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© Martina Liebig / Volkstheater
Im Grunde ist eine Identität auch bloß ein Bündel Sachen.
Uraufführung

Hose Fahrrad Frau

von Stefan Wipplinger
Koproduktion mit Max Reinhardt Seminar
In einer Großstadt begegnen sich Menschen auf der Suche nach ihrer Identität und nach Antworten auf die Frage, welche Rolle der Besitz und Tausch von materiellen Dingen dabei spielt.

Ein Fahrrad wechselt den Besitzer, der neue wird daraufhin verdächtigt, gestohlenes Gut erstanden zu haben. Eine junge Frau tauscht mit demselben Mann ohne Umstände ihre Wohnung und verschenkt dabei ihr Herz. Als sie jedoch ihren Körper herleihen soll, um einem befreundeten, kinderlosen Paar bei der Nachwuchsfrage auszuhelfen, gerät sie in ein Dilemma. Das Paar kommt durch profanere Sorgen in Streit: Sie fordert von ihrem Mann, zumindest eine seiner unzähligen Hosen wegzugeben, die er widerwillig bei der Bahnhofsmission an einen Geflüchteten weiterreicht. Dieser junge Mann von weither ist auf der Suche nach seiner Schwester, die vor zwanzig Jahren gekauft wurde und seither mit ihrem Ehemann und einer neuen Identität ein begütertes, doch unglückliches Leben führt. Zwischen all diesen suchenden Seelen wandelt ein Penner, der bewusst entschieden hat, sich von Besitz zu befreien. Seither verkündet er wie ein mythologisches Orakel seine Weisheiten in der Großstadt und zieht inmitten der kapitalistischen Irrungen der Mitmenschen seine eigenen Fäden.

Hose Fahrrad Frau ist das erste abendfüllende Theaterstück des jungen oberösterreichischen Autors Stefan Wipplinger, der Szenisches Schreiben an der Universität der Künste Berlin studiert. Regisseurin Holle Münster, Absolventin des Max Reinhardt Seminars und Mitglied des Theaterkollektivs Prinzip Gonzo, bringt den Erzählreigen mit Schauspieler/innen des Volkstheater-Ensembles und Schauspielstudierenden ins Volx/Margareten.

 

Mehr über Hose Fahrrad Frau erfahren Sie im Volkstheater-Magazin.


mit Markus Bernhard Börger (Dritter), Enrique Fiß (Bruder), Alina Ilonka Hagenschulte (Michaela), Carolin Knab (Janne), Lennart Lemster (Alf), Manuel Ossenkopf (Tom), Stefan Suske (Penner), Gudrun Tielsch (Schwester), Günther Wiederschwinger (Ehemann)

Pressestimmen

„Kein Gott gab Wipplingers Figuren zu sagen, was sie leiden. Aber in Holle Münsters hochkomischer Inszenierung, einer Koproduktion mit dem Max-Reinhardt-Seminar, ziehen sie sich tadellos aus der Affäre. Zunächst einmal besitzen sie die Anmut von Robotern, die sich mit eckiger Gebärde die Zähne putzen. (…) Nicht alle Probleme dieser vor Witz moussierenden Inszenierung kann das Förderband lösen. Aber von Wipplinger darf man sich noch viele kleine Dramen erhoffen.“

Ronald Pohl, Der Standard

„Carolin Knab (…), Reinhardt-Seminaristin im Abschlussjahrgang, verkörpert im Volx/Margareten ein cooles, lässiges Beinkleid, als wäre es das Natürlichste auf der Welt. Sie ist eine der Entdeckungen der (…) Uraufführung Hose Fahrrad Frau. Diese Koproduktion des Wiener Volkstheaters mit dem Max Reinhardt Seminar ist überhaupt eine ziemlich feine Sache. Einerseits geben neben Knab auch einige ihrer Kolleginnen und Kollegen (etwa Lennart Lemster, Enrique Fiß oder Alina Ilonka Hagenschulte) ihre Visitkarten für künftige Engagements ab, andererseits ist auch das erste Stück des in Berlin Szenisches Schreiben studierenden Oberösterreichers Stefan Wipplinger ein Versprechen für die Zukunft. Mit seiner Vielzahl von kurz angerissenen Szenen, Figuren und Situationen bietet er in Hose Fahrrad Frau nicht nur eine ideale Spielwiese zum Ausprobieren, er reißt auch moderne Themen zwischen Identitätssuche und Verlorenheit an, ohne zu langweilen. So großstädtisch ging es in der kleinen Volkstheater-Nebenspielstätte in Margareten jedenfalls schon lange nicht mehr zu.“

Sonja Harter, APA

„Einen Lebensphilosophen, artgerecht zum ‚Penner‘ herunterstilisiert, lässt Wipplinger sagen: ‚Im Grunde ist eine Identität auch bloß ein Bündel Sachen. So wie ein Rucksack voller Merkmale und einem Namen vorne drauf. Deswegen ist sie völlig austauschbar.‘ Holle Münster fand ein großes Bild für diese Behauptung: Die Mitspieler gleiten auf einem schrägen Förderband auf die Bühne und ruckeln wie Puppen zur Parade an die Rampe. Verzauberungsmimik paart sich mit Warenweltkälte: Lennart Lemster ein Fahrrad, Alina Ilonka Hagenschulte eine Hose. Traurig-komisch. In einer ‚Bibliothek‘ machen ‚Bücher‘ Faxen. Wenigstens hier überlebt Individualismus.“

Hans Haider, Wiener Zeitung

„Münster, ebenfalls Absolventin des Max Reinhardt Seminars, versteht es, philosophische Überlegungen mit amüsanten Wortgefechten im leicht frankophil-cineastischem Stil zu einem kurzweiligen Theatererlebnis zu machen. Die jungen Talente des Max Reinhardt Seminars bewiesen neben den anerkannten Volkstheatermitgliedern nicht nur Ausdrucksstärke, sondern auch höchste Professionalität. Diese Inszenierung sollte man sich nicht entgehen lassen.“

Linda Pietsch, European Cultural News