Menü
 
Uraufführung

Opernball

nach dem gleichnamigen Roman von Josef Haslinger
Bühnenfassung von Alexander Charim und Heike Müller-Merten
Ein Giftgasanschlag trifft die Gäste des Wiener Opernballs. Der renommierte Fernsehjournalist und Kriegsreporter Kurt Fraser koordiniert die Live-Übertragungen aus den Ballsälen und wird Zeuge des qualvollen Sterbens Tausender Menschen. Unter den Opfern ist sein Sohn. Und fast die gesamte österreichische Regierung.

Von Trauer um seinen Sohn getrieben versucht Kurt Fraser, die Hintergründe des Anschlags zu verstehen. Der Terrorakt hat das Stimmungsbild im Lande verändert. Die Bürger fordern Sicherheit. Österreich steht vor Neuwahlen. Aber die Täter können nicht dingfest gemacht werden. Fraser sucht Informanten im Polizeiapparat und stößt auf Ungereimtheiten. Auch die Tatsache, dass sein Auftraggeber, ein europäischer Medienkonzern, Entscheidungen im Hinblick auf Übertragungsrechte beeinflusst hat, erscheint ihm angesichts der Katastrophe in neuem Licht. Fraser beginnt auf eigene Faust zu recherchieren. Schließlich findet er am anderen Ende von Europa den einzigen Überlebenden der rechtsextremen Terrorzelle. Dieser bestätigt die Verbindungen in höchste Regierungskreise – und damit Frasers Verdacht.

Alexander Charim, 1981 in Wien geboren, bringt Josef Haslingers verstörend hochaktuellen Politthriller aus dem Jahr 1995 zur Uraufführung. Alexander Charim inszeniert an Schauspielhäusern und Opernbühnen in Österreich, der Schweiz und Deutschland.

Der in Wien und Leipzig lebende österreichische Schriftsteller Josef Haslinger (* 5. Juli 1955 in Zwettl, Niederösterreich) ist mit seinen gesellschaftskritischen Romanen weit über die Grenzen Österreichs bekannt. Mit analytischer Schärfe entwickelt er komplexe gesellschaftspolitische und geschichtliche Zusammenhänge, die er in prägnanten und spannenden Erzähltechniken verarbeitet. Josef Haslinger war Mitbegründer der Menschenrechtsorganisation SOS Mitmensch und gemeinsam mit Willi Resetarits bis 1993 deren erster Vorsitzender. Als Verfasser politischer Essays wird Josef Haslinger auch immer wieder zu brisanten Fragestellungen in österreichischen Medien zu Wort gebeten. Haslinger ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und war vier Jahre dessen Präsident. Zahlreiche Ehrungen wurden ihm zuteil; zuletzt erhielt er 2017 das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien. Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit lehrt Haslinger seit 1996 als Professor für literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut Leipzig.
Josef Haslingers Politthriller Opernball wurde 1998 mit internationaler Besetzung verfilmt.

 

In Kooperation mit

Die Expert/innenrunde empfiehlt:
Das Stück eignet sich besonders für Schulklassen, da die Inszenierung neben ihrer gesellschaftspolitischen Aktualität eine sehr dichte und mediale Adaption der literarischen Vorlage von Josef Haslinger bietet. Eine Verknüpfung ist mit den Schulfächern Deutsch, Geschichte, Psychologie, Ethik und vor allem auch Politische Bildung möglich.

Gruppendynamische Prozesse und Mittäterschaft innerhalb faschistischer Gruppierungen sind zentrale Themen von „Opernball“. Die Rolle der Medien durch Übertragung und Produktion von Extremismus wird verhandelt.

Haslingers gekonnte Verknüpfung von aktuellem Weltgeschehen, gesellschaftspolitischen Dynamiken und persönlicher Motivation, die vor Totschlag und Mord nicht zurückschreckt, wird in dieser Inszenierung klar herausgearbeitet. Der Aufstieg einer rechtspopulistischen Partei und die Ausweitung staatlicher Autoritäten ist Ziel der Aktionisten und erschreckend nah an der heutigen Realität.

Die eindringliche und schonungslose Sprache, der Einsatz einer Live-Kamera und eine schlichte Drehbühne schaffen unterschiedliche Erzählperspektiven. Die Intensität des Stückes wird auch durch die darstellerisch starke Leistung der Schauspieler zu einer beklemmenden Reise durch Text und Wirklichkeit. Die Expert/innenrunde empfiehlt „Opernball“ für Jugendliche ab 16 Jahren und eine Nachbereitung für Schulklassen.

Es werden keine einfachen Antworten auf komplexe Situationen gezeigt. Der Bezug zur Gegenwart ist nicht nur für Jugendliche hochaktuell.

Das Junge Volkstheater bietet kostenfrei begleitende Workshops zur Vor- und Nachbereitung und Gespräche an!

Bei Interesse melden Sie sich bitte unter junges@volkstheater.at

Weitere Termine in Planung


Pressestimmen

„Kluges, zurückhaltendes Konzept und ein ausgezeichnetes Schauspieler-Sextett. Sebastian Klein stellt als ihr Anführer (…) erneut seine Eignung zu harten, charismatischen Figuren unter Beweis. (…) Charim gelingt es, der Vielschichtigkeit des Buches gerecht zu werden und sogar Erinnerungen an die seinerzeitigen Opernballdemos wieder lebendig werden zu lassen. (…) Willkommen in der Gegenwart.“
Wolfgang Huber-Lang, APA

„Sebastian Klein gelingt es gut, die Entwicklung vom ‚kleinen Ausländerhasser‘ zum ‚geborenen Führer‘ mit Mission darzustellen. (…) Thomas Frank beeindruckt als die zwei Pole traumatisierter Polizist und fanatisch-lustvoller Terrorist. Die Sonderlingserotik der Gehässigkeit kann Bernhard Dechant gut rüberbringen, Lukas Watzl die hündische Untertänigkeit und gleichzeitig Negierung von Verantwortung. Stefan Suske ist so bedrohlich als Wehrmachtsmunition-Fetischist wie er jovial ist als zuständiger Oberst für ‚das Fest der feinen Pinkel‘.“
Christa Böck, Wiener Zeitung

„Am spannendsten ist die Geschichte der Terrorgruppe rund um ihren Anführer (hervorragend gespielt von Sebastian Klein.)“
Guido Tartarotti, Kurier

„Im Volx/Margareten wird dem Publikum auf intelligente und exzellente Art und Weise vor Augen geführt, wozu religiöse Verblendung und rassistisches Gedankengut führen können. (…) ‚Opernball‘ ist eines jener Theaterhighlights, in dem tatsächlich alles stimmt. Text, Regie und die Besetzung der Rollen.“
Michaela Preiner, European Cultural News