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© Valerie Tiefenbacher / Volkstheater
© Valerie Tiefenbacher / Volkstheater
Fehlt Ihnen was, daß Sie sehen, was gar nicht da ist?

Rechnitz (Der Würgeengel)

von Elfriede Jelinek
Rechnitz im Burgenland: Gräfin Batthyány lädt SS- und Gestapo-Männer zum großen Gefolgschaftsfest auf ihr Schloss. Sie weiß: Es wird das letzte sein, denn die Rote Armee rückt täglich unaufhaltsam näher.

Und so wird noch einmal ausgelassen gefeiert. Kurz vor Mitternacht klingelt ein Telefon, und eine Gruppe Gäste verlässt das Fest. Gewehre werden ausgegeben. Als die Gäste zurückkommen, um weiterzufeiern, haben sie etwa 180 jüdische Zwangsarbeiter erschossen. Das Verbrechen wurde im postnazistischen Österreich nie vollständig aufgeklärt. Die Hauptschuldigen entkamen ins Ausland, andere erhielten milde Strafen. Zwei Zeugen wurden ermordet. Und die Gräber der Opfer wurden bis heute nicht gefunden.
Jelinek lässt Boten und Botinnen vom Geschehen berichten: Stimmen aus dem Heute und dem Damals, Zeug/innen eines jener „Endphaseverbrechen“, in denen angesichts der bevorstehenden Niederlage des NS-Regimes das Morden noch einmal exzessiv und bekenntnishaft vollzogen wurde. Der Text richtet damit sein Augenmerk auf die unbeteiligten Beteiligten dieser monströsen Nacht und umkreist die Themen Mitwissen und Mitschuld sowie Erinnern und Erzählen. Im Durchmessen und Durchforsten der seither vergangenen Jahrzehnte konstatiert er zugleich die Vergeblichkeit des Kündens von der Geschichte.

Das Volkstheater zeigt mit Rechnitz (Der Würgeengel) einen der eindringlichsten Texte von Elfriede Jelinek, für den sie 2009 mit dem Mülheimer Dramatikerpreis ausgezeichnet wurde und der zwei ihrer Lebensthemen variiert: die nicht aufgearbeiteten Verbrechen der NS-Zeit und das mangelnde Vermögen der Sprache bei der Bewältigung ihrer dringlichsten Aufgaben.

Der serbische Regisseur Miloš Lolić inszenierte bereits zwei Mal am Volkstheater: Magic Afternoon (2012) und Die Präsidentinnen (2014). In seiner Inszenierung von Rechnitz (Der Würgeengel) sucht er nach den Übergängen zwischen Party und Exzess, Rausch und Gewalt.

 

Mehr über Rechnitz (Der Würgeengel) erfahren Sie im Volkstheater-Magazin.

  • SA 28. JÄN 2017 19.30 - 21.30
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  • MO 06. FEB 2017 19.30 - 21.30
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    anschl., Rote Bar: Publikumsgesprüch
  • FR 17. FEB 2017 19.30 - 21.30
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  • DO 23. FEB 2017 19.30 - 21.30
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Weitere Termine in Planung


Pressestimmen

„Miloš Lolić hat jedenfalls genau hingeschaut, auf den Text und die Sprachgewalt Jelineks. Und er hat die richtigen Bilder dafür gefunden. Entsprechend lang war der Applaus nach diesen intensiven zwei Stunden.“

Christoph Griessner, APA

„Dem serbischen Regisseur Miloš Lolić gelingt am Volkstheater eine vielschichtige Aufführung: Rechnitz zählt zum Stärksten dieser Saison. (…) Thomas Frank, Katharina Klar, Sebastian Klein, Steffi Krautz, Kaspar Locher, Claudia Sabitzer, Birgit Stöger und Jasmin Avissar gebührt Bewunderung: für Präsenz, Emotion und virtuose Textbehandlung.“

Heinz Sichrovsky, Kronen Zeitung

„Lolić hat für seine knapp zwei Stunden dauernde Aufführung aus dem riesigen Drama passend prägnante Stellen ausgewählt. Die Fragmente ergeben ein sinnvolles Ganzes. (…) Dieses gut eingespielte Ensemble schont sich nicht. Es schont uns nicht.“

Norbert Mayer, Die Presse

„Mit einem exzellent durchdachten und umgesetzten Konzept begeistert Elfriede Jelineks Rechnitz im Volkstheater Wien. (…) Eine in die Magengrube zielende Inszenierung, die voll aufgeht.“

Reinhold Reiterer, Kleine Zeitung

„Das eine oder andere Rätsel lässt Regisseur Miloš Lolić in seiner klar konzipierten, durchdachten und brillant gearbeiteten Inszenierung zurück, und das ist gut so. Schließlich soll all der Rhythmus, wo man mitmuss, nicht die Ungeheuerlichkeit verdecken, die in Rechnitz 1945 passierte. Genau über diese Frage finden Stück und Inszenierung zusammen: Wann hört die Feierlaune je auf?“

Martin Pesl, Falter

„Die Textaufteilung auf das gesamte Ensemble lässt dieses wie einen antiken Chor auftreten. Andererseits erhalten alle Monologe, in welchen die unterschiedlichen Standpunkte zu diesem Geschehen ein Gesicht bekommen. Thomas Frank, Katharina Klar, Sebastian Klein, Steffi Krautz, Kaspar Locher, Claudia Sabitzer und Birgit Stöger präsentieren die Mitwissenden von hoch emotional bis verzagt, von abweisend bis rechtfertigend – immer jedoch intensiv und hoch präsent.“

Michaela Preiner, European Cultural News