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Illustration: Valerie Tiefenbacher

Nur Pferden gibt man den Gnadenschuss

nach dem Roman von Horace McCoy
mit englischen Übertiteln
Dem Paar, das am längsten durchhält, winkt ein Geldpreis. Aber ist das schon Grund genug, sich über Wochen auf einer Tanzfläche neugierigen Blicken hinzugeben – dem Voyeurismus derer, die nur auf das Scheitern warten?

So ein Tanzmarathon hat klare Regeln. Jedes Paar tanzt, solange es kann. Tanzen bedeutet in diesem Fall: immer in Bewegung bleiben, nie stillstehen, auch nicht beim Engtanz. Alle zwei Stunden sind zehn Minuten Pause gestattet, in denen alles Nötige getan werden kann: schlafen, essen, Körperhygiene. Wenn sich das Feld von alleine nicht lichtet, dann hilft das Management durch sadistische Spiele nach. Bewertet wird längst nicht nur die konditionelle Leistung, sondern der Überlebenswille, der sich in den Gesichtern und Körpern der Teilnehmer/innen abzeichnet.
Zur Beurteilung freigegeben ist die Existenz selbst.
Der US-amerikanische Schriftsteller Horace McCoy hat 1935 das reale Phänomen der in der Zeit der Depression berüchtigten Tanzmarathons aufgegriffen und in eine große Metapher umgewandelt. Im Mittelpunkt seiner legendär von Sidney Pollack verfilmten Geschichte steht ein Paar von beschäftigungslosen Statist/innen, das sich durch sein Mitwirken am Tanzmarathon die Aufmerksamkeit Hollywoods erhofft. Aber hoffen sie wirklich? Oder fügen sie sich willig in ein Szenario der Selbstausbeutung, das nur ein „Gnadenschuss“ beenden könnte?
Regisseur Miloš Lolić ist dem Volkstheater-Publikum durch bereits mehrere genreübergreifende Arbeiten vertraut – zuletzt Rechnitz (Ein Würgeengel) und Lazarus, wofür er den Dorothea-Neff-Preis für die beste Regie gewann.

  • Premiere
    SO 22. SEP 2019 19.30