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© Helmut Pokornig / Volkstheater
© Helmut Pokornig / Volkstheater
Vielleicht sind wir zu schwer füreinander

Kasimir und Karoline

von Ödön von Horváth
Volksstück
Um Ablenkung zu finden, gehen der arbeitslose Chauffeur Kasimir und die angestellte Bürokraft Karoline aufs Oktoberfest, aber das Gegenteil passiert. Von allen Seiten werden sie an geschäftliche und private Zusammenhänge erinnert. Inmitten von erregenden Attraktionen verliert sich das Paar.

„Man muss das immer trennen, die allgemeine Krise und das Private“, sagt die von Kasimir gekränkte Karoline zu einem Mann namens Schürzinger, den sie gerade frisch kennenlernt und der ihr eine Achterbahnfahrt spendiert. „Meiner Meinung nach sind aber diese beiden Komplexe unheilvoll miteinander verknüpft“, erwidert dieser, was Karoline zu der Bemerkung veranlasst: „Geh, redens doch nicht immer so geschwollen daher!“ Dialoge wie dieser weisen Horváth als eindringlichen Betrachter des durchökonomisierten Zwischenmenschlichen aus. Vor dem Hintergrund einer politisch- wirtschaftlichen Zeitenwende erscheint das Leben als Achterbahnfahrt, zu stimmungsvoller Musik zeigen sich die Abhängigkeitsverhältnisse. Da, wo sie lieber anonym in der feierwütigen Masse untertauchen würden, begegnen Kasimir und Co. ständig irgendwelchen „Bekannten“, mit denen sie beruflich verbunden oder kriminalistisch verstrickt sind. So muss früher oder später auch Schürzinger seine erotischen Interessen hinter seine karrieristischen zurückstellen, während Karoline von ihrem seelischen Flugversuch „mit gebrochenen Flügeln“ zurückkehrt.

Mit Kasimir und Karoline, seinem Hauptwerk neben Geschichten aus dem Wienerwald, kreierte Ödön von Horváth (1901–1938) das neue Genre des kritischen Volkstücks – durch eine „Synthese aus Ernst und Ironie“, wie Horváth seine Methode beschrieb. Regie führt der österreichische Wahlberliner Philipp Preuss, der am Volkstheater zuletzt Romeo und Julia inszenierte und am Schauspielhaus Leipzig sowie an der Berliner Schaubühne arbeitet.

 

In der Vorstellung werden STROBOSKOP–EFFEKTE eingesetzt. Bei Personen, die an photosensibler Epilepsie leiden, kann es zu epileptischen Anfällen oder Bewusstseinsstörungen kommen, wenn sie Blitzlichtern ausgesetzt sind.

  • MI 31. MAI 2017 19.30 - 21.30
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  • SO 11. JUN 2017 15.00 - 17.00
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  • SO 18. JUN 2017 15.00 - 17.00
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  • SO 25. JUN 2017 19.30 - 21.30
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Weitere Termine in Planung
  • Bühne Ramallah Aubrecht
  • Kostüme Eva Karobath
  • Musik und Sounddesign Richard Eigner
  • Video Konny Keller
  • Licht Paul Grilj
  • Kamera Max Hammel
  • Dramaturgie Roland Koberg

mit Michael Abendroth (Rauch), Thomas Frank (Direktor), Rainer Galke (Kasimir), Lukas Holzhausen (Speer), Sebastian Klein (Schürzinger), Kaspar Locher (Der Merkl Franz), Nadine Quittner (Maria), Stefanie Reinsperger (Karoline), Seyneb Saleh (Elli), Birgit Stöger (Dem Merkl Franz seine Erna), Luka Vlatković (Ausrufer)

Pressestimmen

„Das Bühnenbild von Ramallah Aubrecht (…) wirkt in seiner Simplizität: Als Symbol fürs Oktoberfest gilt eine Art Karussell aus Hunderten Schnüren mit Tausenden LEDs für Farbspiele. (…) Angeführt von Galke, Reinsperger, Stöger, Locher und Klein bietet das Ensemble (…) Beachtliches.“

Norbert Mayer, Die Presse

„Kasimir, den Galke sensibel ganz im Horváth’schen Sinn als der Welt Abhandengekommenen zeigt, wird die pausenlosen zwei Stunden fast ohne Ausnahme an der Bühnenkante sitzend verbringen (…). Die Karoline der Stefanie Reinsperger ist die zweite Hälfte eines wirklich schönen Bühnenpaares: Sie verbindet sehr körperliche Rauheit  mit zarten Tönen aus dem Inneren einer jungen Frau, deren Herz die Heimat verloren hat.“

Bernadette Lietzow, Tiroler Tageszeitung

„(…) Figuren wie der bis unters Herz tätowierte Merkl Franz (ein Mann wie ein offenes Messer: Kaspar Locher) und Erna (Birgit Stöger), deren deformierte Existenz sich in körperlicher Starre zeigt. Wenn  sie unvermittelt in eine Lana-del-Rey-Ballade einstimmt, dann ist das, als würde sie eine Lichterkette streifen, die eine Art Elektroschock-Sozialwärme verströmt. Für solche Momente ist das Theater erfunden worden.“

Margarete Affenzeller, Der Standard

„Das Ensemble – allen voran Birgit Stöger als apathische Erna  – spielt stark.“

Guido Tartarotti, Kurier

„Lukas Holzhausen und Michael Abendroth geben die alten Lüstlinge in grandioser Schmierigkeit, Kaspar Lochers (Merkl Franz) Aggression schüchtert ein.“

Frido Hütter, Kleine Zeitung

„Thomas Frank als urwienerisch nölender Direktor ist die Kirmessensation schlechthin.“

Eva Biringer, nachtkritik.de