stück als klare Ansage daherkommt, dass sie nicht deutlich sagt: Ich weigere mich, euch zu erklären, wer ich bin, nur damit ihr mich „einordnen“ könnt. Damit ihr eure Erwartungen an mich oder meinen Roman befriedigt seht. Das gibt es im ganzen Stück nicht als klare Aussage. Das gibt es nur als Verhalten. Als Stimmung, als Atmosphäre. Und auch als Unfähigkeit. Und diese Unfähigkeit, dieses Ungelenke, das Nathalie ausmacht, finde ich als Schauspielerin einerseits sehr schwer zu erwischen, andererseits spannend, weil ich es so menschlich finde: dass man eine tolle Frau sein kann  ‒ und sein will ‒, und andererseits das „Tolle-Frau-Sein“ eben nicht in allen Kategorien erfüllen kann ‒ „im Gegenteil“, wie Nathalie Oppenheim sagen würde …

Nathalie Oppenheim wird im Stück als viel gelesene, hoch gelobte und mehrfach ausgezeichnete Autorin beschrieben. Immer wieder wird auch ihre Affinität zu Mode angesprochen. Ist sie für dich eine schöne Frau?

Das mit der Schönheit ist interessant, denn das kommt im ganzen Stück nicht vor. Man geht vielleicht von Yasmina Reza aus und meint, dass es sich vermutlich um eine attraktive Frau handelt, aber hier wird es schon wieder interessant: dass man die Autorin mit der Autorin mit der Autorin … verwechselt. Aber erst mal gibt es dazu keinerlei Information; es gibt eine Information, dass sie sich in dem von ihr gewählten neuen Kleid unsicher fühlt, wobei wir das in dieser Inszenierung gar nicht so bedienen, es gibt auch die Information, dass sie offensichtlich Wert darauf legt, sich schön zu machen und dass sie das im Gespräch mit Rosanna Ertel scheinbar rechtfertigen muss. Ob diese Frau schön ist, wissen wir nicht. Aber genau das ist für mich spannend: Was bedeutet es als Frau im öffentlichen Leben, ob als Schauspielerin oder als Schriftstellerin, großen Wert darauf zu legen, extrem Frau zu sein ‒ oder auch: extrem nicht Frau zu sein? Wie immer ich das entscheide, es wird natürlich bewertet, insbesondere auch in Bezug auf das Werk. Das, glaube ich, ist etwas, was Yasmina Reza auch beschäftigt: Ich komme vielleicht daher wie eine „Tussi“, aber trotzdem geht es hier um etwas. Und die Höhe meiner Highheels, die Anzahl meiner Liebhaber oder meiner Depressionen haben im Grunde genauso viel und genauso wenig mit Inhalt und Form meines Schaffens zu tun … Ob man nun schreibt, spielt, tanzt oder malt, was auch immer: Wenn andere Menschen die Ergebnisse meines Schaffens für ihr Leben brauchen können, davon inspiriert sind, davon profitieren, Ablenkung oder gar Trost finden, ist das wunderbar; wenn nicht, dann nicht. Aber es ist einfach unnötig, falsch und irgendwie auch sehr langweilig, „alles auf Selbstdarstellung zu reduzieren“, wie Nathalie an einer Stelle des Stückes sagt! Man nimmt sich als „User/in“ doch vor allem selber etwas vom Zauber einer „erfundenen“ Welt, wenn man diese Welt immer in ‒ und an ‒ einer einzigen Person verortet.

Wie liest man eine Rolle beim ersten Mal, wenn man sie selbst spielen wird?

Man liest sie sehr vorsichtig.

Verstehst du die Probleme von Nathalie Oppenheim?

Als Schauspielerin vielleicht noch viel mehr denn als Schriftstellerin, die ja doch die Chance hat, sich als existierende Person hinter ihrem Werk zu verstecken. Also nicht „live und in Farbe“ in Erscheinung treten zu müssen und mit totaler Authentizität das eigene Schaffen in jeder Sekunde beglaubigen zu müssen. Die Erwartungen an dich als Projektionsfläche sind hoch, und wenn du als Schauspielerin als „Typ“ sowieso schon eine starke Setzung bist, das heißt, in der Wahrnehmung schon irgendwie als „speziell“ empfunden wirst, ist das für viele Menschen oft erst mal ein Thema …

Inwieweit hattest du das Gefühl, dass Yasmina Reza mit diesem Stück sehr wohl ein persönliches Thema abarbeitet?

