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Endstation Sehnsucht

von Tennessee Williams
Deutsch von Helmar Harald Fischer
New Orleans ist eine weltoffene Stadt. Nicht der Takt des Geldes, sondern Jazz und Blues prägen den Rhythmus des Lebens. Menschen verschiedener Herkunft leben hier selbstverständlich miteinander.

Nahe der Endhaltestelle „Sehnsucht“, in den „Elysischen Gefilden“ Hausnummer 632, wohnen die Eheleute Stella und Stanley Kowalski. Beide führen ein einfaches Leben zwischen Sex und Arbeit, Nachbarschaftstratsch und Skatrunden, Bowling-Partien und Vergnügungspark. Bis eines Tages Stellas ältere Schwester Blanche vor der Tür steht, nur mit einem Koffer in der Hand, um bei ihnen einzuziehen. Sie hat alles verloren, den Landsitz der Familie, ihren Beruf, ihr Geld – doch nicht ihren Stolz, den Stolz einer aristokratischen und selbstbewussten Frau. In der stickigen und alkoholgetränkten kleinen Wohnung kommt es schon nach kurzer Zeit zu Streitigkeiten zwischen Blanche und dem draufgängerischen Stanley, der um seine männliche Dominanz fürchtet: Diese Frau passt nicht hierher, mit ihren Moralvorstellungen und ihrer freizügig gelebten Sexualität. Der Machtkampf zweier Giganten, aus zwei verschiedenen Welten, hat begonnen.
Die junge Regisseurin Pınar Karabulut, die in der letzten Spielzeit mit Heimwärts im Volx/Margareten ihr Wien-Debüt gab, inszeniert mit Endstation Sehnsucht einen der großen Klassiker der amerikanischen Literatur, für den Tennessee Williams, dieser „notorische Gesetzesbrecher stillschweigender Übereinkünfte“ (Gerhard Roth), 1948 den Pulitzer-Preis erhielt.

 

Für die Inszenierung wurde Steffi Krautz (Beste Darstellerin) und Pınar Karabulut (Bester Nachwuchs weiblich) für den Nestroy-Preis 2019 nominiert.

Die Expert/innenrunde empfiehlt:
Nichts erinnert an die frühere und berühmte Filmfassung „Endstation Sehnsucht“ von 1951 in der Inszenierung von der Regisseurin Pinar Karabulut. Und so modern und bildgewaltig schafft sie es, dass Populärkultur auf Klassikerhuldigung trifft. Das sorgt für Reibung; birgt aber auch einen frischen und humoresken Blick auf dieses Stück.

Es geht um den ewigen Kampf der Geschlechter, um Geld und Besitz sowie die Rolle des Materialismus und des Kapitals. Gewalt an Frauen, Süchte und Abhängigkeiten scheinen zum Alltag dazu zu gehören und werden nicht theatralisiert, so dass die Essenz des Stückes auf die Bühne kommt: der Wunsch, geliebt zu werden.

Es zeigt sich ein Zerrbild einer früheren und aber auch heutigen Realität. Klassische Geschlechterstereotypen werden aufgebrochen und sind in einer aktuellen und schrillen Vielfältigkeit auf der Bühne zu bestaunen.

Das Bühnen- und Kostümbild der Schauspieler/innen bedienen sich einer grellen Farbpalette; so dass das Stück sich wie eine Art Travestie der Popkultur lesen lässt. Die Sound- und Lichteffekte verstärken diese kreative und fantastische Umsetzung. Die ursprüngliche Textfassung spinnt den roten Faden, während die Körperlichkeit und Präsenz der Schauspieler*innen diesen um ein animalisches und subtiles Element weiter unterfüttern.

