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Steffi Krautz ist ab dem 22. September in "Das Haus am See (On Golden Pond)" auf Volkstheater/Bezirke-Tournee zwischen 1010 und 1230 unterwegs. Ein Gespräch in der Probenpause über den Reiz des 15. Bezirks, neue Kapitel und offenes Streiten.

Veronika Maurer: Steffi, du wirst Wien demnächst ganz gut kennenlernen!

Steffi Krautz: Ja, es gibt tatsächlich noch viele Ecken, die ich nicht kenne. Vor allem viele Orte, die auf dieser Tournee bespielt werden, kenne ich noch nicht.

Ich wohne zwischen der Spielstätte im 15. Bezirk und der VHS Ottakring. In der VHS Ottakring ist es ein Stufensaal mit dreieckiger Bühne unten und im 15. kann man manchmal die Kegelbahn im Keller hören.

Ich habe schon mal eine Tournee gespielt, am Anfang meiner Laufbahn, da waren wir in Nordrhein-Westphalen unterwegs. Wir haben zum Beispiel im Augustinerstift gespielt, einem Altersheim, und in Mehrzweckhallen. Ich habe also ein bisschen Ahnung von diesem Reiz!

Warum fährt Chelsea nach acht Jahren wieder ihre Eltern besuchen?

Weil sich an ihrer persönlichen Situation etwas geändert hat. Sie hat einen Mann kennengelernt, mit dem sie das Gefühl hat, etwas Neues beginnen zu können, und den möchte sie ihren Eltern vorstellen. Sie will etwas beweisen oder über etwas hinauswachsen – oder einfach das große Schweigen beenden. Sie fühlt sich stark genug, ihrem dominanten Vater gegenüber zu treten. Zumindest ist es ein Versuch.

Will sie sich versöhnen?

Nein, das glaube ich eher nicht. Der Schritt in Richtung einer möglichen Versöhnung wird erst durch den entscheidenden Satz der Mutter eingeleitet, die sagt, dass es dem Vater nicht mehr besonders gut geht. Und dann begegnet Chelsea ihrem Vater und sieht selbst, dass er ein greiser Mann geworden ist.

Muss man aufräumen, bevor es zu spät ist?

Wäre besser. Und irgendwann ist man ja auch selber alt genug. Ich finde, ab vierzig muss man aufhören, die Schuld für das eigene verkorkstes Leben den Eltern zu geben. Da kann man das dann mal selber in die Hand nehmen und sehen, wie man das geklärt kriegt.
Vielleicht ist Chelsea genau an diesem Punkt, dass sie merkt, dass ihr Leben mit diesem neuen Mann und der Familie, die da entsteht, nochmal in eine andere Richtung gehen kann. Und sie will nach vorne schauen und neue Kapitel anfangen. Sie ist nicht an dem Punkt, dass sie sagt: Ich muss das klären mit meinen Eltern. Und es kommt ja auch keine große Klärung zustande in dem Stück – aber auf jeden Fall wird eine Tür aufgemacht.

Du hast genau wie Chelsea einen Partner, der einen Sohn hat. Was für ein Verhältnis hast du zu dem Kind?

Naja, erst mal ist man einfach nicht die Mutter, das heißt, dass man die Verantwortung nicht hat und gewisse Sachen nicht machen muss. Es gibt auch nicht dieses komische belastete Verhältnis, das Eltern manchmal zu ihren Kindern haben. Und gleichzeitig ist es aber auch nicht egal – und irgendwie habe ich das Gefühl, dass wir offener miteinander reden und uns auch besser streiten können als man das vielleicht mit Eltern macht. Ich nehme mir raus, zu sagen: Finde ich blöd jetzt gerade, was du machst. Oder: Ok, habe ich mich geirrt, da hattest du Recht. Ich versuche einfach eher ein Freund zu sein, aber trotzdem meine Verantwortung als Erwachsene ernst zu nehmen – und ihn ernst zu nehmen.