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Nach 37 Jahren kehrt der gebürtige Wiener Stefan Suske zurück in seine Heimatstadt – und findet sich an einem vertrauten und zugleich fremden Ort wieder. Hier erzählt er regelmäßig über seine Entdeckungen in einem Wien zwischen gestern und heute. Dieses Mal macht er sich Gedanken über den Mittelgang im Wandel der Zeiten.

Dass manche Wiener/innen stark an Gewohnheiten hängen, wusste ich. Dass sie sich vom Gewohnten ungern verabschieden, ebenso. Aber dass eine an sich äußerst sinnvolle Neuerung wie die ansteigende Tribüne im Wiener Volkstheater aus diesem Grund auf teilweise vehemente Ablehnung stößt, hat mich dann doch überrascht.

Satzfetzen vor und nach einer Vorstellung:

„Wo ist denn jetzt der Mittelgang?“

„Was ham’s denn mit’m Mittelgang g’mocht?“

„Der schöne Mittelgang …“

„Hot des wirklich sein müssen?“

„Wann man jetzt in der Mitt’n sitzt, kann man ja goa nimma gehen, waons am net g’foit!“

Der Mittelgang war also in den Augen so mancher Besucher/innen nicht nur Erleichterung beim Suchen der Plätze, sondern ein veritabler Fluchtweg. Auf die Idee wäre ich so noch nicht gekommen, aber sie klang einleuchtend: tatsächlich kann man sich jetzt nicht mehr halbwegs unbemerkt aus der Vorstellung davonstehlen. Man muss sie absitzen, ob sie einem gefällt oder nicht (außer man will absichtlich stark auffallen und sein Missfallen an der Aufführung öffentlich kundtun, was aber nicht die feine österreichische Art wäre).

Ob der ursprüngliche Plan von Helmer und Fellner, der ja damals schon eine Tribüne vorsah, einen Mittelgang beinhaltete, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber ich höre jetzt schon die Stimmen beim nächsten Intendant/innenwechsel und dem damit verbundenen Umbau des Hauses:

„Wieso hamma jetzt wieda an Mittelgang?“

„Za wos brauch ma den Mittlgang?“

„Woa doch eh schee, die Tribüne!“