Menü
 
© David Schermann / Volkstheater
© David Schermann / Volkstheater
Ich will sein, der ich bin, ich.

Der Menschenfeind

von Molière
Übersetzung von Jürgen Gosch und Wolfgang Wiens
Der Heißsporn und selbsternannte „honnête homme“ Alceste vertritt seine Meinung mit Nachdruck: Man muss unter allen Umständen die Wahrheit sagen. Doch das gesellschaftliche Parkett ist glatt, und jede aufrichtige Äußerung gleicht einem Tritt ins Minenfeld.

Nicht zufällig wählte Molière für seine 1666 uraufgeführte Komödie Le Misanthrope den Untertitel L’Atrabilaire amoureux – Der verliebte Melancholiker. Denn wie die meisten Protagonisten des französischen Dramatikers, der die Rolle anlässlich der Uraufführung auch selbst spielte, ist Alceste eine gespaltene und damit überaus moderne Figur. Ein Verliebter – doch weit entfernt von den Rhetoriken der Liebe gegenüber der von ihm verehrten jungen Witwe Célimène. Ein Idealist – und gerade deshalb kein Freund seiner Mitmenschen oder gar der Gesellschaft und ihrer Regeln: „Wer nicht die Gabe hat, seine Gedanken zu verstecken, hat hierzulande sehr wenig zu suchen.“ Das wird deutlich, als ihm der selbstverliebt-verliebte Oronte dessen Sonett Die Hoffnung vorträgt, um damit Alcestes Wertschätzung und Freundschaft zu gewinnen. Die Folgen aus Alcestes nur allzu harscher Kritik am Text: Feindschaft und Gerichtsverhandlung. Philinte, Alcestes ständig um Vermittlung bemühter Freund, drängt ihn, sich den neuen Zeiten anzupassen und „nicht als Weltverbesserer die Welt zu hassen“. Doch Alceste lehnt dies konsequent ab, verstrickt sich im Laufe der Ereignisse in immer mehr Konflikte und ist zuletzt der „Menschenflüchtling“, für den einzig die Einsamkeit noch lebbar scheint.
Der junge österreichische Regisseur Felix Hafner, der zuletzt mit seiner Inszenierung der österreichischen Erstaufführung von Thomas Köcks Stück Isabelle H. (geopfert wird immer) im Volx/Margareten für Aufmerksamkeit sorgte, wirft einen frischen Blick auf den Komödienklassiker.

 

Mehr über Der Menschenfeind erfahren Sie im Volkstheater-Magazin.

  • DI 18. APR 2017 19.30 - 21.10
    Kaufen
    mit englischen Übertiteln/with English supertitles
Weitere Termine in Planung

mit Rainer Galke (Oronte), Lukas Holzhausen (Alceste), Evi Kehrstephan (Célimène), Sebastian Klein (Philinte), Kaspar Locher (Acaste), Nadine Quittner (Éliante), Nils Rovira-Muñoz (Clitandre), Mario Schober (Gardist), Birgit Stöger (Arsinoé), Günther Wiederschwinger (Dubois)

Pressestimmen

Es schickt sich (…) nicht, den anderen die Wahrheit ins Gesicht zu sagen. Aber einer, Alceste (Lukas Holzhausen), tut dies um jeden Preis.  Er kann es sich zum Beispiel nicht verkneifen, das Sonett eines verliebten Poeten gründlich zu schmähen. Jeden bitterbösen Vokal seines vernichtenden Urteils poliert er extralang und gelehrig heraus. Indes hätte der arme Dichter (Rainer Galke) sein Innerstes sogar zur Kassettenrekordermusik inbrünstig nach außen gekehrt. Ein schauspielerisches Juwel wie dieses ist ebenso das giftig anschwellende Wortgefecht von Célimène (Evi Kehrstephan) und ihrer “Freundin” Arsinoé (Birgit Stöger), in dem Punschkrapferln eine Rolle spielen. Volkstheater, du hast fabelhafte Spieler! (…)Wie viel Zutrauen Hafner in das Theater hat, wie scheinbar leichthändig es ihm von der Hand geht, zeigt diese puristische Inszenierung.

Margarete Affenzeller, Der Standard

“Dem jungen Regisseur Felix Hafner ist mit seiner erstklassigen Inszenierung von Molières Der Menschenfeind im Wiener Volkstheater etwas Außergewöhnliches gelungen: Der Nachweis, dass man auch intelligent, zeitgemäß, temporeich, amüsant und charmant Komödie spielen kann. (…) Lukas Holzhausen und Evi Kehrstephan spielen das brillant. (…) Fazit: Felix Hafner gelingt es, eine höchst unterhaltsame, kluge Komödie zu inszenieren, die dem Publikum dennoch nie die Erkenntnis ‘Wir sind gemeint’ erspart. Völlig zu Recht ganz großer Jubel!”

Guido Tartarotti, Kurier

„Molière wird der Satz zugeschrieben: ‘Wer so spricht, dass er verstanden wird, spricht immer gut.’ Lukas Holzhausen ragt als Menschenfeind weit über dieses Kunstminimum hinaus. Ein exzellenter Sprecher. Ergreifend schön auch, wenn er verstummt, sich sprachlos windet, den Wahrheitsdrang wie einen Schluckauf zu unterdrücken versucht. Kein Intellektuellengesicht, auch in der Rechthaberei ein Leidender, Überforderter. (…) Evi Kehrstephan zeigt weit mehr als ein wechsellaunisches Partygirl. Wahre Anmut, nicht bloß Charme. Eine Lichtgestalt, der man zutraut, dass sie einen Ego-Überstarken für sich erwärmt. Ein süffisantes Solo liefert Birgit Stöger als bigotte, korrupte Sittenpolizistin Arsinoé.“

Hans Haider, Wiener Zeitung

„Gesprochen wird klar und präzise. Mit Mimik und sparsamen Gesten wird große Komik mit größtem Ernst erzielt. Und gespielt wird fabelhaft. Lukas Holzhausen grantelt als menschenfeindlicher Alceste mit Zurückhaltung, der es versteht, seine Emotionen an die Kandare zu nehmen. Gelungen sind die Dialoge mit Célimène, die Evi Kehrstephan als undurchschaubare, kühle, durchtriebene Blondine zeigt. Birgit Stöger leiht der verklemmten, bigotten Arsinoé eindrucksvoll Gestalt. Das Glanzstück der Aufführung ist Rainer Galkes Auftritt als Dichter Oronte, wenn er sich als Poet zu den Gitarrenklängen eines Kassettenrekorders in Szene setzt. Sebastian Klein gibt den klugen Philinte in jeder Hinsicht überzeugend. Im präzise geführten Ensemble ergänzen Nadine Quittner, Nils Rovira-Munoz und Kaspar Locher vorzüglich. Da fehlt nichts.“

Susanne Zobl, News