Die Tatsache, dass sie gerade dieses Stück selbst inszeniert hat, finde ich schon auffallend. Das macht in meinen Augen zumindest deutlich, dass es ihr persönlich wichtig ist und sie ihre Sichtweise auch in der szenischen Interpretation deutlich machen wollte. Aber ob sie zum Beispiel die gelesenen Passagen aus dem Roman selbst als gute Literatur bezeichnen würde oder Rolands Gedicht am Ende des Stückes für große Lyrik hält ‒ das bleibt uns verborgen. Wir müssen in unserer Inszenierung diese Entscheidung treffen. Aber ohne an Yasmina Reza zu denken, würde man das Stück vielleicht nicht unbedingt in dieser Vielschichtigkeit wahrnehmen. Dennoch glaube ich letztlich: Es geht nicht darum, wer Nathalie ist. Es geht ‒ auf den Roman bezogen, um den es ja im Stück auch zentral geht ‒ um Frau sein, Mutter sein, erfolgreich sein, Liebhaberin und/oder Betrogene sein, banal sein, mutig sein, tief enttäuscht sein, um Mordphantasien, verfehlte Lebensentwürfe und die Sehnsucht, plötzlich eine „ganz andere zu sein“ ‒ das alles stellt Nathalie Oppenheim mit Gabriele Gorn zur Verfügung. Und damit kann man machen, was man will.

Am Ende begegnet Nathalie Oppenheim mit dem Bürgermeister einem Mann, der noch einmal eine ganz andere Facette von Beziehung aufzumachen scheint. Wie interpretierst du diese Begegnung zwischen der Autorin und diesem offensichtlich müde gewordenen Mann der Lokalpolitik?

Das, was Theater und Film für mich immer waren, ist: dass ich da drinnen sitze und Mut bekomme, anders zu denken. Mut bekomme, Miseren, die mir beschrieben werden, zu lösen, weil sie mir dort vorgelebt werden. Und das ist für mich Nathalie Oppenheim auch: Ich schreibe euch vielleicht tatsächlich meinen privaten Frust Wort für Wort auf, aber es geht euch einen Scheiß an. Nehmt das und macht was daraus. Und deshalb ist für mich der Bürgermeister eine Figur, die da kommt und ganz einfach sagt: „Das bin ich! Ich weiß gar nicht, was du daraus machst, aber eine dieser, deiner Figuren ‒ das bin ich!“ Und dass einen das so glücklich macht. Und das kennt man sehr wohl auch als Schauspieler/in. Wenn Menschen kommen und sagen: Das, was Sie heute gemacht haben, das hat mir Mut/Lust/Spaß/Freude/Sinn gemacht. Das ist das Wunderbarste, was einem passieren kann. Man weiß nicht, ob es in deren Leben wirklich etwas verändert, man weiß nur, dass man als 15-, als 20-, als 38-Jährige im Theater, im Kino gesessen ist und Geschichten gesehen hat und gedacht hat: „Yeah!“

Im Literaturquiz, bei dem Nathalie Oppenheim fünf Zitate erkennen muss, werden ähnliche Fragen gestellt: Welche Verbindung habe ich als Autorin zu einem anderen Autor, einer Autoren-Haltung, einem Zugang zur Literatur, zum Publikum? Beim Quiz wird ja gerade dieses Verhältnis zwischen Autorin und Leserschaft aufgegriffen.

Man kennt diese Form, einzelne Sätze und Bonmots im Netz, in diversen Foren zu posten, ja. Und auch das ist manchmal hilfreich. Aber eine Figur ist ein Universum. Und ein Zitat, das ist eine Sternsekunde, „vielfach anzuwenden“, sage ich an einer Stelle im Stück. Das ist nicht zu vergleichen. Wenn ich eine Figur, eine Biografie erzähle, muss ich viel berücksichtigen, viel verstehen, viel einatmen. Ich habe auch das Gefühl, dass das Quiz in Nathalies Augen sehr billig ist. Wenn man literaturwissenschaftlich fit ist, kann man die Fragen zwar beantworten, aber was heißt das? Wozu? Ich empfinde das als einen eher sportiven Tanz der Eitelkeiten. Mir persönlich ist aber auch jede Form von Wettbewerb sehr suspekt – wenn nicht gar zuwider –, sodass ich ein Unwohlsein beim Zitate-Raten sehr gut nachvollziehen kann.

