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© Bernd Preiml / Volkstheater
© Bernd Preiml / Volkstheater
Ich möchte mein Glück ungeschehen machen.
Österreichische Erstaufführung

Fasching

von Gerhard Fritsch
Bühnenfassung von Anna Badora und Roland Koberg
Felix Golub kommt nach zwölf Jahren in das Städtchen zurück, in dem er als Deserteur untergetaucht war. Gerettet hatte den damals 17-Jährigen eine geheimnisumwitterte Baronin und Miedermacherin – sie folgte dabei vorgeblich einem alten Gesetz: „Der Feigling wird in Frauenkleider gesteckt.“

Felix hasste seine lebensrettende Frauenrolle, nutzte sie aber trickreich, um den verliebten Nazi-Befehlshaber zur Kapitulation zu bewegen. So bewahrte Felix im April 1945 die Stadt vor der Zerstörung … Als Felix nun aus russischer Kriegsgefangenschaft wiederkommt, wird er nicht als Heimkehrer oder Held begrüßt, sondern von den Bewohner/innen zur Lachnummer gemacht. Felix verkennt die Zeichen – schließlich ist Fasching und jeder zu Scherzen aufgelegt. Zu spät begreift er, dass er der Spaßgesellschaft in die Falle geht. An den Ort des Verbrechens kehrt hier nicht der Täter zurück, sondern das Opfer. Um abermals Opfer zu werden.

Der Wiener Schriftsteller Gerhard Fritsch (1924–1969) schuf mit seinem verkannten Opus magnum Fasching das eindrucksvolle Panorama einer Kommune ohne Reue, sexuell aufgeladen und politisch aggressiv. In wechselnden Masken und Kleidern wird der Ausnahmezustand Fasching zum Gesetz erklärt. Die sprachlich experimentelle Spielvorlage bringt Anna Badora erstmals in Österreich auf die Bühne. Badora, seit 25 Jahren Theaterleiterin in Mainz, Düsseldorf und Graz, hat als Regisseurin zuletzt zeitgenössische (Daniel Kehlmann, Andrzej Stasiuk, Dennis Kelly) und antike (Aischylos) Stoffe realisiert. Zum Auftakt ihrer Künstlerischen Direktion widmet sie sich einem exemplarischen Roman der österreichischen Vergangenheitsbewältigung und des schwarzen Humors.

Stückeinführung als Audio-Datei:

 

 

Erfahren Sie mehr über Fasching im Volkstheater-Magazin.


mit Christian Dolezal (Lujo Warhejtl / Marietheres Lubits ), Thomas Frank (Lois Lubits / Frau in Cowboy-Maskerade/Fiala), Nikolaus Habjan (Felix Golub ), Katharina Klar (Pia / Dr. Gottlieb Winiak), Adele Neuhauser (Vittoria Pisani), Stefanie Reinsperger (Hilga Pengg), Christoph Rothenbuchner (August Pacher-Pichler / Max Plabutsch), Nils Rovira-Muñoz (Felix Golub ), Stefan Suske (Raimund Wazurak), Elena Schmidt (Radegund Plabutsch/Vinzenz Windischreiter)

Pressestimmen

“Es ist ein fabelhafter Schachzug von Intendantin Anna Badora, mit diesem fast vergessenen Werk den Neuanfang zu bestreiten. (…) Am allermeisten zehrt der dreistündige Abend (mit Pause gerechnet) von der Doppelbesetzung des Felix Golub. Seiner Fleisch-und-Blut-Version (Nils Rovira-Muñoz) steht ein Erinnerungs- und Gewissens-Ich in Form einer Puppe zur Seite (von und mit Nikolaus Habjan). Ihm gelingen die stärksten Momente. Die Klappmaulpuppe wirft bedrückte Blicke auf das grobschlächtige Getriebe dieser Nachkriegsgesellschaft, die an ihrem Deserteur, dem Verräter und ausgemachten Feigling, noch weiter Rache zu nehmen gedenkt.”

Margarete Affenzeller, Der Standard

“Stefanie Reinsperger erweist sich in der Rolle von Felix Golubs einstiger Geliebter und zukünftiger Braut Hilga Pengg als Idalbesetzung. Sie agiert mitunter wie das Echo der Gesellschaft, zugleich aber auch als Stimme, die in wenigen Handstreichen alles deutlich prägnanter kommentieren und vorantreiben kann als ihr spröder Geliebter, der zwar alles auf die Wiederbegegnung setzt, im Grunde aber nicht weiß, warum er eigentlich da ist.”

Gerald Heidegger, orf.at

“Adele Neuhauser zieht alle Register eines alternden Vampirs, der zwischen Privatfetischismus und pragmatischer Vernunft oszilliert. Und ganz nebenbei gibt es eine der genialsten Sexszenen der jüngeren Theatergeschichte.”

Frido Hütter, Kleine Zeitung

“Spannend wird es hier, wenn eine kleine Zahl an Mitwirkenden mit Deix’scher Drastik und Präzision die Bestialität des Dorflebens verkörpert.”

Heinz Sichrovsky, News