Menü
 
© David Mathews / Volkstheater
© David Mathews / Volkstheater
Ihr seid verdammt.
Uraufführung

Der Marienthaler Dachs

von Ulf Schmidt
Zuletzt stirbt endlich die Hoffnung
Mit dem Volkstheater-Ensemble und einem Chor von Arbeitslosen aus Wien
Mit freundlicher Unterstützung der Arbeiterkammer Wien
In dem Gewinnerstück des Heidelberger Stückemarkts 2014 analysiert Ulf Schmidt in einer vielschichtigen Parabel die Zusammenhänge von Arbeits-, Wirtschafts- und Finanzwelt im Mikrokosmos eines fiktiven Marienthal.

Zwischen dem Haus Bank-Rott, dem Marktplatz und der Nord- und Südbank lungern Arbeitslose aller Altersgruppen. Vater Staat ist konzeptionslos, denn Mutter Konzern schafft es nicht mehr, die Wirtschaft anzukurbeln. Beider konsumversessene Tochter Gesellschaft kommt ihren Verpflichtungen nicht nach, der Kleine Mann bleibt auf der Strecke. Während die Haustiere so mancher braver Bürger/innen in fremden Suppentöpfen verschwinden, macht das Milchmädchen mit dem Herrn Knecht ihre eigene Rechnung. Es gibt keine Arbeit mehr, dabei haben doch alle im einstmals so glücklichen Marienthal ihren Selbstwert daraus bezogen. Die Schuldigen für die Misere stehen rasch fest, denn den Josefstalern jenseits der Grenze war noch nie zu trauen. Bald werben rivalisierende Heilsbringer um politische Anhängerschaft. Und in seinem Turm, hoch über allen, thront der Dachs, dem die Marienthaler bedingungslos ihre Opfer bringen. Zwar spricht er nur durch sein Medium zu ihnen. Aber die nervöse Befindlichkeit des Da(x)es dirigiert das öffentliche Leben.

Der deutsche Dramatiker, Blogger und Digitalberater Schmidt konzipierte das böse Märchen als begehbare Installation. Regisseur Volker Lösch, der in vielen seiner politisch brisanten Arbeiten im deutschsprachigen Raum die Spezifik sozialer Gruppen untersucht, filtert daraus eine Analogversion mit Schauspieler/innen und einem Laienchor aus Wiener Arbeitslosen.

Erfahren Sie mehr über Der Marienthaler Dachs im Volkstheater-Magazin.

  • Bühne Carola Reuther
  • Kostüme Teresa Grosser
  • Chorleitung Christine Hartenthaler
  • Licht Paul Grilj
  • Dramaturgie Heike Müller-Merten
  • Chor Roland Cerwenka, Michael Fomin, Stefanie Frauwallner, Max Goritschnig, Markus Gutfreund, Manuela Hauer, Ruth-Luisa Herzog, Suzie Lebrun, Imke Nachbaur, Magdalena Plöchl, Renata Prokopiuk, Andreas Radlherr, Susanne Rendl, Regina Schindelegger, Karl-Josef Schober, Katrin Sippel, Georg Franz Wendel, Christian Wintersperger, Stefan Wurmitzer

mit Gábor Biedermann (Medium), Haymon Maria Buttinger (Opa Rosemarie), Thomas Frank (Der kleine Mann), Günter Franzmeier (Vater Staat), Sebastian Klein (Herr Knecht), Steffi Krautz (Siegrid aus Hagen), Evi Kehrstephan (Milchmädchen), Kaspar Locher (Hauptmann Bleibrecht Weber), Lilly Prohaska (Oma Gustav), Nadine Quittner (Tochter Gesellschaft), Claudia Sabitzer (Mutter Konzern), Martin Schwanda (Bürgermeister Dieter Oben), Jan Thümer (Andi Arbeit), Martin Esser (A3), Wolf Danny Homann (A1), Niklas Maienschein (A4), Dominik Puhl (A2)

Pressestimmen

“Im Wechsel mit dem 17-köpfigen, stark besetzten Schauspielerensemble werden die von Kündigung, Arbeitsamt, Autonomieverlust und sozialem Abstieg erzählenden Erwerbslosigkeitsbiografien der Laiendarsteller (die AK Wien unterstützt das Projekt) zum beglaubigenden, bekräftigenden Faktor der zugespitzten und ansonsten vielleicht etwas einseitig daherkommenden Dialogtexte. (…) Aber sind die berichteten Erlebnisse der Arbeitslosen nicht oft noch perfider? (…) Lösch hat mit seiner Inszenierung der sprachgewaltigen Vorlage eine Art Wirtschafts-Piefkesaga auf die Bühne gebracht. Laut, grell und nervös, ist der Abend eine dreieinhalbstündige, fordernde Anklage.”

Michael Wurmitzer, Der Standard

“Von Regisseur Volker Lösch werden 20 real Arbeitslose zur Schau gestellt. ‘Jede Arbeit ist besser als keine’, stimmen sie an, erzählen in kleineren Gruppen davon, wie sie nicht mehr ins System gepasst haben, abgebaut, durch billigere Arbeitskräfte ersetzt wurden. Burn-out. Depression. Passivität. Ihr Auftritt rührt, er ist authentisch.”

Norbert Mayer, Die Presse

“Am stärksten sind die Testimonials der Arbeitslosen selbst: Ihre Berichte gehen unter die Haut.”

Barbara Mader, Kurier

“Lösch hantiert an sich virtuos mit der Mischung aus harter Realität, indem er dem Publikum den Einblick in zeitgenössisches prekäres Leben zumutet, und greller Revue, in der jeder und jede sich zu verkaufen sucht.”

Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung

“Das Stück aber lebt vor allem davon, dass alles was gesagt wird, als Äußerung für die persönliche Beziehung der Figuren untereinander verstanden werden kann oder aber als Sprachform der Finanzmarktrhetorik, als Kapitalismusjargon identifiziert wird. Das ist über weite Strecken witzig und wird durch die comichafte Überzeichnung der Figuren von Lösch ins Groteske gesteigert.”

Patric Blaser, Die Furche