Menü
 

Seit 1954 macht das Wiener Volkstheater nicht nur Theater für die Wiener Bürgerinnen und Bürger – mit der Volkstheater/Bezirke-Tournee bringt es ausgewählte Stücke auch direkt zu diesen in die Nachbarschaft. Von den ingesamt 19 Spielstätten in Wien ist eine ganz sicher auch in Ihrer Nähe. An dieser Stelle erfahren Sie in Zukunft regelmäßig Geschichte und Besonderheiten dieser Spielstätten.

In gewisser Weise hat man die Wiener Urania dem deutschen Astronomen Max Wilhelm Meyer zu verdanken. Der kam im Jahr 1883 nach Wien, um hier historische und zukünftige Sonnenfinsternisse zu berechnen. Daneben hatte Max Wilhelm Meyer aber auch vor, in Wien eine volksbildenden Institution einzurichten. Weil er jedoch 1885 zurück nach Berlin berufen wurde, wurden seine Pläne 1888 zwar verwirklicht – allerdings in der deutschen Hauptstadt und in Form der Berliner Urania. Nach der griechischen Schutzgöttin der Sternkunde benannt, sollte sie wissenschaftliche Erkenntnisse auch für ein Laienpublikum zugänglich machen.

Nach diesem Vorbild wiederum wurde in Wien 1897 das Syndikat Wiener Urania gegründet. Die Wiener Urania machte sich einen Namen als Volksbildungsinstitut, das immer auf dem neuesten Stand der Technik war: Sie führte als erste in Wien den Projektionsapparat, den Stummfilm und den Tonfilm in der Erwachsenenbildung ein.

1910 bezog die Urania das Gebäude am Donaukanal, in dem sie sich noch heute befindet. Gebaut von Max Fabiani, einem Schüler Otto Wagners, rief das unkonventionelle Bauwerk in Wien einen veritablen Skandal hervor. Schnell jedoch wurde der Bau, was er bis heute geblieben ist: eines der Wahrzeichen der Stadt.

Ab 1910 konnte die Urania so namhafte Professoren, Künstler und Intellektuelle wie Albert Einstein, Thomas Mann, Thomas G. Masaryk oder Max Planck als Vortragende gewinnen. Auch die erste Volkssternwarte Österreichs wurde hier betrieben. In der Zwischenkriegszeit eröffnete die Urania über 60 Zweigstellen in ganz Österreich. Die Zeit des Nationalsozialismus war für sie, wie für so viele Institutionen in Österreich, ein Tiefpunkt: Das Bildungsinstitut wurde vom NS-Regime „gleichgeschaltet“, die führenden Personen ausgetauscht.

1944 wurde das Gebäude bei einem Luftangriff von mehreren Bomben getroffen, die Kuppel und alle astronomischen Instrumente sowie die Uhrenanlage zerstört. Nach der Schlacht um Wien nutzten Truppen der Roten Armee die Ruine als Pferdestall. An Stelle der Außenstellen der Urania entstanden in der Zeit des Wiederaufbaus eigenständige Volkshochschulen, etwa in Döbling, Floridsdorf, Brigittenau, Favoriten, Penzing und Hietzing.

An der Urania selbst entstand in den Nachkriegsjahren das heute legendäre Puppentheater, sie erweiterte ihr Kursprogramm und wurde über die Jahrzehnte zum maßgeblichen Institut für Allgemeinbildung in Wien. Nicht zuletzt ist die Urania schließlich mit 250 Plätzen eine der Spielstätten des Volkstheaters/Bezirke.