Menü
 

Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. In dieser Folge lauscht er in der Straßenbahn einem Fachgespräch über Theater ...

Schon lange bin ich nicht mehr mit dem 60er gefahren. Von Speising bis zur Kennedybrücke.

Die Gegend ist mir vertraut, in Hietzing bin ich aufgewachsen. Nicht mehr so vertraut war mir die Art und Weise, wie zwei aufgetakelte Hietzingerinnen neben mir über Theater sprachen:

“Hast Du g’lesen? In den Kammerspielen spielen sie jetzt dieses … dieses Dings … na … ah … jetzt hab ich’s: Vater heißt es. Es geht um … na … fällt mir gleich ein … ah ja: Demenz. Mit dem Steinhauer.”

“Ja, hab ich g’hört, aber ist das nicht eher traurig?”

“Nein, es soll auch lustig sein.”

“Den Steinhauer seh ich eh immer gern!”

“Für den Willi wär das nix, aber wir zwei könnten ja gehen. Weißt, die Kinder haben uns so ein Wahlabo gschenkt, da kann man sich drei Stücke aussuchen. Als letztes hamma g’sehn Käfig voller Narren. Die Leute haben sehr gelacht, mir hat’s auch gefallen, aber der Willi ist den ganzen Abend dagesessen mit versteinertem Gesicht. Er hat’s nicht so mit Männern in Frauenkleidern.”

“Ich kenn nur den Film mit dem Dings … den fand ich gut. Dass man das auch als Theaterstück … naja.”

“Und ins Burgtheater möcht ich, in die Affäre soundso. Lorzin! Jetzt fallt’s mir wieder ein. Mit dem Ofczarek und der Happel. Da geht’s um zwei Männer, die am Morgen aufwachen und glauben … naja … jedenfalls soll das sehr witzig sein. Übersetzt hat es die … na … wie heißt sie … meine ‘Freundin’ …”

“Die Jelinek?”

“Genau. Die. Dass die. Aus dem Französischen. Naja. Wenn sie …”