Menü
 
© David Leitner / Volkstheater
© David Leitner / Volkstheater
Kunst kennt kein Erbarmen

Alte Meister

von Thomas Bernhard
Bühnenfassung von Dušan David Pařízek
Seit mehr als dreißig Jahren besucht der Musikphilosoph Reger an jedem zweiten Vormittag das Kunsthistorische Museum, um im Bordone-Saal Tintorettos Weißbärtigen Mann zu betrachten – er will an diesem Meisterwerk einen „gravierenden Fehler“ entdecken.

Zwei Herren sind von Regers seltsamer Tätigkeit in den Bann gezogen: der Museumswärter Irrsigler, der Reger seit ebenfalls mehr als dreißig Jahren kunstvoll abschirmt, und der Privatgelehrte Atzbacher, den Reger am Tag der kargen Romanhandlung zu sich bestellt hat. Wie in Thomas Bernhards großen Theaterstücken stehen diese drei in einem wechselseitigen Abhängigkeits- und Übertrumpfungsverhältnis. Der eine ist des andern Sprachrohr – vordergründig geht es um Österreich, um den Staat, die Staatskünstler, die Lehrer, die Burgenländer, um Stifter, Bruckner oder Mahler …

Alte Meister, 1985 erschienen und vom Autor als Komödie bezeichnet, ist ein Text voll Trauer, Wut und Witz und gilt mittlerweile seinerseits als literarisches Meisterwerk. Die Pointen sind grundiert von einem schmerzlichen Verlust – Regers Frau, die er im Bordone-Saal kennengelernt hat, ist gestorben. Unverkennbar ist der autobiographische Bezug: Bernhard schrieb das Buch nach dem Tod der von ihm als „Lebensmenschen“ bezeichneten Hedwig Stavianicek.

Dušan David Pařízek hat sich zuletzt an dem von ihm geleiteten Prager Kammertheater viel mit österreichischer Literatur im Allgemeinen und mit Thomas Bernhard im Besonderen auseinandergesetzt. Auch als Bearbeiter von Prosatexten tat sich Pařízek mehrfach hervor. Seine Bühnenfassungen von Franz Kafka, Robert Musil, Agota Kristof, Max Frisch und Thomas Bernhard liefen am Deutschen Theater Berlin und am Schauspielhaus Zürich sowie auf zahlreichen Festivals.

Erfahren Sie mehr über Alte Meister im Volkstheater-Magazin.

Pressestimmen

„Dusan David Pařízek hat für seine Fassung von Thomas Bernhards Roman einen neuen Tonfall gefunden. Die mondäne Peymann-Ästhetik ist passé: Lukas Holzhausen und Rainer Galke nehmen den ‘Geistesdialog’ physisch-komisch im Sturm.“

Margarete Affenzeller, Der Standard

“Sowohl Galke als auch Holzhausen haben ein ungemein gutes Gespür für den Humor in Bernhardschen Wortkaskaden und Begriffsschöpfungen, vor allem Holzhausens Reger präsentiert genussvoll Worte wie ‘Erhängungsenthusiasmus’ oder ‘Physiognomiemüll’. Für humoristische Einlagen sorgt auch die Regie, die selbstironisch damit kokettiert, dass Galkes Irrsigler so was von nicht burgenländisch klingt. Beide Schauspieler schaffen es, trotz des naturgemäß distanzierten Textes, in manchen Szenen nahezu Zärtlichkeit zu vermitteln.”

Christina Böck, Wiener Zeitung

“Die eineinhalbstündige Vorstellung war großartig. Sie wurde lang und laut bejubelt. Lukas Holzhausen reüssierte als nervös-fragiles Alter Ego Bernhards, als kunstsinniger Musikkritiker Reger. Rainer Galke spielte ebenbürtig den dienstbeflissenen, unterwürfigen und dennoch Macht ausstrahlenden Museumswärter Irrsigler. Ist es eine Komödie. Ist es eine Tragödie? Pařízek beginnt sein Stück als Spaß, als aberwitzige Haupt- und Staatsaktion, entwickelt das Geschehen zur Clownerie, die jedes absurde Theater zieren würde, und endet in der Tiefe.”

Norbert Mayer, Die Presse

“Die beiden Darsteller spielen erstklassig, und Pařízek hat einen spannenden, beklemmenden Theaterabend montiert.”

Guido Tartarotti, Kurier

“Es ist ein geist- und geisterreiches Kammerspiel, das sich da vor den Augen und Ohren eines nach 100 Minuten absolut zufriedenen Premierenpublikums auf der zugegeben für den Rahmen waghalsig großen und beängstigend kahlen Bühne des Volkstheaters entfaltet. (…) Für die Vermittlung dieser ‘Komödie’, so Bernhards Festlegung seines Prosa-Textes, braucht es Schauspieler, die den schmalen Grat zwischen Irrwitz und großem Leid selbstbewusst begehen und sich im Miteinander einig sind. Mit den neuen Ensemble-Mitgliedern Lukas Holzhausen als Reger und Rainer Galke als Irrsigler steht nun wohl die Idealbesetzung auf der Bühne.”

Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung