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Beinahe schon zum Inventar eines Theaters gehört der Publikumdienst, jede/r Zuschauer/in begegnet ihnen, viele kennen sie schon von jahrelangen Theaterbesuchen. Enna Zagorac hat mit Mitarbeiter/innen des Volkstheater-Publikumsdienstes gesprochen und viel über ihre Tätigkeit erfahren.

Mit dem Intendantenwechsel am Volkstheater haben sich im letzten Jahr viele Dinge verändert – neue Schauspieler/innen stehen auf der Bühne, neue Regisseur/innen inszenieren Stücke und viele neue Mitarbeiter/innen gehen im Haus ein und aus. Der Publikumsdienst des Volkstheaters ist jedoch gleich geblieben und betreut das Publikum weiterhin wie bisher.

Die Mitarbeiter/innen des Publikumsdienstes sind die ersten Personen, denen man beim Theaterbesuch begegnet. Sie empfangen die Zuschauer/innen und heißen sie willkommen. Aufgeteilt im Haus kümmern sich 28 Personen darum, dass jede/r Besucher/in entsprechend betreut wird. Der Publikumsdienst gehört zum Theaterbesuch genauso dazu, wie die Schauspieler/innen auf der Bühne. Sie ermöglichen einen reibungslosen Ablauf vor und nach der Vorstellung sowie in den Pausen.

Der Begriff “Publikumsdienst” umfasst eine Berufsgruppe mit vielen verschiedenen Tätigkeiten, die oft als ganz selbstverständlich gelten und nicht bemerkt werden. Billeteur/innen sind wandelnde Informationsstellen und Ordnungshüter. Sie geben Auskunft über die Dauer und den Inhalt des Stückes, führen Gäste zu ihren Plätzen und verkaufen Programmhefte. Sie helfen Zuspätkommenden unbemerkt in den Zuschauerraum und auch bei Störungen während der Vorstellung sind sie zur Stelle. Aus Sicherheitsgründen dürfen zum Beispiel keine Oberbekleidung oder Schirme in den Zuschauerraum mitgenommen werden, deshalb kümmern sich Garderobier/innen darum, dass diese Sachen während der Vorstellung gut aufgehoben sind. Im Dienste des Publikums steht die Betreuung an erster Stelle.

“Man muss vor allem Leute mögen, um diesen Beruf auszuüben”, sagt eine der Billeteurinnen des Volkstheaters. Der Publikumsdienst empfängt und koordiniert oft einige hundert Personen an einem Abend. Besonders langjährige Abonnent/innen und diese Mitarbeiter/innen kennen sich gut und haben im Laufe der Jahre schon freundschaftliche Beziehungen aufgebaut. “Die Abonnent/innen kennen oft unsere Namen. Bestimmte Abonnent/innen kaufen sich immer bei derselben Person ein Programmheft, um noch ein bisschen zu Plaudern. Das gehört bei vielen dazu.” Oft werden diese Gespräche auch privat. Sie handeln manchmal von Enkeln und Krankheiten, aber auch von dem Beruf und Politik. Man ist fast schon ein “Teil der Familie”. Besonders dankbare Besucher/innen bringen immer wieder Süßigkeiten oder andere kleine Geschenke mit. So kennt der Publikumsdienst bestimmte Zuschauer/innen schon sehr gut. “Bei Abonnent/innen weiß man oft, wie sie heißen und wo sie sitzen.“ Der eine geht lieber in Komödien, die andere in ernste Stücke. Herr. A geht meist in den Pausen und schaut sich das Stück an einem anderen Tag fertig an, Frau B. schaut sich jede Vorstellung immer mehrere Male an. Herr C. kommt wegen einer bestimmten Darstellerin immer wieder, Frau D. wegen einem Regisseur. Familie E. sitzt in der Pause immer in der Roten Bar, während Frau F. mir ihrer Enkelin durch den Gang spaziert. “Genauso wie sich das Publikum freut, bekannte Gesichter auf der Bühne zu sehen, so freuen sie sich auch immer wieder, von Menschen, die sie kennen, begrüßt zu werden.”

“Es kann immer etwas passieren.”

In den Pausen und nach den Vorstellungen wird oft über das Stück gesprochen. Die Zuschauer/innen bitten um Vorstellungsempfehlungen für den nächsten Theaterbesuch, sprechen über die beste schauspielerische Leistung des Abends und die Regie. “Am Publikum kann man sofort erkennen, wie die Vorstellung gelaufen ist.” Viele Besucher/innen nutzen die Möglichkeit, um Verbesserungsvorschläge und Stückwünsche für die kommende Saison an die Mitarbeiter/innen weiterzugeben.

So schön das Zusammentreffen der Mitarbeiter/innen und der Gäste sein kann, ist man immer wieder auch in schwierigen Situationen. “Es kann immer etwas passieren. Kein Tag ist wie der andere.” Beispielweise müssen unter Umständen größere Schulklassen, die zu spät kommen, bei laufender Vorstellung noch unbemerkt zu ihren Plätzen gebracht werden. Besonders unangenehm ist es, wenn etwas während der Vorstellung passiert. Manchmal kommt es sogar vor, dass einem Gast während der Vorstellung übel wird. Der Publikumsdienst muss sich sofort um diesen kümmern und die Theaterärztin verständigen, dabei jedoch die Vorstellung so wenig wie möglich stören.

Während der Vorstellung kehrt Ruhe ein. Immer wieder verirren sich Tourist/innen in das Theater, weil sie denken, es sei die Volksoper oder weil sie eine “Tour” durch das Haus machen möchten. Auch als Zufluchtsort vor Regen und Kälte wird das Volkstheater genutzt. Und bisweilen kommen auch verzweifelte Passant/innen auf der Suche nach einem öffentlichen WC hier vorbei.

Die Mitarbeiter/innen des Publikumsdienstes sind gleichzeitig auch die “größten Fans” des Theaters. Immer wieder sitzen sie als Feuerwächter in den Vorstellungen. Die meisten Stücke kennen sie schon sehr gut, bestimmte Szenen sogar auswendig. “Ich bemerke eine Änderung sofort. Oder wenn sich mal jemand verspricht.” Sie erkennen zudem immer wieder lustige Vorfälle, wie zum Beispiel fehlende Requisiten, Lachanfälle oder Textfehler. Auch die Billeteur/innen und Garderobier/innen außerhalb des Zuschauerraumes kennen die Vorstellungen gut. “Ich weiß genau, bei welchem Lied ich aufstehen und alles vorbereiten muss.”

Wenn das Publikum das Theater schon längst verlassen hat, macht der Publikumsdienst seine letzte Runde. “Es bleibt immer jemand von uns in der Roten Bar. Bis die letzte Person geht. Das kann schon ganz schön spät werden.” Davor wird der Haupteingang geschlossen – bis zum nächsten Tag, wenn der Oberbilleteur die Türen wieder öffnen und der Publikumsdienst die Besucher/innen empfangen wird.

Enna Zagorac ist Mitglied der Kommunikationsabteilung des Volkstheaters.