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Illustration: Valerie Tiefenbacher

In der Strafkolonie

von Franz Kafka
12 Stunden dauert die Hinrichtung. Nach 12 Stunden Marter geht selbst dem Blödesten der Verstand auf, und er kann es endlich lesen, das Gesetz. Nicht mit seinen Augen, sondern mit seinen Wunden.

Eine abgelegene Insel irgendwo in den Tropen. Ein sandiges Tal ohne Vegetation, gnadenlos ausgeleuchtet von der Südseesonne. Und da steht sie, in der flimmernden Hitze, die berühmte Exekutionsmaschine von Franz Kafka, ersonnen 1914 für seine Erzählung In der Strafkolonie. Noch kein Delinquent hat einen fairen Prozess erlebt und sich verteidigen dürfen. Wozu auch, „die Schuld ist zweifellos“. Noch kein Delinquent hat gewusst, weswegen er hingerichtet wird. Wozu auch, „er erfährt es ja am eigenen Leib“. Die Maschine vollzieht das Gesetz mit stumpfem Gleichmut und höchster Präzision. Sie funktioniert nach dem Prinzip eines monströsen Tätowierapparates: Dem Verurteilten wird das Gebot, das er übertreten hat, tief ins Fleisch eingraviert. Stundenlang, immer tiefer, bis zur Erlösung. Erlösung im Tod, der ein erkenntnisreicher ist: Das Leben und die Schuld sind eins – ein Fleisch, ein Blut, und am Ende ein Kadaver, der in die Grube fällt und verfault. Viel wurde nachgedacht und vieles gesagt über Kafkas verstörende Geschichte. Thomas Mann nannte sie ein „grundeigentümliches Gebilde von sublimer Sorgfalt – beängstigend, traumkomisch, treumeisterlich und krankhaft, die sonderbar eindringlichste Unterhaltung, die man sich denken kann.“

Der junge Regisseur Felix Hafner (zuletzt mit Höllenangst und Nach uns das All oder Das innere Team kennt keine Pause am Volkstheater präsent, 2017 Nestroy Preisträger als bester Nachwuchs für seine Volkstheater-Inszenierung Der Menschenfeind) wird das grundeigentümliche Gebilde in Szene setzen.

  • Premiere
    JÄN 2020