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1991 in Nürnberg geboren, ist Nils Rovira-Muñoz seit der Spielzeit 2015/16 fest im Ensemble des Wiener Volkstheaters. Aber auch für den Tanz hat er eine große Leidenschaft, wie er Andrea Heinz im Interview erzählt.

Andrea Heinz: Du hast an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch studiert, arbeitest als Schauspieler – aber Du hast auch eine Begeisterung für den Tanz. Gab es die schon immer?

Nils Rovira-Muñoz: Ich habe, bis ich zwölf war, Leistungssport gemacht. Im Rahmen des Kunstturnunterrichtes mussten wir auch Stunden bei einer Ballettlehrerin nehmen, um unsere Haltung zu verbessern. Da hat sich schon gezeigt: Ich bin der Einzige aus der Gruppe, der versucht, das mit einer gewissen Eleganz zu lösen – während der Rest der Gruppe es eher mit Kraft versucht hat. Später waren die anderen im Vorteil, wenn es um Sachen ging, bei denen man einfach Kraft brauchte. Bei denen habe ich angefangen zu heulen.

Hast Du dir damals überlegt, das weiterzuverfolgen?

Ich war anfangs eher der Meinung: Ballett ist was für Mädels … Ich fing dann an, Theater zu machen und stieß bald auf eine Ausschreibung für so ein Jugend-Tanz-Theater-Projekt – die Anmeldung hab ich versäumt, aber ich hab mir das angeschaut und war total begeistert. Im nächsten Jahr habe ich mich dann rechtzeitig angemeldet, und das war eine super Zeit. Wir hatten acht Stunden die Woche Training, und dann nochmal zwei Wochen blockweise in den Ferien. Damals habe ich begonnen mir Gedanken zu machen, ob das nicht etwas wäre für mich, Tänzer zu werden. Aber dann hat es mit der Schauspielschule geklappt, bevor ich mich irgendwo hätte bewerben können. So bleibt es immer eher ein „Hätte-sein-können“, eine Leidenschaft – und auch eine gewisse Distanz dazu, weil man es nicht professionalisiert hat.

Was hast Du von deinen Tanzerfahrungen mitgenommen für die Arbeit als Schauspieler?

Ich finde es schön zu entdecken: Wie kann man auf der Bühne Körpersprache verbinden mit Theater? Das geht ja auch alles ineinander über, reines Sprechtheater wird immer weniger. Ich habe vom Studium eine große Begeisterung für Texte, für Sprache mitgenommen. Es gibt einfach Sachen, die du mit dem Körper nicht, mit Sprache aber sehr wohl ausdrücken kannst. Aber das gibt es andersrum natürlich genauso, was etwa Gefühle betrifft, die intensiver sind, als man es mit Worten fassen könnte. Pina Bausch hat mal gesagt, Grund dafür, dass sie tanzt, ist die Frage: Wann reichen Worte nicht mehr aus, wann muss man sich anders ausdrücken? Und das hat man am Theater ja genauso. Man macht eine Pause, weil man nicht mehr weiß, was man sagen soll. Es kommt nichts mehr raus – aber was kommt stattdessen?

Kommst Du denn noch zum Tanzen?

Ich habe Blut geleckt, aber ich komme nicht dazu. Es gibt Kurse, aber das kollidiert meistens mit meinen Probenzeiten … Ich hab mir das Workshop-Programm des ImPulsTanz-Festival durchgelesen, das ist ja Wahnsinn, dass die so viele Kurse anbieten mit so vielen unterschiedlichen Dozent/innen aus aller Welt. Leider werde ich wohl an keinem teilnehmen können, weil ich genau in der Zeit nicht in Wien sein werde. Alleine Tanzen ist dann auch nicht dasselbe – und so komme ich leider im Moment eher selten dazu.