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Illustration: Valerie Tiefenbacher
Uraufführung

Körper-Krieg

von Armin Petras
nach Motiven aus Verlorene Spiele von Ines Geipel und anderen Athlet/innen-Berichten
„… vom Träumen und der Lust am Sport wird also die Rede sein, aber ebenso von zerrissenen Leben, von Schäden an Leib und Seele und der Frage, wie Menschen mit ihren Erfahrungen heute leben.“

Im Jahr 2001 verfolgte die ehemalige Weltklassesprinterin Ines Geipel den Prozess gegen hochrangige Sportfunktionäre der DDR, die in staatlichem Auftrag ein ausgeklügeltes und flächendeckendes Zwangsdopingsystem kreierten und an minderjährigen Sportler/innen ohne deren Wissen zur Anwendung brachten.
Oral Turinabol und andere anabole Steroide machten, als Vitamine getarnt, die Körper bereit für den Krieg um die Medaillen. Leberkarzinome und Herzinfarkte, Muskel- und Sehnenverletzungen, Wachstumsretardierungen, Störungen der Fruchtbarkeit, irreversible Stimmvertiefungen, weitläufige Körperbehaarung und Wachstum der Klitoris waren Nebenwirkungen, die billigend in Kauf genommen wurden. Im Leistungssport hört Diktatur nie auf, resümiert Ines Geipel. In ihrem 2001 erschienenen Buch Verlorene Spiele dokumentiert sie das Schicksal gedopter DDR-Sportler/innen.
Die Totalität des Leistungsprinzips beherrscht den Sport auch in der freien westlichen Welt. So lagern überall in Europa prall gefüllte Blutbeutel in den Kühltruhen der Dopingärzte. Bis zu einem Liter Blutkonzentrat pumpen die Medizinmänner der Spitzenleistung den Sportler/innen vor dem Wettkampf in ihren Kreislauf. Hier weiß jeder genau, was er tut. Aber wer profitiert wirklich? Fest steht: Doping macht Sportgeschichte/n.

Der deutsche Regisseur Armin Petras, Jahrgang 1964, aufgewachsen in der DDR, war Schauspieldirektor in Kassel, Intendant am Maxim Gorki Theater Berlin und am Staatstheater Stuttgart. Für das Volx verdichtet er Protokolle und Berichte von Sportler/innen zu einem Theatertext über den Körper als Kampfplatz.

  • Premiere
    MRZ 2020