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Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. Diesmal er wird im öffentlichen Nahverkehr Zeuge von massivem Mobbing.

In der Wiener U-Bahn wird gemobbt, was das Zeug hält. Unverhohlen, stimmstark. Eine Gruppe Frauen, von der Arbeit kommend, ihre Stimmen:

 

Stimme 1:       Wie sie heute wieder dahergekommen ist.

Stimme 2:       Also ich würde so was nie.

Stimme 3:       Und dann Ihre Antwort auf meine Frage.

Stimme 4:       Unverschämt.

Stimme 3:       Die weiß ja alles besser.

 

Blicke auf eine, die bis jetzt geschwiegen hatte, weil ihr das alles ein wenig peinlich ist. Nach kurzem Zögern flüstert sie, den Gruppendruck und die herausfordernden, aggressiven Blicke der anderen nicht mehr ertragend:

 

Stimme 5: (ganz leise, die Abwesende fast verteidigend) Also, ich bin ihr vor ein paar Tagen …

 

Das Ende ihres Satzes wird von den anderen gar nicht erst abgewartet.

 

Stimme 1:       Genau, ich auch.

Stimme 4:       Was glaubt die eigentlich.

Stimme 3:       Wofür hält die sich?

Stimme 2:       Man müsste wirklich mal.

Stimme 1:       Und was sie heute wieder angehabt hat.

Stimme 4:       Dieses auffällige Rot.

Stimme 3:       Genau, um jeden Preis auffallen will sie.

Stimme 2:       Beim Chef hat es schon gewirkt.

Stimme 1:       Der hat ja keine Ahnung, wie berechnend die ist.

Stimme 4:       Die bleibt nicht lang bei uns.

Stimme 3:       Mir will die sagen, was ich zu tun habe. Bitte, ich habe 35 Jahre Berufserfahrung.

Stimme 2:       So eine fällt sicher hinauf …

Stimme 3:       Mit der Goschn!!

 

Ich glaube, das sogenannte goldene Wiener Herz existiert in Wahrheit nur als Gerücht. Öffnen sich die Ressentimentschleusen, ist der goldene Lack ganz schnell ab.