Warst du schon einmal in einer Situation, wo man dich eingeladen hat, und du gemerkt hast, dass es bei den Fragen oder im Gespräch plötzlich um etwas anderes geht, als vorab vereinbart wurde?

Bei ein paar Interviews, bei denen ich plötzlich für eine kulturpolitische Diskussion instrumentalisiert wurde, war das sehr wohl der Fall. Ich merkte, dass der Interviewende meine damaligen „Chefs“ in die Pfanne hauen wollte. Womit war ich in dieser Situation konfrontiert? Mit meiner Eitelkeit, möglicherweise mit eigenen niederen Gefühlen, mit meiner Loyalität und mit meinen diplomatischen Fähigkeiten. Und in dieser Situation bin ich dann vielleicht tatsächlich wie eine Nathalie Oppenheim. Es ist natürlich ein Unterschied, ob es um mich geht oder tatsächlich darum, mich zu benutzen, um jemand anderen zu beschädigen. Das macht die Situation nicht einfacher … Meine Enttäuschung bei diesen Interviews war dementsprechend, wenn ich plötzlich gemerkt habe: Es geht hier gar nicht um dich, es geht nicht um Anja Herden, sondern nur um so kulturpolitischen Mist …

Hat die Journalistin Rosanna Ertel ein Ziel?

Die Enttäuschung von Nathalie ist, ganz im Gegensatz zu meiner, ja die, dass sie bemerken muss: Es geht nicht um mein Buch, es geht um mich! Es geht um die Erkenntnis, einer netten Einladung gefolgt zu sein, sich in Sicherheit zu wähnen ‒ und nun einer Situation ausgesetzt zu sein, der man nicht habhaft werden kann. Das ist in beiden Fällen richtig „Horror“. Im Falle der Rosanna Ertel denke ich aber, dass es nicht nur das klassische „Erfolgsbiest“ ist, das Reza hier zeichnen will, sondern dass das schon eine Frau ist, die auf ein interessantes Gespräch gehofft hat. Dass aber ihr Kosmos und ihr Literaturverständnis mit dem von Nathalie einfach nicht zusammengehen, das führt dann zum Konflikt.

Welche Schwäche würdest du bei beiden Frauen sehen?

Eitelkeit. Man erliegt der Naivität einer scheinbaren Provinz, und man fühlt sich dort sicher, weil man glaubt, es geht mehr oder weniger darum, sich von netten, einfachen Menschen ein wenig feiern zu lassen. Und es ist ja auch wahnsinnig kitschig von Nathalie zu sagen: Ich verweigere mich, cool und tough, diesem ganzen Literaturbetrieb, mehr noch, ich verarsche ihn sogar und gehe in die „Provinz“ – und dann dieser eitlen Romantik zu erliegen und dort auf ein System zu treffen, das dem der „großen Welt“ um nichts nachsteht. Das ist der Punkt, den sie nicht berechnet hat. Und dann trifft sie auf diese Frau, die ihr so extrem zusetzt, und stellt fest, dass man dieser Sache – der Deutungsmaschine – nicht entkommen kann. Das ist durchaus ein Horrorszenario für die „empfindsame Seele“, wie Roland sagen würde … Aber dass man Ihre Version des Spiels nicht zur Gänze deuten kann, ist auch eine Qualität, die mich an diesem Stück sehr interessiert. Daher ist das, was Rosanna am Ende sagt, auch so wichtig: Sie möchten, dass ihr Werk rein und ohne Werbung wirkt. Ich glaube, das wünscht sich jeder.

Anja Herden © Prisca Baumann

Anja Herden © Prisca Baumann

 

 

Ihre Version des Spiels

8.10., 19.30 Uhr, 23., VZ Erlaa
11.10., 19.30 Uhr, 22., VZ Donaustadt
12.10., 19.30 Uhr, 22., VZ Donaustadt
16.10., 19.30 Uhr, 21., VZ Großjedlersdorf; 18.30 Uhr: Theatergespräch, freier Eintritt
17.10., 19.30 Uhr, 13., VHS Hietzing
19.11., 19.30 Uhr, 13., VHS Hietzing

weitere Termine hier.

Ankündigung

Anfang 2016 spielt Anja Herden im Volkstheater gemeinsam mit Sebastian Kreyer in dem von ihr und Kreyer gemeinsam entwickelten Abend Was HAT die denn? über die deutsche Soziologin Gerburg Treusch-Dieter. Termine ab Dezember hier.