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© Peter Phobia / Volkstheater
© Peter Phobia / Volkstheater
Das ist netter als reich.
Deutschsprachige Erstaufführung

Mittelschichtblues

von David Lindsay-Abaire
Deutsch von Anna Opel
Margaret, fünfzig, alleinerziehende Mutter einer Tochter mit Behinderung, verliert ihren Job im Ein-Dollar-Shop. Für Fließbandarbeit ist sie zu alt. Doch ansonsten bietet ihr Heimatbezirk South Boston kaum Jobperspektiven.

Was also tun?, wird in der Freundinnenrunde gemeinsam überlegt. Jean gibt einen Hinweis: Mike hat’s geschafft. Mike, ebenfalls aus Southie, ist Arzt geworden, führt eine Praxis in der Innenstadt, verfügt über ein mutmaßlich finanzkräftiges soziales Netzwerk – und war in Jugendjahren einen Sommer lang Margarets Liebe. Legitimation genug für Margaret, sich zu seiner Geburtstagsparty einzuladen, wo sie nützliche Kontakte zu knüpfen hofft. Mikes Nachricht, dass das Fest abgesagt sei, hält sie lediglich für eine schlecht versteckte Ausladung. Als Margaret in der Villa eintrifft, wo tatsächlich keine Party stattfindet, bitten Mike und seine Frau Kate sie herein, bieten Wein und Käse an, präsentieren sich als höflich-distinguierte Gastgeber – bis sich beim Gespräch über alte Zeiten in Southie die soziale Kluft zwischen ihnen auftut. Fragen stehen im Raum: Wie festgelegt ist eine Biografie von den sozialen Koordinaten der Geburt? Lohnt sich Leistung? Sind Arme selber schuld? Ist Glück im Spiel? Mike, der hehre Self-Made-Man, sieht in Margarets misslicher Lage ihr persönliches Versagen. Doch Margaret räumt auf mit der Legende vom American Dream und erweist sich als unbeirrbare Heldin mit der Furchtlosigkeit derer, die kaum mehr etwas zu verlieren haben.

Wie die meisten der fein beobachtenden Dramen des US-amerikanischen Autors und Pulitzer-Preis-Gewinners David Lindsay-Abaire wurde Mittelschichtblues am Broadway gefeiert. Regisseur Ingo Berk realisiert nach Die Ratten und Hotel Savoy seine dritte Inszenierung am Volkstheater.

 

Erfahren Sie mehr über Mittelschichtblues im Volkstheater-Magazin.

  • Bühne und Kostüme Damian Hitz
  • Musik Patrik Zeller
  • Dramaturgie Veronika Maurer

mit Günter Franzmeier (Mike), Nancy Mensah-Offei (Kate), Claudia Sabitzer (Margaret), Martina Spitzer (Jean), Lukas Watzl (Stevie), Doris Weiner (Dottie)

Pressestimmen

„Dass das Stereotyp der sich aufopfernden Mutter hier kritisch auseinandergenommen wird, dafür steht auch Claudia Sabitzers Spiel ein, die die Bedingungen ihres unfairen Überlebenskampfes sukzessive offenlegt und ihrer Figur eine triumphale Trotzigkeit, ja souveränen Eigensinn verleiht.“

Margarete Affenzeller, Der Standard

„Claudia Sabitzer begeistert in der Rolle der prolligen, furchtlosen Margaret, die trotz ihrer prekären Lage ihren Stolz nicht ablegen will, auch nicht, als sie bei ihrer alten Jugendliebe Mike (schön steif: Günter Franzmeier) um einen Job betteln muss. Die zweite Hälfte des Stücks entwickelt sich zum spannenden Kammerspiel, das an Yasmina Rezas Der Gott des Gemetzels erinnert: Da treffen die sozialen Gegensätze mit einer Wucht aufeinander, die alte Wunden aufreißt und neue Blickwinkel preisgibt. Sehenswert.“

Katrin Nussmayer, Die Presse

„Zeitstück, Frauenstück, Rührstück, Kunststück: Die treuen Abonnenten des Volkstheaters in Wiens Außenbezirken dürfen sich auf den Mittelschichtblues (Good People) des Pulitzerpreisgewinners David Lindsay-Abaire freuen. Claudia Sabitzer füllt in Ingo Berks punktgenauer Regie die Hoffnungslosigkeit einer arbeitslosen Supermarktkassiererin mit praller und brüchiger Vitalität.“

Hans Haider, Wiener Zeitung

„Flotte Dialoge zwischen Figuren, die gesund egoistisch, manchmal etwas gemein, aber nie unmenschlich sind, erwärmen ohne Tränendrüsendruck die Herzen der Zuschauer. Regisseur Ingo Berk lässt sämtliche Schauspieler – als Gäste sind noch Nancy Mensah-Offei, Martina Spitzer und Lukas Watzl dabei – zur Hochform auffahren. Vor allem Claudia Sabitzer scheint die Rolle ihres Lebens zu spielen, ihre Mimik offenbart die Nuancen der verzweifelten Energie einer Frau, die ständig kämpfen muss.“

Martin Pesl, Falter