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Wir haben im Spielplan vertretene Autor/innen im Gedenkjahr 2018 um Texte zum Artikel Eins der österreichischen Verfassung gebeten, für welche 1918 die Grundlagen geschaffen wurden: „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ Johannes Schrettle („Planet der Waffen – Zaun und Zeit“) entwirft ein österreichisches Verfassungstheater.

hauptfigur ist der gemeine österreicher A ., der zu beginn der serie seinen job als tierpfleger verliert, weil er in einem sozialen netzwerk seinen berechtigten sorgen über gewisse entwicklungen ausdruck verleiht, stichwort: migration.

A . beginnt darauf hin, sich für politik und geschichte zu interessieren, stichwort: alternative medien, großer austausch. er schließt sich einer bewegung an, die heimat, freiheit und tradition schützt und verliebt sich dabei in karin, eine aktivistin, die allerdings in wirklichkeit für den verfassungsschutz arbeitet.

KARIN, die in wirklichkeit ivana heißt, ist als kind nach österreich gekommen, war als jugendliche drogenabhängig und mitglied des sogenannten schwarzen blocks der antifa, hat dann aber am zweiten bildungsweg die matura nachgeholt und sich bei der polizei beworben. hin und wieder hat sie albträume, in denen die öffentliche ordnung und sicherheit zusammenbricht, das volk von einer fremden macht, die sie nicht richtig einordnen kann, geknechtet und unterdrückt wird. nachdem sie im auftrag ihres abteilungsleiters, des ehemaligen künstlers und werbetexters BOCK (angelehnt an a. heller, aber auch elemente von k. m. brandauer), mehrere staatsfeindliche bewegungen gegründet und ins absurde gewendet hat, schließt sie sich also den neuen rechten an und verliebt sich in A ., aber auch in die bewegung an sich, die gerade dabei ist, eine spektakuläre aktion am dach des bundeskanzleramtes zu organisieren.

der bundeskanzler selbst befindet sich während der ganzen zeit in einer limousine, die durch europa fährt, wobei immer wieder hexen, zwerge und einhörner einsteigen und ihm kurze vorträge darüber halten, was konservativ sein heute heißt.

KARIN/IVANA besucht inzwischen ein treffen der innenverteidiger europas in einem schloss im burgenland, wo sie einen ehemaligen anarchistischen genossen wieder trifft, der mittlerweile als volksmusiker den soundtrack zur rechten wende liefert und ein gefeierter star ist (fiktive figur, die parallel zur serie aufgebaut werden könnte, inkl. single-veröffentlichung: das ende der party).

während des konzertes im burgenländischen schlosskeller sehen wir eine lange rückblende auf ein gespräch zwischen KARIN und ihrem abteilungsleiter, das im wesentlichen vom österreichischen bundesverfassungsgesetz handelt. eventuell könnte man hier budget vom realen landesamt für verfassung lukrieren, stichwort: öffentlichkeitsarbeit, politische bildung.

auch tourismusbehörden bzw. fremdenverkehrsbudgets wären eventuell eine möglichkeit, handlung und schauplätze könnten angepasst werden. der abteilungsleiter erklärt also, dass jede gewalt in diesem land (schnelle bildfolge: anarchistische demonstrationen – ivana als junges misshandeltes mädchen – eine schlägerei bei einem zeltfest – eventuell eine abschiebung*) auf eine willensbildung des volkes zurückgeführt werden kann

… er betont das wort „zurückgeführt“ – wir erkennen jetzt, dass das gespräch zwischen ivana und dem abteilungsleiter auf einem hochsitz im wald stattfindet, der abteilungsleiter einen jägerhut trägt und ein gewehr in der hand hält.

eventuell müsste dann in einer eigenen folge der kampf des abteilungsleiters zwischen linkem engagement, bürgerlichkeit und dem unbedingten wunsch zur radikalität beleuchtet werden, die ermüdung angesichts der ständigen defensive, in der er sich befindet gegenüber den faschisten, die sich gerade in dem schloss treffen. dann wird deutlich, dass es sich um keine rückblende handelt, sondern dass der abteilungsleiter auf eigene faust ein attentat auf die gesammelte rechte elite geplant hat, dass der hochsitz in direkter nachbarschaft zu dem burgenländischen dorf liegt und dass der abteilungsleiter den weg der demokratie, des rechts, und der verfassung verlassen hat. die szene erinnert an die attentatszene in das gespenst der freiheit von luis buñuel, allerdings kann ivana/karin das äußerste verhindern, es kommt zu einem gerangel und beide fallen vom baum. der abteilungsleiter, der gleichzeitig der einzige vorgesetzte ist, der ivanas wahre identität kennt, stirbt, und ivana wird endgültig zu karin, die sich gemeinsam mit axel an die spitze der bewegung setzt, um dem volk zu dienen und dementsprechend nicht alles anders, aber vieles besser zu machen. alternativ wäre auch ein kurzer bürgerkrieg möglich (budget?). *die auswahl der szenen wird selbstverständlich mit dem auftraggeber abgestimmt, bzw. mit der jeweiligen zielgruppe (schulklassen, schubhäftlinge, soldaten etc.)

Johannes Schrettle lebt als freier Autor, Theatermacher und Performer in Graz. Seine Stücke und Inszenierungen waren u. a. am Schauspielhaus Graz, Burgtheater, Schauspielhaus Wien, Schauspiel Frankfurt zu sehen. Im Volx/Margareten feierte sein „rein biologisch produzierter“ Planet der Waffen am 12. Oktober 2018 Premiere.

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