Die Expert/innenrunde empfiehlt das Stück für Schüler/innen ab 16 Jahren. Ebenso wird eine Vorbereitung und Nachbereitung für Schulklassen empfohlen. Inhaltlich können Schulfächer wie Deutsch, Literatur, Ethik und aber auch die Geographie und Geschichte von New Orleans / Südstaaten Amerikas verknüpft werden. Das Stück ist sehr kurzweilig, überrascht und irritiert zeitweise mit seinem eigenwilligen Stil, bringt aber umso das berühmteste Zitat des Stückes auf die Bühne: „Ich will keinen Realismus. Ich will Magie.“

Das Junge Volkstheater bietet kostenfrei begleitende Workshops zur Vor- und Nachbereitung und Gespräche an! Bei Interesse melden Sie sich bitte unter junges@volkstheater.at

  • MI 13. NOV 2019 19.30 - 21.30
    Tickets
  • FR 22. NOV 2019 19.30 - 21.30
    Tickets
  • DI 26. NOV 2019 19.30 - 21.30
    Tickets
  • MI 11. DEZ 2019 19.30 - 21.30
    Tickets
    ZUM LETZTEN MAL

mit Nils Hohenhövel (Mitch), Günter Franzmeier (Steve), Katharina Klar (Stella), Steffi Krautz (Blanche DuBois), Mario Schober (Ein Arzt), Birgit Stimmer (Mexikanerin/ Krankenschwester), Birgit Stöger (Eunice), Jan Thümer (Stanley Kowalski), Merlin Miglinci (Ein junger Kassierer), Alaedin Gamian (Pablo)

Pressestimmen

„Karabulut löst den Text aus seiner ikonischen Erstarrung heraus. (…) Das Ensemble spielt sich glamourös bis ans große Finale. (…) So aus den Klischees, aus den eh-schon-immer-wissen-Bildern und den eh-schon-immer-wissen-Erklärungen herausgelöst, wird ‚Endstation Sehnsucht‘ zum thrillenden Theaterereignis.“
Theresa Luise Gindlstrasser, nachtkritik.de

„Endstation Aufbruch (…) So wie derzeit am Wiener Volkstheater hat man Tennessee Williams‘ ‚Endstation Sehnsucht‘ noch nicht gesehen.“
Christine Dössel, Süddeutsche Zeitung

„Gekonnt dröselt Karabulut (…) Rollen und deren Klischees auf. (…) Mit ihrem Bilderbogen gelingen Karabulut (…) effektvolle Momente. Geschickt weist sie durch die Polarität von Gesprochenem und zu Sehendem auf Blanches bipolare Störung hin. Wenn die in diesem Setting empört von ’solchen Verhältnissen‘ spricht, ist doppelt klar, dass sich für sie die Realität längst ins Irreale verschoben hat.“
Michaela Mottinger, Mottingers Meinung

„‚Ich will keinen Realismus. Ich will Magie!‘ Dieses Credo der Protagonistin Blanche hat Karabulut zum Motto ihrer Inszenierung genommen. (…) Das Ganze ist hoch professionell umgesetzt. Und macht Spaß. Auch den Schauspielern, die dafür sorgen, dass sich das wesentliche Drama des Stückes gut erzählt (…). Langer, lauter Applaus.“
Wolfgang Huber-Lang, APA

„Steffi Krautz spielt die Hauptrolle der Blanche beherzt und berührend, voll Energie, zugleich verletzlich.“
Norbert Mayer, Die Presse

„Hier ist tatsächlich alles magisch – schrill, schräg und überdreht – und doch werden die Figuren und ihre psychischen wie zwischenmenschlichen Probleme höchst ernstgenommen.“
Ruth Rybarski, Zeit im Bild

„Williams Text aus dem Jahre 1947 wird mit nur wenigen Strichen (…) auf die neongrelle Bühne gewuchtet. (…) Ein Gefühlsklassiker trifft auf Plastik, eine Machowelt auf queeren 90er-Jahre Pop. (…) die Funken, die Regisseurin Pinar (sic!) Karabulut aus diesem Crash schlägt, erleuchten die 70 Jahre, die zwischen uns und diesem Sehnsuchtsstück liegen, mehr als es manch buchstabengetreue Inszenierung täte. (…) Krautz steht im Mittelpunkt von Karabuluts Stückauslotung, die intensiveren Schauspielmomente gehören dieser tollen Schauspielerin.“
Stephan Hilpold, Der Standard