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© annette rollny | www.fokus-design.com
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Brooklyn Memoiren

von Neil Simon
Deutsch von Ursula Lyn
Brooklyn 1938: Seitdem die verwitwete Blanche mit ihren Töchtern bei ihrer Schwester Kate und deren Familie eingezogen ist, teilt sich die siebenköpfige Familie ein beengtes Zuhause.

Der räumlichen Knappheit wird mit Großmütigkeit begegnet und auf Alltagswidrigkeiten mit Zusammenhalt reagiert – doch die Armut wirft immer wieder Zunder in schwelende Konflikte. Und die Angewiesenheit aufeinander schlägt Funken.
Die sechzehnjährige Nora träumt vom Tanzen und von finanzieller Autarkie; Laurie leidet an Herzflattern. Der achtzehnjährige Stanley verspielt seinen Lohn, den die Familie zum Überleben braucht. Kate, das so fürsorgliche wie bestimmende Zentrum der Familie, drängt ihre Schwester Blanche sanft zurück auf den Heiratsmarkt. Vater Jack versucht mit zwei Jobs die Familie über Wasser zu halten und verliert den Mut nur angesichts der Nachrichten aus Europa, wo der Faschismus immer mehr Menschen in die Flucht treibt. Und Eugene, der pubertierende Sohn, erhält als rebellisch-heiterer Chronist das Familienleben für die Nachwelt – in seinen Memoiren, den “unglaublichen, phantastischen und intimsten Gedanken des Eugene Morris Jerome, aufgezeichnet in diesem, seinem fünfzehnten Lebensjahr, anno domini 1938, zu Brighton Beach, New York.”

Der vielfach ausgezeichnete amerikanische Dramatiker und Drehbuchautor Neil Simon erinnert sich in “Brooklyn Memoiren” an seine eigene Kindheit zur Zeit der Großen Depression und des nahenden Kriegs. Mit seinem Porträt einer Familie in prekären Umständen schafft er ein Plädoyer für Humor und Solidarität.


mit Rainer Galke (Jack), Anja Herden (Kate), Katharina Klar (Laurie), Kaspar Locher (Stanley), Nils Rovira-Muñoz (Eugene), Seyneb Saleh (Nora), Birgit Stöger (Blanche)

Pressestimmen

“Das ist der Clou der Inszenierung: Zervoulakos breitet die Gegenwart mit all ihren Errungenschaften (Smartphone, Fernbedienung etc.) aus und schreibt das Jahr 1938 drüber. Die größte anachronistische Pointe ist das Handycambild, mit dem Sohn Eugene die Aufzeichnungen protokolliert, und das im Insert das Datum 24. 09. 1938 trägt. Dieses lockere Ineinanderschieben der Zeiten hat den Effekt, dass Armut und Migration zwar ganz im Heute lesbar werden, aber mit Verweis auf die historische Dimension, auf eine Zeit, als Europa ein Auswandererkontinent war.”

Margarete Affenzeller, Der Standard

“Zervoulakos versteht sich auf Personenführung. Das Spiel ist exakt einstudiert, mit ähnlicher Präzision hat der Regisseur die Figuren konturiert, mit Gespür für die Eigenheiten der Mimen wie ihrer Charaktere. Rainer Galke gibt den leidgeprüften Familienvater, der nach dem Einzug der Verwandten sieben Leute ernähren muss – mithilfe seines Sohns Stanley (Kaspar Locher), der lieber Frauen beglücken und pokern würde. Das aber erlaubt Mutter Kate (Anja Herden) keineswegs. Birgit Stöger entzückt als noch junge Witwe Blanche, die zwischen Selbstmitleid und neuer Hoffnung auf einen Galan schwankt und sich im selbst genähten Goldkleid präsentiert. Fast noch liebevoller zeichnet Katharina Klar den anarchischen Backfisch Laurie, dabei sieht man gar nicht viel von ihr, denn ihr Haar verdeckt, wie das Pubertierende so gern haben, ihr Gesicht.”

Barbara Petsch, Die Presse