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Der Weibsteufel

von Karl Schönherr
An der Grenze blüht das Geschäft. Hier lebt ein Schmuggler mit seiner Frau. Ein gerissener Fuchs, den man bisher nie zu fassen kriegte. Doch ließe er sich fangen, wenn man seine Frau gefügig machte?

Ein junger Grenzjäger meldet sich freiwillig, den ungewöhnlichen Auftrag auszuführen. Eine Frau zu verführen und auszuhorchen, sei doch schließlich keine Kunst. Doch ahnt er nicht, dass die beiden, dort oben auf dem Berg, längst vom geheimen Vorhaben wissen – Informationen und Waren wechseln hier schneller den Besitzer, als man unten im Dorfe ahnt. Der Schmuggler schmiedet einen perfiden Plan: Die Frau soll auf sein Werben eingehen, ihn einwickeln, bis die ganze illegale Fracht aus dem Keller geschafft wurde – der Traum vom teuren Eigenheim am Marktplatz scheint zum Greifen nah. Beide Männer wähnen sich ihres Planes sicher. Doch haben sie ihre Rechnung ohne die Frau gemacht. Sie spielt ihr eigenes Spiel, nach eigenen Regeln, mit einem klaren Ziel vor Augen.

Karl Schönherr galt zu seiner Zeit als wichtigster österreichischer Dramatiker neben Arthur Schnitzler. Der Weibsteufel, eine Art Tiroler Alpenwestern, zählt zu Schönherrs meistgespielten Stücken und wurde mehrfach verfilmt. Nachdem es bereits in den 80er- und 90er-Jahren für die Bezirke inszeniert wurde, widmet sich nun die Schweizer Regisseurin Christina Rast dem Stoff.


mit Christian Clauß (Ein junger Grenzjäger), Katrin Grumeth (Weib), Lukas Holzhausen (Mann)

Pressestimmen

„Regisseurin Rast spielt mit den archetypischen Klischees des Stücks und blättert sie auf. (…) Die Figuren scheinen sich selbst entfremdet. Was hier wahres Begehren und was nur Spiel ist, weiß man bis zum Schluss, wenn das fadenziehende Weib ihr Ziel (…) erreicht hat, nicht. Im Rahmen von „Volkstheater in den Bezirken“ wurde das Drama schon zwei Mal zuvor inszeniert. Nun geht Der Weibsteufel erneut auf Tour, dieses Mal in einer ausgezeichneten und humorvollen Version.“
Sara Schausberger, Falter

„Christina Rasts unaufdringliche, aber umso eindringlichere Inszenierung (…)“
Sonja Harter, APA

„1914 (…), als Karl Schönherr sein Stück Der Weibsteufel schrieb, war die patriarchale Geschlechterhierarchie noch unumstößlich. Christina Rast macht (…) indes deutlich, wer hier die Fäden in der Hand hat. Sie inszeniert das Hochgebirgskammerspiel als famoses trockenes Eheendzeitdrama.“
Margarete Affenzeller, Der Standard

„Im Volkstheater in den Bezirken hat Christina Rast Karl Schönherrs einstiges Skandalstück konzentriert und klug inszeniert. (…) Die Frau wird benutzt. Wenn sie an die Wand lehnt, tauchen zum Beispiel Hände zwischen den Stoffbändern auf, betasten sie ungeniert. Aber sie weiß sich zu wehren. Beim Stampfen zu einem Tango ahnt man: Das wird ein Totentanz. Schon kredenzt sie den Männern Schnaps in Fülle, stachelt sie zum Zweikampf an. Kurz tragen die drei noch in einer bizarren Szene Vogelköpfe. Ein Machtkampf von Adler, Rabenvieh und Geierfrau. Die setzt sich schließlich durch, mit Waffen, die man ihr aufgedrängt hat. Lang anhaltender, verdienter Applaus.“
Norbert Mayer, Die Presse

„Was Christina Rast (…) erzählt, ist die Geschichte einer Emanzipation. Und so ist ihre Weibsteufel-Aufführung auch der Abend der Karin Grumeth. Wie eine Urgewalt sprengt sie die männlichen Konfliktzonen, entledigt sich der ihr zugedachten Projekte und Begierden, dreht den Spieß einfach um, wird von der „Aufpulverin“ zur Manipulatorin. Eine fulminante schauspielerische Leistung (…). (…) wunderbar, wie Holzhausen, Clauß und Grumeth all die falschen Töne richtig treffen, wie sie, durch Männerfantasien entfesselt, in die Hitze gerät, wie die Männer einander lauernd umringen, um die Chance zum Zuschlagen als jeweils erster wahrzunehmen.“
Michaela Mottinger, Mottingers Meinung