Menü
 
© Stefanie Hintersteiner / Volkstheater
© Stefanie Hintersteiner / Volkstheater
Ich bin es.

Das Missverständnis

von Albert Camus
Übernahme vom Schauspielhaus Graz
Spiel mit Schauspieler/innen und Puppen
Man kann im Vergessen nicht glücklich sein. Von Unruhe getrieben kehrt Jan zurück in seine Heimat, die er vor zwanzig Jahren verlassen hatte.

Unter falschem Namen mietet er sich in dem von Mutter und Schwester geführten verlassenen Gasthof ein. Zunächst will er die Verhältnisse aus der Deckung beobachten, um empfinden zu können, ob und was ihm Heimat und Familie bedeuten. Aber der Prozess des Erkennens gerät zum kommunikativen Missverständnis. Jan weiß nicht, dass die beiden Frauen ihre Existenz mit Raubmord an Alleinreisenden bestreiten. Längst haben sie alle moralischen Skrupel abgelegt. Gewohnheit beginnt beim zweiten Verbrechen. Und „was man nicht kennt, ist leichter zu töten“. In seinem dreiaktigen Drama, uraufgeführt 1944 im besetzten Paris, behandelt Camus die Frage von Heimat und Exil mit der Wucht einer antiken Schicksalstragödie. Darin setzt er der Vernichtungskraft Europas die Vision einer freien menschlichen Existenz entgegen; Synonym dafür ist das Land am Meer.

Der in Graz geborene und in Wien ansässige Musiktheaterregisseur und Co-Direktor des Schubert Theaters Nikolaus Habjan perfektionierte die Kunst des Puppenspiels bei Neville Tranter. Inzwischen stehen zahlreiche, zum Teil preisgekrönte Inszenierungen von und mit ihm in Wien und anderen österreichischen Städten auf den Spielplänen. Das Missverständnis übersiedelt nach einer erfolgreichen Vorstellungsserie am Schauspielhaus Graz an das Volkstheater.

 

Erfahren Sie mehr über Das Missverständnis im Volkstheater-Magazin.

  • SO 09. OKT 2016 19.30 - 21.00 Kaufen
    with English supertitles, avec surtitres en francaisWiederaufnahme
Weitere Termine in Planung

mit Nikolaus Habjan (Martha/Der alte Knecht), Florian Köhler (Jan/ Der alte Knecht), Seyneb Saleh (Maria/Die Mutter/ Der alte Knecht)

Pressestimmen

Das Missverständnis lässt wie kein anderes Stück in diesem Wiener Theaterherbst die Dämonen los. Die Inszenierung, an Stummfilmzeiten gemahnend, handelt mit Behauptungen des Grusels, die mit leibhaftigen Schauspielern allein heute kaum mehr zu halten wären. (…) Nikolaus Habjan, der Puppenbauer und -spieler vom Schuberttheater, der schon Jelinek- und Shakespeare-Lookalikes für das Burgtheater kreiert und geführt hat, trifft mit seinem Konzept voll ins Schwarze. Es gelingen ihm mit filigranen Bewegungen im Zusammenspiel von Puppen- und Schauspielerkörper nicht nur bezwingende Interpretationen eines kaputten Lebens, sondern auch bildnerische Meisterstücke: (…).“

Margarete Affenzeller, Der Standard

„Mithilfe der Schauspieler, die nach Auftritten als Jan und Maria bald auch die Puppen bedienen, scheint Habjan zaubern zu können. Diesen dunkel gekleideten Figuren mit ihren verzerrten Masken, dem starren Blick und dürren Fingern wird Leben eingehaucht. Der Mund dieser Puppen klappt auf und zu, ihre Gesten sind sparsam, doch man bildet sich ein, ein komplexes Mienenspiel zu sehen.“

Norbert Mayer, Die Presse

„Die Gestalten, die der junge Grazer kreiert und auf der Bühne führt, sind trotz ihrer vermeintlichen Starre zutiefst berührend. Sie können alles ausdrücken. Liebe, Hoffnung Schmerz. Nichts ist so abgründig wie ein Gesicht, in das sich alles hinein interpretieren lässt.“

Barbara Mader, Kurier

„Nikolaus Habjan ist für seine Interpretation von Camus’ Drama Das Missverständnis am Grazer Schauspielhaus für den Nestroy-Preis nominiert. Die erstklassige Produktion ist derzeit am Volkstheater zu sehen. Von Menschen geführte ‘Klappmaulpuppen’ formiert Habjan zu einem grandiosen Ensemble und spielt selbst mit.“

Susanne Zobl, News

„Die starren, grellweißen, fratzenhaft verzerrten Klappmaul-Gesichter haben beinahe etwas Magisches und suggerieren, dank der hervorragenden Lichtregie (Viktor Fellegi) und der Gebärden der Schauspieler, auch mimische Ausdruckskraft.“

Hilde Haider-Pregler, Wiener Zeitung

„Die Stars dieses Abends sind die Puppengesichter, die Habjan direkt aus dem Text geschnitzt zu haben scheint, außerdem Brossmanns raumgreifender Bühnenbau mit Puppenhaus, die drei perfekt eingesetzten Stimmen und der ruhige Fluss der Erzählung. (…) So unbefangen und schön, dass nur zu sagen bleibt: Hingehen!“
Falter