Menü
 
© Alicia Pawelczak / Volkstheater
© Alicia Pawelczak / Volkstheater
Die Hochzeit wird nicht stattfinden.

Iwanow

von Anton Tschechow
Der weitverbreitete russische Name Iwanow bedeutet „alle Welt“, und genauso zeichnet Tschechow seine Titelfigur: als mittelalte, müde Allerweltsgestalt, die selbst nicht versteht, warum ihr so viel Aufmerksamkeit zuteil wird.

Iwanows leidenschaftliche Taten liegen hinter ihm, er hat versucht, mit Reformvorschlägen etwas in seinem Landkreis zu bewirken, und er hat eine Jüdin geheiratet, die seinetwegen konvertiert ist. Nun hat er Schulden und flieht seine todkranke Frau, so oft er kann. Als ein junges Mädchen, ausgerechnet die Tochter seiner Gläubiger, meint, ihn durch ihre Liebe erlösen zu müssen, nehmen private Tragödien ihren Lauf. Fragen türmen sich auf. Aber, so Tschechow mit der Nüchternheit des Arztes, der er war: „Menschen wie Iwanow lösen keine Fragen, sie brechen unter der Last zusammen.“

Anton Tschechow schrieb Iwanow 1887 mit Mitte zwanzig, erst heute wird diese Komödie in einer Reihe mit seinen berühmten Dramen Die Möwe, Drei Schwestern und Der Kirschgarten genannt. Er fand bei diesem Stück über mehrere Fassungen zu seinem Stil und seinem Thema: die Müdigkeitsgesellschaft im Umbruch.

Der ungarische Regisseur Victor Bodo erlangte mit seinen phantastisch-absurden Projekten und Bearbeitungen internationale Beachtung. Er war Leiter der Szputnyik Shipping Company (2008–2015), inszenierte an großen deutschen Häusern und einmal im Jahr am Schauspielhaus Graz – mit seinen Grazer Arbeiten war Bodo mehrfach für den Theaterpreis Nestroy nominiert und wurde 2010 zum Berliner Theatertreffen eingeladen. Iwanow ist seine erste Arbeit in Wien.

 

Mehr über Iwanow erfahren Sie im Volkstheater-Magazin.

  • MO 30. MAI 2016 18.30 - 21.30 Kaufen
    with English supertitles - anschl. D. Neff-Preisverleihung
  • DO 02. JUN 2016 19.30 - 22.30 Kaufen
    with English supertitles
  • MI 08. JUN 2016 19.30 - 22.30 Kaufen
    with English supertitles
  • MI 15. JUN 2016 19.30 - 22.30 Kaufen
    with English supertitles
  • DO 23. JUN 2016 18.30 - 21.30 Kaufen
    with English supertitles - zum letzten Mal

mit Gábor Biedermann (Jewgenij Konstantinowitsch Lwow), Thomas Frank (Michail Michajlowitsch Borkin), Günter Franzmeier (Pawel Kirillytsch Lebedew), Steffi Krautz (Sinaida Sawischna), Nadine Quittner (Sascha), Stefanie Reinsperger (Anna Petrowna), Claudia Sabitzer (Marfa Jegorowna Babakina), Martina Spitzer (Awdotja Nasarowna), Stefan Suske (Matwej Semjonitsch Schabelskij), Jan Thümer (Nikolaj Alexejewitsch Iwanow), Luka Vlatkovic (Jegoruschka), Günther Wiederschwinger (Dmitrij Nikitsch Kossych), Klaus von Heydenaber (Musiker), Loukia Loulaki/Maria Probst (Musikerinnen)

Pressestimmen

“Jan Thümer spielt die titelgebende Rolle und ist der stille Held dieses Abends.”

Sara Schausberger, Falter

“Tatsächlich hat man so etwas wie diesen Abend am Weghuberpark in den vergangenen Jahren nur selten gesehen: Formwillen plus Kompromisslosigkeit, Anspruch plus Können. (…) Gábor Biedermann zeigt einen sehenswerten Kampf und Krampf der Gefühle. (…) Man mag vielleicht nicht alles verstanden haben – aber ein Abend, der den Geheimnissen von Theater und Leben noch ein paar weitere hinzufügt, sollte als Gewinn verbucht werden.”

Wolfgang Huber-Lang, APA

“Bodos Iwanow, den Jan Thümer beeindruckend, berührend und doch vorsichtig distanziert durch den Abend trägt, muss sich nicht, wie im Original, erschießen, sein Senken des Kopfes am Ende genügt, um Bescheid zu wissen über ein ‘falsches’ Leben. (…) Am schönsten geraten jene Szenen, wenn die Anna der Stefanie Reinsperger unendlich zart vom sie verehrenden Arzt (Gábor Biedermann) umsorgt wird, wenn Nadine Quittners Sascha Iwanow ungestüm ihre Liebe gesteht, um dann am Ende vor den eigenen Gefühlszweifeln zu erschrecken: wenn die große Langeweile sich an ehrlicher Empfindung reibt, dann ist der Tschechow-Abend im Volkstheater richtig groß.”

Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung

“Günter Franzmeier, Steffi Krautz, Nadine Quittner, Claudia Sabitzer und vor allem Gábor Biedermann als Arzt begeistern. Und wie Stefanie Reinsperger als Anna Petrowna die Leiden der schwindsüchtigen, betrogenen Ehefrau darstellt, ist eine Meisterleistung, wie man sie selten auf einer Bühne sieht. Jan Thümer zeigt mit seiner Darstellung des verarmten Gutsbesitzers Iwanow eine schauspielerische Hochleistung. (…) Die präzise Studie eines Seelentrips führt er mit einer Intensität vor, die heute ihresgleichen nicht so leicht findet, wenn er sich in der Badewanne von seiner Schuld reinwaschen will, sich schutzlos seinem Schicksal ausliefert und am Ende nach dem Tod seiner Frau vor der Zukunft kapituliert. Wie er dabei im Bühnenmittelpunkt steht und im Hochzeitsanzug ein ungarisches Lied mit zarter Stimme antönt, während alles andere in den Hintergrund driftet, ist ein starkes Finale für eine starke Aufführung.”

Susanne Zobl, News

“Bodo (…) füllt die Tschechow-Baracke in gut drei Stunden nicht nur mit der zu erwartenden Melancholie, sondern auch mit überraschenden Späßchen, schrägen Einfällen und sogar mit Charakter. (…) Das Ensemble wird durch Klaus von Heydenaber am Klavier und Loukia Loulaki (Cello) atmosphärisch trefflich ergänzt. (…) Thomas Frank gibt einen absurden Spaßmacher, hinter dessen Fassade grausame Berechnung steckt. (…) Auch Claudia Sabitzer als heiratswillige lustige Witwe und Stefan Suske als kauziger Graf spielen einprägsam. Steffi Krautz und Günter Franzmeier verkörpern als Ehepaar Lebedew mit Originalität ihren beherrschenden Geiz und seine betrunkene Willenlosigkeit. Martina Spitzer und Luka Vlatkovic geben übertrieben skurrile Dauergäste, die schamlos überall auftauchen, wo vielleicht etwas zu holen ist.”

Norbert Mayer, Die Presse