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© Ahmed Ben Nessib
Kein Kriegszug kann ohne Opfer siegreich sein
Österreichische Erstaufführung

Iphigenie in Aulis | Occident Express

von Euripides/Soeren Voima | von Stefano Massini
Die einen sitzen im antiken Griechenland herum und warten. Die anderen rennen im Jahr 2015 um ihr Leben. Die einen sind Soldaten und heißen Odysseus, Agamemnon, Menelaos. Die anderen sind einfache Leute: Haifa, Nassim, Sadiq. In Euripides’ Tragödie wollen alle nur eines: nach Troja, die Stadt niederbrennen, alles dem Erdboden gleich machen. In Massinis Drama wollen alle nur eines: weg vom Krieg, die verbrannte Erde hinter sich lassen, das gelobte Land betreten – den für Frieden und Wohlstand gepriesenen Kontinent Europa.

Windstille im Hafen von Aulis. Die Segel der griechischen Flotte hängen schlaff herunter, die Stimmung unter den Soldaten ist entsprechend. Tausende kriegswütige Männer, die nach Troja wollen, und jetzt das: Flaute. Der Seher Kalchas stellt kräftigen Wind in Aussicht, wenn der Göttin Artemis ein Menschenopfer gebracht wird: Iphigenie, die Tochter des Heerführers Agamemnon.

Im Jahr 2015 überleben nur zwei Menschen ein Massaker in ihrem Heimatdorf: eine alte Frau und ein kleines Mädchen. Sie stehen zwischen Trümmern und Leichen – dann machen sie sich auf den Weg. Eine Odyssee vom Irak bis in den hohen Norden Europas beginnt.

Regisseurin Anna Badora hat wiederholt Konflikte der Gegenwart anhand antiker Stoffe überprüft und ausgelotet. Occident Express liefert die Steilvorlage für ein Experiment: Können wir mit den Mitteln des Theaters tatsächlich eine so ungeheuerliche Reise erzählen, ohne dabei Flüchtlingsfolklore zu betreiben? Es ist einen Versuch wert.

 

Wie viele Liter Wasser passen in das Becken des Bühnenbildes und wie wird in der Pause umgebaut? Antworten finden Sie in unserem FAQ zum Bühnenbild von Iphigenie in Aulis | Occident Express.

Das Junge Volkstheater empfiehlt:
Einschätzungen zu unseren Inszenierungen von unseren theatralen Berater/innen an Schulen, Bettina Stokhammer und Matthias Suske , finden Sie neben weiteren Infos zu unseren Angeboten hier.

 


mit Rainer Galke, Anja Herden, Lukas Holzhausen, Katharina Klar, Sebastian Pass, Jan Thümer, Nadine Quittner, Eva Dorlass, Marlene Hauser, Sophie Reiml, Maren-Sophia Streich, Simon Stadler-Lamisch/Nikolaus Baumgartner

Pressestimmen

„[…] der Abend mit dem Doppeldrama funktioniert tatsächlich. Die Direktorin hat diesmal eindeutig den besten Start von ihren bisher drei Saisonen in Wien erwischt. Dem Text des Euripides werden sowohl das nötige Pathos als auch der entscheidende Schuss Ironie versetzt, die Fluchtgeschichte bewegt sich hart an der Grenze zum Sozialkitsch, aber das ist zweitrangig, denn es wird atemlos, mit einfachen Mitteln, eine spannende Geschichte erzählt.“
Norbert Mayer, Die Presse

„Mit Euripides „Iphigenie in Aulis“ (…) und „Occident Express“ von Stefano Massini spannt Hausherrin Anna Badora den Bogen von der Antike in die Gegenwart. Ihr Unternehmen folgt einer Logik, die sie mit einem kraftvollen Ensemble schlüssig und beeindruckend auf die Bühne bringt.“
„Mit dem starken Ensemble, allen voran Anja Herden, gelingt Badora ein herausragender, heftig umjubelter Start.“
Julia Danielczyk, Salzburger Nachrichten

„Die erste Inszenierung der neuen Saison zeigt, dass Anna Badora und ihr Team über ihre Aufgabe, unterhaltsames Theater zu machen, hinausdenkt und ihr Haus als einen Ort versteht, an dem auch aktuelle, politische Diskurse stattfinden dürfen. Auch das hat etwas mit Mut zu tun.“
Michaela Preiner, European Cultural News

„Am Volkstheater ist „Iphigenie in Aulis“ nur der Auftakt. Nach der Pause zeigt das moderne Flüchtlingsstück „Occident Express“ die Auswirkungen des Krieges. Das Konzept geht auf.“
Wolfgang Huber-Lang, APA