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Don Karlos

von Friedrich Schiller
mit englischen Übertiteln
Nicht nur am spanischen Hof, sondern im ganzen Land herrscht Stillstand. König Philipp II. vermag sich nur mit absoluter Gewalt an der Spitze des Imperiums der Christenheit zu behaupten. Jede oppositionelle Regung wird im Keim erstickt.

Das Eintreffen des Freigeistes Marquis Posa bringt, wie eine Billardkugel, Bewegung ins Spiel. Er hat die Schrecken der blutigen Glaubenskriege, die Europa überziehen, unmittelbar erlebt und will sich nicht abfinden mit der Apathie, die jeden Gedanken an Veränderung lähmt. Er hofft, seinen Jugendfreund Don Karlos, Sohn des Imperators, zum Reformer aufzubauen, damit dieser die Flandrischen Provinzen in ihrem Freiheitskampf unterstützt und den Terror und die fundamentalistischen Machtkämpfe beendet. Anstelle eines engagierten politischen Aktivisten findet Posa jedoch einen depressiven, verstörten Mann vor, dem sein Vater nicht nur jede Liebe, sondern auch den Zugang zur Macht verwehrt. Zuletzt hatte König Philipp die Verlobte seines Sohnes aus machttaktischen Erwägungen gleich selbst geehelicht. Ganz Stratege setzt Posa alles auf eine Karte und verbündet sich im Interesse der großen Sache mit der Macht. Doch, aufgeklärt bis zur Blindheit, unterschätzt er den menschlichen Faktor. Und das absolute Regime hat seine eigenen Gesetze. Die polnische Regisseurin Barbara Wysocka, die an großen Bühnen in Warschau, Krakau und München für ihre Schauspiel- und Operninszenierungen gefeiert wird, ist zum ersten Mal in Wien zu Gast und thematisiert mit Schillers Klassiker die Konsequenzen der Einschränkung von Bürgerrechten im heutigen Europa.

Die Expert/innenrunde

Die Expert/innenrunde lobte das Stück im Allgemeinen und hob vor allem die herausragenden schauspielerischen Leistungen und die Klarheit und Verständlichkeit hervor. Das Stück selbst besticht durch das Zusammenspiel der Figuren und der nachvollziehbaren Herausarbeitung derer Beziehungen untereinander. Dadurch erschließt sich der komplexe Text Friedrich Schillers ganz selbstverständlich und macht die Sprache lebendig und gegenwärtig. Die großen Themen sind Freundschaft und Intrige, das politische, aufklärerische Denken, Macht und Machtmissbrauch ebenso wie die Rolle der Frauen und deren systematische Zerstörung. Das Stück eignet sich für interessierte und theateraffine Oberstufenschüler/innen ab der 6. Klasse, sollte aber unbedingt im Unterricht oder in Form eines vom Jungen Volkstheater angebotenen Workshops vorbereitet werden. Die Expert/innenrunde empfiehlt „Don Karlos“ besonders für politikinteressierte Schüler&/innen, für die der Text ein breites Diskussionsspektrum eröffnet.

Das Junge Volkstheater bietet kostenlose Besprechungen vor und nach dem Stück an, sodass die Schüler/innen in Dialog treten und das Gesehene besprechen können.


mit Günter Franzmeier (Philipp II), Florentin Groll (Der Großinquisitor), Evi Kehrstephan (Elisabeth von Valois), Sebastian Klein (Marquis von Posa), Isabella Knöll (Prinzessin von Eboli), Steffi Krautz (Herzog von Alba), Helena Gossmann (Marquisin von Mondecar), Claudia Sabitzer (Herzogin von Olivarez), Jan Thümer (Graf von Lerma), Stefan Suske (Domingo), Lukas Watzl (Don Karlos), Sophie Gedik/Irina Rattay (Infantin Klara Eugenia)

Pressestimmen

„Ein kleines Theaterwunder: Toller ‚Don Karlos‘ im Volkstheater. Die polnische Regisseurin Barbara Wysocka überzeugt mit ihrem Wien-Debüt mit glänzender Schauspielerführung. (…) Die größte Überraschung dieses dreistündigen tollen Abends: Das Ensemble ist sowohl der geschliffenen, nicht eben einfachen Sprache Friedrich Schillers als auch dem verzwickten Intrigenspiel am spanischen Hof zur Gänze gewachsen. Differenzierte, vielschichtige Figuren erzeugen in ihrer Konfrontation eine Intensität, die den Zuschauer dem Geschehen fast atemlos folgen lässt. (…) Und so vermittelt sich der Anspruch, mit dieser Inszenierung auch einen Kommentar zu unserer politischen Gegenwart abzugeben, ganz ohne Zeigefinger. Ein großer Abend.“
Wolfgang Huber-Lang, APA

„Günter Franzmeier ist ein großartiger Philipp zwischen Machterhalt und Verzweiflung. Lukas Watzl ist ein fiebriger Karlos, Sebastian Klein ein kraftvoller, mutiger Posa. Evi Kehrstephan ist wieder einmal großartig. (…) Vom Premierenpublikum kam der ganz große Jubel für diese sehenswerte, Konzentration einfordernde, aber hoch spannende Inszenierung.“
Guido Tartarotti, Kurier

„Sebastian Klein als Marquis von Posa im lockeren Alltagsgewand lässt Schillers Text erstaunlich natürlich wirken – und überzeigt das Publikum wie mühelos von seiner inneren Freiheit und Konsequenz.“
Anne-Catherine Simon, Die Presse

„Günter Franzmeier als souveräner, kauziger, todverzweifelter Diktator, Lukas Watzl als souveräner Schmetterpsychopath Karlos, Isabella Knölls Eboli als kunstvoll gearbeitete Ulknudel.“
Heinz Sichrovsky, Kronen Zeitung