Menü
 
© Anu Blaha / Volkstheater
© Anu Blaha / Volkstheater
Du hast ein starkes Herz. Wie ein echter Ritter.
Uraufführung

Mugshots

von Thomas Glavinic
Christoph arbeitet in einer Werbeagentur, einmal im Monat gibt er sich mit seinen Saufkumpanen die Kante. Am Tag danach fühlt er sich, als müsse er seinen schweren Kopf in die Polizeikamera halten, für jene gnadenlos nüchternen Porträts, die in den USA „Mugshots“ heißen und schon manchen Prominenten bloßgestellt haben.

Die Frage, die sich Christoph an diesem Morgen stellt, lautet allerdings: Wer ist die Frau in seiner Wohnung? Sie behauptet, er habe sie im Absturzlokal von voriger Nacht in einem Anfall von Ritterlichkeit erobert und sie aus einem Leben befreit, das von Abhängigkeiten dominiert war. Hat er ihr wirklich eine gemeinsame Zukunft versprochen? Mugshots ist ein modernes Großstadtmärchen: Wie im Froschkönig steht der Wert eines Versprechens auf dem Prüfstand. Und während die Frau sich durch die Außenwelt mehr und mehr bedroht fühlt, beginnt Christoph allmählich, sich in der ihm zugedachten Rolle des Retters zu gefallen. Doch was ist Schein in diesem Spiel um das Leben und seinen Preis, was Sein? Und wer bestimmt die Regeln?

Mit Mugshots tritt der österreichische Schriftsteller Thomas Glavinic erstmals als Theatermann in Erscheinung. Nach seinem letzten großen Romanerfolg mit Der Jonas-Komplex (2016) wagt er sich nun an die Inszenierung seines ersten Theaterstücks.


mit Christoph Rothenbuchner (Christoph), Nadine Quittner (Anastasia)

Pressestimmen

Mugshots ist frei von Poesie, aber voll mit pointiert geschildertem Alltag – und der Autor empfiehlt sich auch als Regisseur. (…) Glavinic zeigt Parallelwelten, über die wir zwar gerne sprechen, die wir aber nicht wahrhaben wollen, wenn wir einem Bettler ein paar Euro geben, uns dann umdrehen und zuschauen, wie er sie wieder hergeben muss. Mugshots, eine allzu schlichte Geschichte? Mag sein, aber zeitgemäßer und wahrer als der ferne Strindberg und die erbauliche Pretty Woman.“

Barbara Petsch, Die Presse

„Christoph Rothenbuchner als verklemmter Bobo-Erfolgsschnösel mit schwieriger Kindheit, und Nadine Quittner als undurchsichtige, zwischen Verzweiflung und Manipulation schwankende Schönheit spielen ausgezeichnet. Thomas Glavinic hat seinen eigenen, starken, viele unangenehme Fragen stellenden Text geschmeidig in Szene gesetzt. Viel Applaus.“

Guido Tartarotti, Kurier

„Nadine Quittner und Christoph Rothenbuchner zeigen überzeugend, dass Mugshots weit mehr ist als nur ein Quickie über emotionale und existenzielle Fragen. Es ist ein Gruselkammerspiel nach Glavinic-Art, reich an Lakonie, aber auch an Zweifeln. Auch da stimmt die Gewichtung.“

Werner Krause, Kleine Zeitung

„Glavinic und das Ensemble verhandeln so recht eindrücklich, wie schnell ein Selbst- und Weltbild mit vermeintlich starkem Fundament zu bröckeln beginnen kann. Das enge Setting verstärkt die Wirkung des zwischen Aufbruchsstimmung und Angst angesiedelten Schauspiels, das vom Premierenpublikum mit viel Applaus bedacht wurde.“

Nikolaus Täuber, APA