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Beim Spieltriebe-Festival, das von 1. bis 3. Juni im Volx/Margareten stattfindet, werden die Ergebnisse der Spielclubs gezeigt. Was Johanna Habring und Stefan Neumann im Spielclub "Scheiternhaufen" (Leitung: Mona Schwitzer und Benedikt Simonischek) erlebt haben und in welche Richtung es bei der Präsentation am 1. Juni um 18 Uhr gehen wird, beschreiben sie hier.

Wenn wir über unser Leben sprechen, dann kommunizieren wir meistens nur die Erfolgsgeschichten: In unseren Lebensläufen listen wir nur gelungene Unternehmungen, auf Facebook veröffentlichen wir ausschließlich unsere schönsten Fotos von entlegenen Inseln und das letzte Wochenende war sowieso das beste aller Zeiten. Wenn wir mal nicht über unsere Erfolge sprechen, dann meistens nur im Scherz – wenn wir zugeben, dass wir in Mathe früher ziemliche Nieten waren oder dass wir Krieg und Frieden nur bis zur Hälfte gelesen haben (und selbst das ist noch beschönigt). Die existenziellen Themen besprechen wir nach Möglichkeit gar nicht. Wenn doch, dann erst spät am Abend und nicht bevor wir zwei oder drei Gläser Wein getrunken haben; und selbst dann nur mit einem Gefühl von Scham und Minderwertigkeit.

Dabei scheitern wir andauernd. Alle von uns. Jeden Tag! Es ist kein Zufall, dass die weltweit beliebteste Fußballhymne You’ll Never Walk Alone vom Umgang mit Rückschlägen handelt. Sind es nicht sogar häufig die Momente von zerschlagenen Träumen und verfehlten Zielen, die unsere Persönlichkeiten am meisten prägen? Warum tabuisiert unsere Gesellschaft das Scheitern trotzdem?

In unserem Spielclub Scheiternhaufen haben wir uns mit diesen Fragen beschäftigt. Wir haben ergründet wann, wie und weshalb wir gescheitert sind und wieso wir nicht darüber reden. Wir tauschten persönliche Geschichten aus, die wir sonst nur den besten Freund/innen erzählen würden, und so hat sich unter allen Teilnehmer/innen tiefes Vertrauen und echte Freundschaft entwickelt. Für uns ist das Sprechen übers Scheitern eine Chance für Intimität und Zuversicht geworden. Durch die Arbeit in unserem Spielclub haben wir untereinander, aber auch in unserem Stück eine Authentizität des Scheiterns entwickelt. Mit dieser Authentizität wollen wir den Zuschauer/innen bei unserer Aufführung alle Facetten des Scheiterns zeigen, sie an eigene Verfehlungen erinnern und sie davon erlösen. (Stefan Neumann)

Stefan Neumann (ganz rechts) © Elias Callewaert

 

„Überlegt euch bis nächste Woche alle eine Szene über ein gravierendes Scheiter-Erlebnis aus eurem eigenen Leben. Etwas, wo ihr erst mal schlucken müsst, bevor ihr es vorspielt“, hieß es eines Montags im März. Ich schwieg und schluckte, neugierige Nervosität machte sich breit. Wir hatten uns in den letzten Wochen und Monaten viel mit dem Scheitern auseinandergesetzt. Mit dem von Stars, von Bekannten und ab und an mit den eigenen kleinen Tücken des Alltags, über die wir in unseren Teambuilding-Abenden bei einem Bier lachen konnten. Wir hatten jede Woche unsere Schultern gekreist, improvisiert, musiziert und einige Szenen aus unserem Leben auf die Probebühne gebracht, an ihnen gebastelt und gefeilt, experimentiert, bis sie sich echt anfühlten. Aber das hier war etwas anderes.

Der darauffolgende Montag war der einzige ernste Abend, den wir miteinander verbrachten. Die Lockerheit, Verspieltheit und produktive Lässigkeit, die sonst immer in der Luft lagen, waren wie weggeblasen. Wir spielten nacheinander vor, fokussiert und bedrückend nahe an uns selbst. (Johanna Habring)

Johanna Habring © Elias Callewaert