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© Laura Schaeffer / Volkstheater
© Laura Schaeffer / Volkstheater
Ibillimutter
Uraufführung

Das Wechselbälgchen

von Christine Lavant
Bühnenfassung von Maja Haderlap
Spiel mit Schauspieler/innen und Puppen
Karten bis 3 Tage vor der Vorstellung: +43 (0)1 52111–400 bzw. ticket@volkstheater.at und an der Tageskassa sowie am Vorstellungstag an der Abendkassa.
Es spricht nur drei Worte, das uneheliche Kind der einäugigen Kuhmagd Wrga. Und die drei Worte hat es beim Spielen mit den anderen Keuschenkindern aufgeschnappt. „Ibillimutter“ („Ich bin die Mutter“) ist die zärtliche wie trotzige Selbstbehauptung der kleinen Zitha, von der so mancher im Dorf meint, böse Geister hätten sie der Magd als Wechselbalg untergeschoben.

Wundergläubig ist auch der Knecht Lenz. Getrieben von der Hoffnung auf ein besseres Leben war er über die gläsernen Berge, die Karawanken, gekommen.

Ein Traum hatte ihm bedeutet, eine Frau mit Glaskopf würde ihm zu Reichtum und Anerkennung verhelfen. Und wer anders könnte das sein als Wrga mit dem strahlenden Glasauge? Die wäre ja nicht abgeneigt, Lenz zu freien, zumal sie erneut ein Kind unter dem Herzen trägt, aber seine Bedingung kann sie nicht akzeptieren: Der Wechselbalg solle ins Wasser zurück, aus dem er gekommen sei. Um nichts würde Wrga ihr Kind hergeben. Als Lenz zu einer teuflischen List greift, beweist Zitha selbst mütterliche Instinkte.

Die aus dem Lavanttal stammende Kärntner Dichterin Christine Lavant (1915–1973) macht in ihrer zwischen 1945 und 1946 geschriebenen Erzählung die Lebenswelt eines jener Menschenkinder erfahrbar, die gerade eben noch als „unwert“ klassifiziert und der Vernichtung ausgesetzt waren. Maja Haderlap, eine andere große Dichterin aus Kärnten, besorgt die Dramatisierung der archaisch anmutenden Erzählung, sodass am Volkstheater erstmalig ein Stoff von Lavant auf die Bühne kommt. Außerdem plant das Volkstheater eine Sonderveranstaltung, zu der Das Wechselbälgchen im Haupthaus gezeigt wird.

 

Mehr über Das Wechselbälgchen und Christine Lavant erfahren Sie im Volkstheater-Magazin.

Pressestimmen

“Märchenhaft und mystisch bringt Habjan den von Sagen, Sozialhistorie und Lavants eigener, von Krankheit gezeichneter Biografie gespeisten Text auf die Bühne. Bravourös gelingt das zum einen wegen der für ihn typischen Ergänzung des tollen Ensembles durch Masken bzw. Puppen. Herzzerreißend hat er Zithas Gesichtchen modelliert, düster dagegen die Maske der Schwundbäuerin. Zum anderen beeindruckt Brossmanns visuell und funktional durchdachtes Bühnenkonzept, in dem sich unzählige starke Bilder in Szene setzen lassen.”

Michael Wurmitzer, Der Standard

“Fantastisch wirken in dieser Aufführung vor allem die Episoden, in denen die vier Darsteller als Puppenspieler agieren – dann sieht man tatsächlich eine Gruppe Kinder herumtollen, sieht, wie sie Zitha das Sprechen beibringen wollen.”

Norbert Mayer, Die Presse

“Die Schluss-Szenen sind schrecklich und zart zugleich und gehören zum Besten, was derzeit im Theater zu sehen ist. Das Ensemble rund um Seyneb Saleh spielt sehr gut.”

Guido Tartarotti, Kurier

“Die Kärntner Literatin Maja Haderlap hat den gnadenlosen Text subtil, behutsam und beklemmend dramatisiert, der geniale Puppenspieler Nikolaus Habjan zieht bei diesem Auftragswerk des Wiener Volkstheaters virtuos die Fäden und führt auch Regie. (…) Mit der exzellenten Seyneb Saleh als Magd im Zentrum einer Exkursion in Lavants Denkwelt. (…) Ein düsteres Theatererlebnis, wertvoll, lohnenswert.”

Werner Krause, Kleine Zeitung

“Die Magie der Puppenszenen ist gewaltig, das Geschehen schwingt sich in ihnen sofort zu der dem Text eigenen irrationaler Grausamkeit auf. (…) In den Außenbezirken aber findet zum zweiten Mal in Serie – nach Stefanie Reinspergers atemberaubenden Handke-Monolog – das spannendste Theater Wiens statt.”

Heinz Sichrovsky, News